P. Lukas Mettler CMM schreibt seinen Adventsbrief 2005Liebe Freunde! „Es gibt nichts zu berichten“, schreibt ein älterer Mitbruder in seinem Weihnachtsbrief. Wird das auch bestätigt durch die rarer werdende Post von Nord nach Süd? Und doch möchte man auch im Alter Kontakte nicht verlieren. Vor einem Jahr sandte ich eine Art medizinisches Protokoll. Das pièce de résistance war die Fußoperation. Inzwischen funktioniert mein rechter Untertan wieder fast normal; von den zwei Schrauben im Fersenknochen spüre ich nichts. Aber der gute Orthopädie-Doktor C. Terreblanche starb unerwartet an Herzversagen im August beim Velofahren nach Feierabend. Große Beerdigung, Gott hab ihn selig! An ihn erinnert mich auch noch das Korsett zur Kontrolle meiner Bandscheiben. Das Alter spüre ich auch, wenn etwa eine Erkältung trotz Antibiotika länger anhält als früher. (Oh ja, auch in Afrika kann man sich erkälten!). Und die Bissigkeit lässt nach mit jedem geopferten Zahn, auch im übertragenen Sinn? Offiziell bin ich weiterhin Kaplan für ungefähr sechzig Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, denen sich meist auch Assisi-Schwestern (schwarze Franziskanerinnen) und zeitweise auch indische Mutter-Theresa-Schwestern zur Messe anschließen. Mit modernem Schuhwerk kann ich den frühmorgendlichen Fußmarsch ans andere Ende von Mariannhill wieder genießen. Näher liegt eine andere Aufgabe: Der Unterricht in Missionstheologie für unsere Novizen. Der Jahreskurs begann mit zwanzig jungen Männern aus ganz Afrika und zählt jetzt noch dreizehn (Noviziat ist gegenseitiges Probejahr!), die hoffentlich am 2. Februar Profess machen können (Die auch finanziell anspruchsvolle Weiterbildung zum Priestertum und Sozialberufen macht unseren Oberen immer wieder Sorgen.). Zum Dritten: mein Opel Kadett kommt zum Einsatz, wenn ich abwechselnd Sonntagsmessen auf vier Außenstationen der großen Pfarrei Umzinto besorge. Strapaze sind die bis 100 Kilometer Fahrt hin und zurück; aber die ländlichen Christengemeinden sind mir dankbar, und das schon seit 22 Jahren. Dem Missionar bleiben noch doppelt so viele Außenplätze. Auf meiner eigenen früheren Pfarrei Park Rynie/Scottburgh musste ich im April/Mai unverhofft wieder einspringen als sie verwaist war. Ich war dort von 1982 bis 1996. Jetzt fand ich bekannte Gesichter und musste um die Namen ringen – eine weitere Alterserscheinung? Nun hat diese halbstädtische Pfarrei den ersten schwarzen Seelsorger. Unsere Diözese Mariannhill selber ist seit Anfang des Jahres verwaist. Nach 24 Jahren resignierte ihr erster schwarzer Bischof P. Mngoma Themba, nur 63-jährig; zunehmende Arthritis zeichnete ihn seit Jahren. Am 15. Juni starb er in einem Pflegeheim. Weihbischof Pius Dlungwane verwaltet jetzt die Diözese vorläufig. Der neue Papst Benedikt hat ihm schon erzählt, wie die Arbeit der Missionare von Mariannhill seiner Familie vertraut war. Unsere Kongregation hält sich bei knapp 400 Patres und Brüdern, aber die Lücke zwischen uns „Altherren“ und den noch jungen schwarzen Mitbrüdern macht anstehende Oberen-Wahlen nicht leicht. In der Schweiz (Missionshaus St. Josef, Altdorf) ist unser Durchschnittsalter 81 Jahre! Das Fotografieren war nie bloßes Hobby; ich handelte immer im Interesse der Kongregation der Missionare von Mariannhill. Das moderne Info-Zeitalter ist aber weniger an Qualität als an Quantität und Tempo interessiert. Da halte ich eher zurück. Im April hatte ich auf Wunsch von Missio München eine Gruppe von Missionsreferenten bayrischer Diözesen mit der Kamera bis nach Umtata zu begleiten. Meine Tonbildschau im 110-jährigen Fotostudio über Mariannhills Geschichte und Bedeutung hat jetzt schon etliche Besuchergruppen und Schulklassen ergötzt und das Logbuch füllt sich. Das Tonband fragt am Ente: „Hat sich die Missionsreise in Bildern gelohnt?“, worauf kürzlich eine große Schweizer Gruppe unter Alt-Generalkonsul A. Frey in lautem Chorus antwortete: „Ja!“ Selles frait aim, würde ein Urner sagen. Die Dia-Schau hilft auch, den Missionsgründer Abt Franz Pfanner bekannter zu machen. Unser Postulator P. Georg Lautenschlager hofft, dass sein Seligsprechungsprozess nächstes Jahr formell eröffnet wird. Er spannte mich auch für Entzifferungs- und Übersetzungsarbeiten im heiligen Dokumenten-Krieg ein. Für Fotos hatte ich auch wieder einmal nach Maria Ratschitz im Norden Natals zu reisen. Eine weit entfernte alte Mariannhiller Station, die bis zum 2. Weltkrieg von unseren Leuten betreut wurde, aber dann u. a. wegen Apartheidgesetzen fast verfiel. Seit ein paar Jahren sorgen deutsche Nardini-Schwestern zusammen mit den Franziskanern vorbildlich für Renovationen und Wiederbelebung, und sie gilt jetzt als Mutterstation der Diözese Dundee und ihr offizieller Wallfahrtsort. Nur ein Beispiel wie nachhaltig Mariannhill in bald 125 Jahren zur geistigen und materiellen Entwicklung in weitem Umkreis beitrug. Im elften Jahr ist das neue Südafrika politisch wieder etwas nervös, da im März Lokalwahlen anstehen. Da geht es oft zu sehr um Personen statt um Programme. Die bisherigen Gemeinderäte und –verwalter vermochten vielerorts nicht zu begeistern; die herrschende ANC-Partei sucht ihr Image aufzupolieren. Trotz dem zieht unser Land magnetisch Tausende junger Leute aus dem noch weniger glücklichen Afrika im Norden an, was die Beschäftigungslage und innere Sicherheit noch erschwert. Politik überschattet auch zu oft das große Afrika-Problem unserer Zeit: AIDS. Die katholischen Diözesen leisten fast mehr als der Staat im gezielten Einsatz internationaler Hilfe. Afrikas Stärke/Schwäche, grad für den Tag zu leben, braucht Ergänzung durch Zukunftsglauben und Verantwortung. Nun, es gab also doch allerhand zu berichten! Vor allem habe ich auch zu danken für großherzige Gaben, im Namen vieler Hilfesuchender; für Euer Interesse und Gebet und gelegentliche gute Nachrichten, für hilfreiche Besorgungen und für Eure Geduld, wenn der Dank spät kam. Für meine fünf Brüder und die Schwester bin ich jetzt der Senior, mit 75 Jahren am 24. Januar! Vorher aber möchte ich Euch von Herzen frohe Weihnachten und ein gottgesegnetes Neues Jahr 2006 wünschen, für alle Eure Lieben und Bekannten. Euer Missionar
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