20 Jahre Förderkreis Bad AbbachThema: Die Laien und der Missionsauftrag Jesu
5. Dezember 2007: Festakt im Schloss Bellevue in Berlin. Bundespräsident Horst Köhler hat anlässlich des Tages des Ehrenamtes Menschen aus ganz Deutschland eingeladen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich engagieren, und zeichnete sie mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Stellvertretend für alle Ehrenamtlichen soll hier „Danke“ gesagt werden für den Einsatz in unterschiedlichen Lebensbereichen. Dieses „Dankeschön“ richtet sich ganz bewusst nicht an Menschen, die von Berufs wegen im sozialen oder caritativen Bereich tätig sind, sondern an Männer und Frauen, die ihre Freizeit opfern, um für andere da zu sein.
Was unsere Kirche betrifft, wäre die Missionsarbeit nicht das, was sie ist, wenn nicht so viele Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder sich hier engagierten, ja die Missionsarbeit gäbe es in dieser Form überhaupt nicht. Denn das ist eine ganz zentrale Erkenntnis, dass die Missionsbewegung im Grunde nicht auf die Priester und Ordensleute zurückgeht, sondern auf die Laien. Sage und schreibe 246 Missionsvereine schossen im 19. Jahrhundert in Europa aus dem Boden. Alle diese Laienbewegungen waren getragen vom Wunsch, dass den Menschen in den Teilen der Welt, die ge-ra-de entdeckt oder erforscht worden waren, das Licht des Glaubens gebracht wer-den soll: Ozeanien, Asien und Afrika waren plötzlich in den Blick der Christen Europas gerückt - und die Menschen dort sollten alle die Frohe Botschaft hören. Diese Missionsvereine hatten es sich zum Ziel gemacht, die Missionare für ihre Arbeit finanziell zu unterstützen bzw. die Arbeit erst möglich zu machen. Heute, nach fast 200 Jahren, finden wir die Mehrheit aller Katholiken in der so genannten Dritten Welt: und dieses Wunder beruht auf der von Laien getragenen Missionsbewegung.
Der „Franz-Xaverius-Verein“ und der „Ludwig-Missionsverein“: MISSIO Der erste offizielle Missionsverein wurde am 3. Mai 1822 in Frankreich ins Leben gerufen. Die Gründung in Lyon ging auf die Ak-tivitäten von Pauline Jaricot zurück, die als Begründerin der Missionsbewegung an-gesehen werden kann. Ihr Gebets- und Sammelverein unterstützte die Arbeit der Ostasienmission. Doch neben der finanziellen Unterstützung ging es auch darum, die Idee der Mission unter die Leute zu bringen. Das Prinzip war denkbar einfach: „Kleine Beiträge, aber von vielen, ein tägliches kleines Missionsgebet, aber von Millionen.“ Überall in Europa und sogar in Nordamerika wird man auf dieses Modell aufmerksam: so entstand u.a. 1832 in Aachen der niederrheinische Missionskreis, an dessen Spitze der Arzt Dr. Heinrich Hahn stand, und 1838 wurde in München unter der Schirmherrschaft des damaligen Königs Ludwig I. ein Missionskreis ins Leben gerufen; König Ludwig stattete ihn mit der unglaublichen Summe von 100000 Gulden aus. Die Mitglieder kommen in der Mehrheit aus dem „ärmeren Kirchenvolk“. Sie mussten sich damals mit so manchen Vorbehalten auseinander setzen, die es auch heute immer wieder zu hören gibt: „Zuerst sollte doch den einheimischen Bedürfnissen abgeholfen werden, bevor Mittel in fremde Länder gegeben würden.“ Aber das missionarische Bewusstsein war stark genug, damit fertig zu werden, schließlich wussten sie sich nichts geringerem als dem Missionsauftrag Jesu verpflichtet.
