Abt Franz Pfanner Freundesbriefe (1) Rom, den 24. Mai 2005 Liebe Verwandte & Bekannte, liebe Freunde und Wohltäter der Missionare von Mariannhill! Im August 2005 findet in Köln ein großes Ereignis statt: Der Heilige Vater hat zum Weltjugendtag eingeladen. Tausende von Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden daran teilnehmen. Der Kölner Dom wird zwar bei den Großveranstaltungen nicht im Mittelpunkt stehen, aber dennoch wird dieses gotische Meisterwerk von zahlreichen Jugendlichen besucht und bewundert werden. Für Missionsabt Franz Pfanner war der Kölner Dom zeitlebens ein Symbol besonderer Art – und eine lebenslange Erinnerung, denn er hat buchstäblich seinen „Baustein“ dazu beigetragen, damit diese monumentale Kathedrale vollendet werden konnte. Wie es dazu kam – das möchten wir Ihnen gleich erzählen: Wendelin Pfanner, der 1825 in Vorarlberg das Licht der Welt erblickt und 13 Jahre lang als Pfarr-, Schwestern- und Gefängnisseelsorger gewirkt hatte, ehe er bei den Trappisten in Mariawald in der Eifel eintrat und sich von nun an Pater Franz nannte, war nämlich Mitglied des „Brixener Kölner Dombauvereins“ – und zwar zusammen mit mehreren Studenten und Professoren der Südtiroler Hochschule. Als er 1849, ein Jahr vor seiner Priesterweihe, nach Köln pilgerte, trug er auch die Spendenliste der Brixener Freunde bei sich und übergab höchstpersönlich den eingegangenen Betrag an den Schatzmeister der Kölner Dombauhütte. Dass sich katholische Geistliche oder angehende Theologen bzw. ihre Professoren für die Fertigstellung des Kölner Doms einsetzten und gar durch finanzielle Zuwendungen dies öffentlich dokumentierten – das war einmalig. So jedenfalls äußerte sich Dombaumeister Professor Dr. Arnold Wolff, als man ihn auf Pfanner und seine Freunde verwies. Katholische Kleriker, so der Chef der Kölner Dombauhütte, hätten sich ganz bewusst von diesem Projekt ferngehalten, denn die Fertigstellung der Domtürme sei Sache des Kaisers in Berlin gewesen – und mit den „Preußen“ wollte damals kein Rheinländer, auch kein Pfarrer oder Bischof, etwas zu tun haben. Das Kirchenschiff des Kölner Doms war bekanntlich im Mittelalter erstellt worden, doch dann gingen die Pläne für die Türme verloren. Sie wurden erst um 1836 auf einem Darmstädter Dachboden wieder entdeckt. Doch inzwischen hatte der Kaiser von Berlin aus seine Hand über die Region am Rhein ausgestreckt; genau das war für die Kölner Grund genug, später des Kaisers „Bonbon“ abzuweisen, als er sich bereit erklärte, den Dom zu vollenden. Daher also auch die große Skepsis des Dombaumeisters, als man ihn auf die Beiträge katholischer Theologen aus Brixen aufmerksam machte. Aber schon ein paar Wochen später war Professor Wolff im Domarchiv fündig geworden: Die Spendenliste, die der junge Pfanner 1849 in Köln hinterlassen hatte, wurde aufgefunden – samt allen Namen und der jeweiligen Beitragshöhe ihrer Abgaben. Wolff lieferte auch eine Erklärung mit: In Vorarlberg und Südtirol sei man Mitte des 19. Jahrhunderts durchaus deutschfreundlich eingestellt gewesen, und da das heutige Wahrzeichen Kölns Mitte zu der Zeit immer noch unvollendet dastand, wollte man seinen Obolus zur Vollendung dieser Kathedrale beitragen. Wir können also mit Fug und Recht behaupten: Abt Franz Pfanner hat, weil eingetragenes und zahlendes Mitglied des „Brixener Kölner Dombauvereins“, neben dem Kaiser in Berlin, zur Finanzierung der Domtürme beigetragen. – Es gab übrigens neben Pfanner noch einen zweiten Mariannhiller, der am Bau der Kölner Domtürme mitgewirkt hat, nämlich Bruder Martin Heinlein (1855-1926). Der gebürtige Unterfranke – er wurde 1855 in Ottelmannshausen im Grabfeldgau geboren – war von Beruf Steinmetz. Dieses Handwerk hatte er bei seinem Vater erlernt. „Nach der dreijährigen Lehre ging ich in die Fremde“, schreibt der spätere Bruder in seinen Memoiren, „und war unter anderem auch zwei Jahre lang am Kölner Dom tätig, wo ich sozusagen erst ein richtiger Steinmetz geworden bin.“ – Soviel zur direkten und indirekten Bauhilfe am Kölner Dom durch zwei Mönche von Mariannhill. Die beiden eleganten Domtürme wurden zwischen 1842 und 1880 fertiggestellt, und zwar, wie erwähnt, mit dem Kaiser in Berlin als eigentlicher Geldgeber. Würden Abt Franz und Bruder Martin, kämen sie heute nach Köln, die Stadt wieder erkennen? Das Köln, das beide einst so gut gekannt haben. Den Dom, gewiss, den könnten sie ihnen erklären, aber in der Stadt täten sie sich schon schwerer. Gewiss, Pfanner war oft in der Domstadt; hier und im benachbarten Neuss lebten seine besten Freunde und größten Wohltäter. Aber seit dem Zweiten Weltkrieg, vor allem durch die vielen und schweren Bombenangriffe mitverursacht, sind nur wenige Straßenzüge und Häuserreihen der Innenstadt so geblieben wie sie einst waren. Auch das Haus der Missionare von Mariannhill in der Brandenburgerstraße war total zerstört. Nur der Dom steht noch. Und der Rhein fließt weithin noch an gleicher Stelle. Die Jugend der Welt, die sich im Sommer hier einfinden wird, hofft wie auch der neue Papst in Rom, dass der Flair von Köln etwas von jenem Geist ausstrahlt, der der Stadt einst den stolzen Beinamen das „hilliche Kölle“, das heilige Köln, eingebracht hat. Liebe Freunde, wir danken für Ihr Interesse am Fortgang der Vorbereitungen zur Seligsprechung von Abt Franz Pfanner sowie für Ihre Großzügigkeit gegenüber uns Missionaren von Mariannhill. Die Katalogisierung der Dokumente von und über Abt Franz geht gut voran. Wir wünschen Ihnen alles Liebe und Gute, vor allem und immer wieder Gottes Schutz und Segen. Ihr Pater Georg Lautenschlager CMM |