Liebe Schwestern und Brüder!
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ sagt Jesus heute im Evangelium. Wer verwirrt ist, kann sich nicht selber helfen, sondern ist auf Hilfe angewiesen. Verwirrt sein bedeutet, das alles durcheinander gerät und die Ordnung nicht mehr da ist. Und verwirrt waren die Jünger durch die Worte Jesu, die sie nicht so ganz einreihen konnten. Thomas musste sogar eingestehen, dass er sogar, das was bisher klar war, nicht mehr versteht. Die Verstörung unter den Jüngern war groß bei dieser sogenannten Abschiedsrede Jesu.
Jesus bezeichnet sich als Weg, der zum Vater führt, aber dieser Weg zu Gott ist keine festgelegte Straße, so, als müssten wir nur den Wegweisern folgen, als müssten wir nur bestimmte Dinge tun oder lassen, um in den Himmel zu kommen. Der Weg zu Gott kann für unterschiedliche Menschen sehr verschieden aussehen, aber egal wie ein Mensch sein Leben gestaltet: Er muss es mit Jesus leben. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben: niemand kommt zum Vater außer durch mich.“
Unser Br. Josef ist seinen Weg mit Christus gegangen. Er wurde am 16. Oktober 1917 in Reimlingen geboren. Nach der Volksschule besuchte er die Landwirtschaftsschule mit Schwerpunkt Gartenbau. Von Februar 1940 bis Mai 1945 wurde er zum Militär eingezogen und geriet bis Dezember 1949 in russische Gefangenschaft. Am 30. März 1951 trat er bei uns Mariannhiller Missionaren als Bruderpostulant ein. Seine Noviziatszeit verbrachte er hier in Reimlingen und legte am 1. November 1953 seine erste Profess ab.
Im März 1954 wurde er als Gärtner ins Aloysianum nach Lohr versetzt und kam im Dezember 1960 erneut nach Reimlingen, diesmal an unser Seminar. Seit Januar 1985 war er wieder erfolgreich im Aloysianum als Obstfachmann und Gärtner tätig.
Seit 1979 war es Bruder Josef auch ein großes Anliegen, zusammen mit Jugendgruppen, die Gräber auf ranzösischen Soldatenfriedhöfen zu pflegen. Über Jahrzehnte besuchte er auch mit Angehörigen der Gefallenen und mit Pilgergruppen die französischen Friedhöfe. Auf die Mitinitiative von Br. Josef kam es zur Partnerschaft der Gemeinden Maihngen und Farbus in Frankreich, deren Ehrenbürger Br. Josef wurde.
Für sein Engagement wurde er aber noch mit weiteren Auszeichnungen geehrt. Der Volksbund Kriegsgräber-Fürsorge und die Ehrengarde des Heldenfriedhofs Lorettohöhe des Französischen Nationalfriedhofs zeichneten ihn mit Ehrennadeln aus und zudem wurde ihm auch die Bundesverdienstmedaille verliehen. Bruder Josef pflegte diesen Friedensdienst und diese Art von Völkerverständigung solange es seine Gesundheit erlaubte.
Am 18. August 2006 kam er in unser Pflegeheim hier in Reimlingen, wo er nun am 2. Mai 2012 verstorben ist.
Liebe Schwestern und Brüder!
Gerade im Mittelalter war dieses Unterwegssein mit Christus ein wesentlicher Aspekt der Frömmigkeit. Pilgern zu den heiligen Stätten der Christenheit gehörte für viele Menschen zur Glaubenspraxis selbstverständlich dazu. Damals wurden weite Strecken zurückgelegt. Und in unseren Tagen erleben wir eine Renaissance des Pilgerns. Pilger sind wir Menschen auf dieser Erde. Durch unser Wallfahren, durch unser Beten und Singen auf der Wanderschaft bringen wir diese Wahrheit zum Ausdruck. Früher war eine solche Pilgerschaft eine gewaltige Leistung. Monate, ja manchmal sogar Jahre waren Menschen unterwegs, um einen heiligen Ort zu besuchen. Im Glauben nahmen sie diese Entbehrungen auf, um das Ziel zu erreichen.
Auch für Br. Josef war das Pilgern eine wichtige Erfahrung. Immer wieder pilgerte er etwa nach Rom und überreichte dabei auch öfters ein Geschenk an den Heiligen Vater. Bei dieser Gelegenheit kümmerte er sich aber auch immer wieder um den Baumschnitt in unserem Garten des Generalatshauses.
„Ich bin der Weg“, sagt Jesus und weist darauf hin, dass er nicht nur den Weg zu Gott weist, sondern dass er selbst der Weg ist. Bei Jesus fallen der Weg zu Gott und das Ziel, in Gott zu sein, in eins zusammen. Wir hingegen sind noch auf dem Weg. Wenn wir daran glauben, dass Jesus für uns der Weg ist, wenn wir in unserem Leben ganz auf ihn setzen, ist uns der Weg gebahnt zu Gott, dem Ziel unseres Lebens.
Wir können die Treue Gottes, seine befreiende Wahrheit in Jesus erfahren, der uns von dem befreien will, was uns niederdrückt und Angst macht. Er schenkt uns Vertrauen in Gottes unbegrenzte Liebe. Jesus entspricht, wie es von keinem anderen gesagt werden kann, unserem Verlangen nach letzter Wahrheit und letztem Sinn. In Jesus, dem Mensch gewordenen Gott, begegnen wir darum dem Leben selbst. Nur so konnte er von sich sagen: „Ich bin das Leben“. In der Gemeinschaft mit Jesus, der das Leben selbst ist, finden wir hin zum lebendigen Gott und zu einem unvergänglichen Leben in ihm.
Br. Josef ist am Ziel seiner Pilgerschaft angekommen. Er kommt zum Vater durch den Weg Jesus Christus. In diesem Vertrauen sind wir zusammengekommen, um unserem Br. Josef die letzte Ehre zu erweisen und ihn mit unserem Gebet zu begleiten. „Ich bin der Weg.“ Gott hat uns seinen eigenen Sohn gesandt, damit wir nicht verwirrt umherirren in dieser Welt, sondern die Wohnungen finden, die er uns bereitet hat. Diesen Platz des Heiles erbitten wir für unseren Br. Josef.
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