In der Folge entstanden aus diesen Missionskreisen der Franz-Xaverius-Verein in Aachen und der Ludwig-Missions-Verein in München. Aus diesen beiden Gründungen setzt sich das heutige MISSIO in Deutschland zusammen: es ist heute das größte Hilfswerk der Welt. 2500 Großprojekte werden aktuell in aller Welt unterstützt. Dazu gehören hauptsätzlich: Ausbildung von Priestern, Schwestern und Katecheten Lebensunterhalt für Bistümer in Afrika, Asien und Ozeanien Hilfen für Missionsarbeit und Seelsorge Bau von Kirchen, Missionsstationen Missionarische Aufgaben in Europa
Laut Missio München /Aachen hatten sie im Jahr 2006 ein Spendenaufkommen von € 75,9 Mio., das sich zusammensetzt aus Kirchensammlungen, Einzelspenden, Daueraufträgen und Erbschaften. Sternsinger (Kindheit-Jesu-Verein) Am 2. Februar 1846 war der Geburtstag eines weiteren Hilfswerks: Das Aachener Mädchen Auguste von Sartorius gründete das deutsche Kindermissionswerk unter dem Namen „Verein der heiligen Kindheit Jesu“. Die Idee übernahm sie aus der französischen Diözese Nancy, wo unter dem Motto: „Mit Kindern anderer Regionen teilen, die schlechter gestellt sind als wir.“ Kinder für Kinder Geld sammelten. Sie griffen dabei einen Brauch auf, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreichte, nämlich den Brauch des Sternsingens. Am Anfang jeden Kalenderjahres sind die Sternsinger von unseren Straßen ja gar nicht mehr wegzudenken, wenn sie mit Stern, Weihrauch und Kreide bewaffnet von Haus zu Haus gehen, den Segen an die Tür schreiben und für notleidende Kinder Geld erbitten. Auch diese Jahr waren wieder über 500000 Jungen und Mädchen unterwegs von Tür zu Tür, in Schnee und Kälte, an offenen und ver-schlos-se-nen Türen. Und auch hier wieder ging die Idee und das Engagement nicht von Pries-tern und Bi-schö-fen aus, sondern ein Mädchen in Aachen brachte diesen Ball ins Rollen. MAZ: Missionare auf Zeit Und ein letztes Projekt möchte ich in dieser Reihe nennen, das Laien tragen und das sich heute immer größerer Beliebtheit erfreut. MAZ - Missionare auf Zeit. Missionsgemeinschaften bieten jungen Männern und Frauen die Möglichkeit, für ein oder zwei Jahre - ehrenamtlich - in der Missionsarbeit vor Ort - in Afrika, Lateinamerika oder Asien - mitzuarbeiten. Das Motto von MAZ lautet: „mitleben, mitbeten, mitarbeiten.“ Aus einem Ex-periment, das 1982 begann, ist eine Erfolgsgeschichte geworden. Für die jungen Leuten bietet sich hier die Gelegenheit, ihren eigenen Horizont zu weiten, das Leben in anderen Ländern und Kulturen kennen zu lernen und aktiv sich für andere einzusetzen. Für die Missionsgemeinschaften entsteht hier eine enge Kooperation mit Laien und sie erhalten motivierte und begeisterte Multiplikatoren im Hinblick auf die Missionsarbeit. Seit 1982 haben 1989 junge Menschen dieses Angebot wahrgenommen. Sie haben der Missionsarbeit ihr Gesicht gegeben. Aktuell bieten 20 deutsche Missionsgemeinschaften dies an. Wer regelmäßig sein MMM liest, erfährt hier so manche Erfahrungsberichte dieser MAZ-ler. Das Mariannhiller Missionswerk Auch Abt Franz wusste, dass er uns seine Brüder alleine diese Aufgabe in Südafrika nie und nimmer bewältigen können. Und so ruhte er nicht, Mariannhill bekannt zu machen. Er schreibt: „Ich kam von der Nordsee bis an das Mittelmeer, vom Schwarzen Meer bis an den Atlantik, von Serbien bis England, setzte alles in Alarm, predigend und bettelnd. In bischöflichen Kathedralen wie in Landkirchen, in Kapellen und Bauernwirtshäusern.“ Er schürte Begeisterung für seine Arbeit und sammelte Geld für die Mission. Nachdem er ja aber nicht ständig in Europa sein konnte, sondern sich auch um Mariannhill vor Ort zu kümmern hatte, unterhielt er einen ständigen Briefwechsel mit Förderern in der Heimat und schickte schließlich einige Brüder nach Europa, damit sie dort für das Mariannhiller Missionswerk das nötige Geld sammeln. Über den deutschsprachigen Raum verteilt entstanden Niederlassungen, feste Stützpunkte, von denen die Reisebrüder aus versuchten, Spenden für die Mission zu betteln. Wie notwendig das ist, darauf wies Abt Franz immer wieder hin, denn es ist schier unglaublich, welche Baumaßnahmen die Mönche dort unternahmen und wie hoch die laufenden Kosten waren, aber es ist aber noch erstaunlicher, wie er das über-haupt finanzieren konnte.
