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Der Wandermönch von Triashill

BRUDER ÄGIDIUS FRANZ-XAVER PFISTER (1876 – 1932)

Triashill, ein Geschenk des Multimillionärs Cecil Rhodes an Missionsabt Franz Pfanner, liegt in der Nähe des Herrschersitzes des schwarzen „Goldkönigs“ Monomotapa im nördlichen Simbabwe. Auf dem riesigen Farmgelände errichteten die Mönche von Mariannhill ihre erste Missionsstation am Sambesi.
Eng verbunden mit der Geschichte von Triashill ist der Name des frommen Bruders Ägidius Pfister, des vielleicht populärsten Missionars von Mashonaland überhaupt.
Bruder Ägidius Pfister
Bruder Ägidius Pfister
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„Gott sei gepriesen, dass ich von katholischen Eltern geboren und noch am selben Tag getauft wurde! Gott sei gepriesen, dass meine Mutter mich schon als Kind auf den Dreifalitigkeitsberg (Triashill!) bei Spaichingen getragen hat! Gott sei gepriesen, dass ich am Jahrestag meiner Ersten Heiligen Kommunion afrikanischen Boden betreten durfte! Gott sei gepriesen, dass ich nach Triashill geschickt wurde …“ – So schrieb Bruder Ägidius in sein Tagebuch, drei Jahre vor seinem Tod:
Geboren wurde Bruder Ägidius am 26. September 1876 in Rottweil. Sein Elternhaus stand direkt neben dem Kleinen Seminar der Diözese Rottenburg. Was Wunder, dass der kleine Franz-Xaver (Taufname des späteren Missionars) selbst Priester werden wollte. Er besuchte denn auch das Humanistische Gymnasium, musste aber später aus Gesundheitsgründen abbrechen und fing eine Lehre als Landschaftsgärtner an. Mit 21 Jahren entschloss er sich, bei den Trappisten-Missionaren im südafrikanischen Mariannhill einzutreten. Das war 1897.
In der großen Missionszentrale arbeitete Bruder Ägidius im Wald, in den Obstplantagen und Gemüsegärten. 1909 wurde er auf die (wieder eröffnete) Triashill-Mission nach Rhodesien (heute Simbabwe) entsandt. Mit Ausnahme von drei Jahren (Internierung während des
1. Weltkrieges) blieb er in Triashill und Umgebung bis Oktober 1929. Der Wald und die Gärten waren auch in Triashill sein Revier, zusätzlich aber auch das Klassenzimmer. Am allerwohlsten fühlte er sich jedoch draußen in den Dörfern und Krals der Schwarzen, im Hinterland. Er suchte immer wieder neue Plätze aus für Schulen und Kirchen betreute Kranke und Sterbende und sah sich stets als „Vorläufer des Priester-Missionars“. Wo immer es um die Rettung von Seelen ging, war er zur Stelle. An manchen Tagen legte er 30 bis 40 Meilen zu Fuß zurück. Bei sich trug er wenig: eine Decke, ein Stück trockenes Brot, ein paar Erdnüsse und den Rosenkranz. Über viele seiner ausgedehnten Wanderungen führte er Buch. Achtzehn Tagebuchhefte sind uns erhalten geblieben. Da heißt es zum Beispiel: „1530 Kilometer in zehn Wochen zurück gelegt.“ Oder: 3220 Kilometer in sechs Monaten zu Fuß gegangen …“
Bruder Ägidius lebte wie die Menschen, die er besuchte und betreute. r aß, was man ihm gab, schlichtete ihre Händel, war Vater und Freund der Armen. Unzählige „Heiden“ wurden von ihm in Todesgefahr getauft.
Auch literarisch war er tätig. Mehrere Schulbücher gehen auf ihn zurück, darungter das Standardwerk „Easy English“. Die Eingeborenensprache beherrschte er wie kein anderer Weißer. Selbst Häuptlinge zollten ihm dafür großes Lob.
