P. Bernhard Pagitsch CMM schreibt zu Weihnachten 2005
Liebe Verwandte, Mitbrüder, Wohltäter und Freunde! Herzliche, hochsommerliche Weihnachtsgrüße aus dem schönen Süden, aus Mariannhill. Das Jahr 2005, das bald zu Ende geht, wird in die Geschichte eingehen als ein sehr Ereignis reiches Jahr. Sicher ist uns noch vieles in lebendiger Erinnerung. Unsere katholische Kirche hat viel Ansehen gewonnen hier in Südafrika, durch den Tod und das Begräbnis vom verstorbenen Papst Johannes Paul II. und der Wahl des neuen Papstes Benedikt XVI. Noch nie zuvor hat unser Fernsehprogramm und die Presse so viel gebracht von solchen rein kirchlichen Ereignissen. Es waren sehr gute, ausführliche Berichte. Im Gegensatz zu den Ereignissen in Rom hat man hingegen überhaupt nichts gebracht, weder im Radio, noch im Fernsehen, über den Internationalen Weltjugendtag in Köln. Da war man enttäuscht. Südafrika ist eben ein Land von vielen Überraschungen, Problemen und Leiden. Jemand drückte das so aus: Es ist ein Land mit hoher HIV/AIDS-Rate, aber keine entsprechende medizinische Versorgung. Ein Land voller Kinder, aber keine zuverlässige Schulstruktur. Ein Land mit so vielen Reichtümern und Möglichkeiten, aber voller Armut und Korruption. Ein Land verschiedenster Kulturen, aber mit so wenig Verbundenheit. In einer kürzlich veröffentlichten AIDS-Statistik bei der UN hieß es, dass in Südafrika vor fünfzehn Jahren die Infektionsrate 1 Prozent war. Da kaum etwas dagegen getan wurde, heißt es im Bericht, ist die Infektionsrate jetzt auf 30 Prozent gestiegen. Weiter heißt es, dass das Schlimmste daran ist, dass die Infektionsrate immer noch am Steigen ist. Südlich der Sahara leben 10 Prozent der Weltbevölkerung, darunter sind 25,8 Millionen Menschen mit HIV infiziert, davon sechs Millionen in Südafrika. Eine schockierende Bilanz. Die anti-retroviral Medikamente werden viel zu wenig ausgegeben von der Regierung. Heuer sind schon mehr als drei Millionen Menschen weltweit an AIDS gestorben, eine halbe Million davon waren Kinder. Es gibt viele AIDS-Projekte in Südafrika von verschiedenen Kirchen, auch von katholischer Seite, und auch Privatorganisationen, die sehr viel tun. Es gibt auch einige positive Anzeichen, aber es wird immer mehr das größte Problem, die größte Sorge, mit der wir zu kämpfen haben zurzeit. Wir müssen helfen wo immer wir können – Hoffnung bringen. Die AIDS-Waisen werden auch immer mehr weil so viele Eltern sterben. Trotz AIDS-Epidemie, Korruption, sehr hohe Kriminalität etc. ist unsere Wirtschaft erstaunlich stark. Der Rand steht gut, und es gibt in Südafrika alles zu kaufen was man will, auch Nahrungsmittel, für die, die Geld haben. Alpha Konare, der „Union Commission Chairman“ hat letzte Woche bei einer großen internationalen Konferenz in Johannesburg gewarnt, dass der Afrikanische Kontinent aufwachen muss und volle Verantwortung für seine Probleme, Kriege etc. übernehmen muss, sonst wird Afrika bald verbrennen, sagte er. Er nannte vor allem die hohe Auswanderungsrate von ausgebildeten Leuten, die woanders bessere Möglichkeiten suchen und auch finden. Er kritisierte auch den Westen, der mehr Interesse zeigen und mehr investieren soll in Afri8ka. Konare sagte auch, dass eine „African Economic Community“ geschaffen werden soll, eine Afrikanische Bank, damit die Finanzen besser kontrolliert werden können. Hier in Mariannhill ist alles okay. Wir haben dreizehn junge Männer im Noviziat von verschiedenen afrikanischen Ländern. Allerdings gehen auch in Afrika allgemein die Berufe zurück. Die Priesterseminare sind nicht mehr so voll wie vor einigen Jahren. Man hat inzwischen auch gelernt, dass besser aussortiert werden muss. Meine Zeit als Superior vom Monastery geht nun auch dem Ende zu. Ende Jänner 2006 sind es dreizehn Jahre; so ist es Zeit für einen Wechsel. Ich weiß noch nicht wo ich nächstes Jahr sein werde. Wenn man sich dem Herrn zur Verfügung gestellt hat, dann geht man einfach dahin wo man gebraucht wird. Ich bin offen für neue Erfahrungen. Ich möchte diese Gelegenheit wieder benützen, Euch allen ganz herzlich zu danken, vergelt’s Gott zu sagen, für Euer Gebet, Euer Interesse, und für Eure Spenden. Möge der Herr Euch segnen mit einer frohen, gnadenreichen Weihnachtszeit und mit seinem Schutz und Segen für das neue Jahr. Im Herrn stets verbunden, Euer dankbarer P. Bernhard
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