Da waren Ausgaben für: Straßenbau; Baumaßnahmen im Kloster (die wachsende Zahl der Brüder musste ja unter-ge-bracht werden); Einrichten von Werkstätten; l Bau und Unterhalt von Schulen; Täglich müssen auf den Stationen 1050 Personen verköstigt werden; Wasserversorgung (Brunnen und Leitungssystem); und dann der Landkauf am Polela-Fluss mit der Missionsstation Reichenau; und so ging es weiter mit den Missionsstationen Einsiedeln, Mariatal, Ötting, Kevelaer, Loretto, Lourdes, Rankweil Tschenstochau, St. Michael Und dann immer wieder der Hilferuf nach Europa: „Aber dafür brauche ich Geld!“ Natürlich haben wir Abt Franz unwahrscheinlich viel zu verdanken, wenn wir heute sehen, was für ein riesiges Missionswerk aus der Abtei Mariannhill geworden ist, das sich heute auf alle Kontinente erstreckt. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, die andere besagt: „Die Missionssache war und ist Volkssache.“ Immer waren es Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder, die durch ihre Unterstützung einen ganz entscheidenden Anteil bei-trugen. Die einen gaben , was sie konnten, bei diversen Informationsveranstaltungen, andere wurden mehr oder weniger regelmäßig von Reisebrüdern besucht und spendeten ihren Teil, wieder andere initiierten Spenderkreise oder mobilisierten Sponsoren, wieder andere hielten die Missionsidee in Europa lebendig. Die Missionsarbeit war und ist nicht Arbeit der Hauptamtlichen in der Kirche, sondern sie seit je her Arbeit der Laien. Nur durch ihre Begeisterung und ihr Engagement konnte die Botschaft Jesu in die Welt hinausgetragen werden. Auch ein kleiner Junge mit Namen Joseph Ratzinger hat seinerzeit unsere Zeitschrift seiner Oma gebracht - und er ist uns bis heute verbunden. Was wären wir ohne Leute, wie ihr es seid? Dazu habe ich ein paar Zahlen zusammen gesucht: CMM in Deutschland - 20055 beziehen das MMM (Mariannhiller Missionsmagazin) - Wir haben 1384 Förderer, die im Schnitt 10 Zeitschriften verteilen -Jährlich verschicken wir 22100 Freundesbriefe an Menschen, die uns verbunden sind. CMM in Österreich - 7080 MMM werden verschickt - 15400 befinden sich in der Spenderkartei CPS in Deutschland: - verschicken 5115 Hefte, die von 393 Förderer verteilt werden.
Ich weiß, das sind nur Zahlen, aber hinter jeder Zahl stehen Menschen, die mit uns Mariannhillern, mit unserer Arbeit, mit der Mission verbunden sind. Und dessen sind wir uns als Mariannhiller Missionare auch bewusst; auch wenn viele bei uns sich nicht vorstellen können, was für eine Arbeit dahinter steckt, wenn der Förder-kreis in Bad Abbach z.B. wieder seine Autoverlosung durchgeführt hat: welche Planungen nötig sind, wie viele Hände da Preise betteln oder wie viele Lose an den Mann und an die Frau gebracht werden müssen. Da muss man schon mal dabei gewesen sein, um auch nur abschätzen zu können, was da an Zeit und Arbeit und Schweiß dazugehören. Aber wir wissen, dass wir ohne euch keine großen Sprünge machen könnten, wir wissen, dass ohne Menschen, wie ihr es seid, Mariannhill ein unbedeutender Fleck auf der Weltkarte wäre. Danken für das, was ihr getan habt und tut, kann ich gar nicht genug. Ich kann euch nur ein „Vergelte es Gott!“ wünschen für euren Dienst an den Menschen in Afrika und Papua Neuguinea. Und wenn es nach mir ginge, dann wärt ihr dieses Jahr im Dezember alle dabei, wenn der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz verleiht: denn eure Arbeit für das Reich Gottes und die Menschen in aller Welt kann man gar nicht hoch genug schätzen und würdigen.
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