Für die Fortbildung der schwarzen Lehrer organisierte er (er selbst hatte sich weitergebildet und das Lehrerdiplom gemacht!) unzählige Wochenend-Kurse, die alsbald zum Modell für viele Regierungsschulen wurden. Wo immer Bruder Ägidius auftauchte – in seiner rauen Kutte, mit wallendem, weißem Bart und breitkrempigen Hut – er war gern gesehen und beliebt. Trotz großer missionarischer Erfolge blieb er bescheiden. War er aber einmal von einer Idee überzeugt, konnte er auch hartnäckig sein. So setzte er gegen den Widerstand seiner kirchlichen Obern durch, dass talentierte junge schwarze Buben bei ihm Sonderunterricht nahmen, auch in der Lateinischen Sprache. Einige von ihnen gingen später nach Mariannhill/Natal, wo sie das Abitur machten und Theologie studierten. Father Kilian Samakande (er starb hochbetagt 1986 in Südafrika) war der erste einheimische Priester aus Manicaland; Bruder Ägidius war auch sein Lateinlehrer gewesen.
Eine große Enttäuschung für den Brudermissionar war 1929 die Anordnung Roms, die Missionare von Mariannhill müssten Manicaland verlassen und künftig Matabeleland im Südwesten von Rhodesien/Simbabwe übernehmen. So sehr sich Bruder Ägidius auch mühte, in Matabeleland Fuß zu fassen, er tat sich schwer.
In Empandeni, der ältesten katholischen Mission des Landes, fand er zwar ein neues Zuhause, aber mit den Leuten der Umgebung wurde er nicht recht warm. Zu lange hatte er unter den zutraulichen und offnen Mashonas gelebt.
Die Amandebele seien, so meinte er, so ganz anders; für das Religiöse so gar nicht ansprechbar. Doch der Seeleneifer trieb ihn auch jetzt immer wieder hinaus ins Hinterland, direkt zu den Menschen. Das war auch im Dezember 1932 so. Bischof Arnoz von Bulawayo hatte ihn beauftragt, in der Wankie-Reservation eine Außenschule zu gründen. Vom 8. bis zum
24. Dezember hielt er sich dort auf. Die Christmette feierte er wieder in Bulawayo, bereits von einer tödlichen Krankheit infiziert.
In den Tagen nach Weihnachten nahmen Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen und Durchfall zu. Bruder Ägidius ordnete seine Notizen und erstellte Skizzen für künftige Außenschulen. Er wollte, schier mit Gewalt, seine Erkrankung ignorieren.
Am 29. Dezember fand man ihn bewusstlos auf seinem Zimmer. Im Krankenhaus von Bulawayo starb er am nächsten Tag, erst 56 Jahre alt. Krankheitsursache: Gehirn-Malaria.
Bei strömendem Regen (sein Tod fiel in den afrikanischen Sommer, in die Regenzeit) wurde er am 31. Dezember auf dem Europäer-Friedhof von Bulawayo beigesetzt; außer den Sargträgern waren keine Schwarzen anwesend. Die städtischen Eingeborenen kannten den Verstorbenen nicht, der Jahrzehnte in einem weit entfernten anderen Landesteil gewirkt hatte. Bruder Ägidius, der Vater und Freund der Schwarzen, musste von diesem Leben Abschied nehmen, ohne seine Freunde ein letztes Mal grüßen zu können.
Als die Leute von Triashill und Umgebung die traurige Nachricht vom Tod des Bruders hörten, strömten sie zu Tausenden auf die Station und beteten für ihren väterlichen Freund. – Auch nach fünfzig Jahren redet man in Triashill noch von diesem „heiligmäßigen Bruder“, der so unendlich viel Gutes getan hat; von dem niemand weg ging, ohne ein klein wenig getröstet worden zu sein. Bruder Ägidius wäre gern Priester geworden. Es war ihm nicht vergönnt gewesen. Aber seine ausgedehnten Wanderungen im Land des sagenhaften Goldkönigs waren von nichts anderem motiviert, als von dem Drang, Seelen zu retten.
Ein protestantischer Schulinspektor schrieb, als er vom Tod des Mariannhiller Bruders hörte: „Er war einer der feinsten Männer, die ich je getroffen habe, immer seine Pflicht freudig erfüllend, immer bereit zu helfen. Sein Tod ist auch für uns ein sehr großer Verlust. Zweifellos wird er seinen Lohn geerntet haben für so ein Leben, das allen Preis und alles Lob verdient. Ich bin sicher, dass er sich schon jetzt unter denen befindet, die dem guten Herrn in diesem Erdenleben treu gedient haben.“
 

 
 
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