Missionare von Mariannhill  > Niederlassungen  > Simbabwe  > Rundbriefe
 
P. Christoph Eisentraut schreibt aus Bulawayo, Simbabwe:

Advent 2005:
Schon wieder ist ein Jahr vergangen und ich freue mich über diese Gelegenheit, wiederum ein wenig über unsere Missionsarbeit hier im vergangenen Jahr zu berichten.
Der 2. April 2005 war für mich ein sehr wichtiger Tag. An diesem Tag ist am Abend Papst Johannes Paul II. verstorben, der der Missionsarbeit der Kirche wieder neuen Schwung gegeben hat. Es ist auch in seinem Pontifikat gewesen, dass viele Laienbewegungen in der Kirche entstanden und gefördert wurden, die sich dem Dienst der Evangelisation widmen. Auch unsere Laiengemeinschaft in St. Philip gehört dazu. Im Moment bemüht sie sich um die offizielle kirchliche Anerkennung ihrer Statuten, um ihre Zukunft auf solide Fundamente zu stellen.
Am Morgen des gleichen 2. April hat unser Erzbischof dreizehn Männer zu verheirateten ständigen Diakonen geweiht, für deren Ausbildung ich in den letzten fünf Jahren verantwortlich war. Andere werden wohl im nächsten Jahr geweiht werden. Der Bischof hat schon den 6. Mai als Termin festgelegt. Mit den sieben Diakonen, die noch aus früheren Weihejahrgängen im Dienst stehen, haben wir im Moment zwanzig aktive Diakone in der Diözese. Sie leisten – wie unser Bischof immer wieder betont – im großen und ganzen ausgezeichnete Arbeit. Manche der Diözesenpriester empfinden sie noch als unerwünschte Konkurrenz, aber ich hoffe, dass auch diese sich von den Früchten überzeugen lassen werden. Ende September war ich für eine Woche auf Einladung des Internationalen Diakonatszentrums in Deutschland. Zusammen mit Erzbischof Pius Ncube und Diakon Charles Dube besuchten wir die Studienkonferenz des Diakonat-zentrums, die alle fünf Jahre statt findet. Sie stand unter dem Motto: „Diakonat als prophetisches Amt in der Kirche.“ Unser Erzbischof hielt einen vielbeachteten Hauptvortrag über seine prophetische Menschenrechtsarbeit hier im Land, wo er weiterhin ohne Furcht sich für die Menschen und deren Grundrechte einsetzt. Erzbischof Pius war sehr beeindruckt von der Vielfalt des diakonalen Dienstes in der ganzen Welt, wie sie auf der Konferenz sichtbar wurde. Er staunte auch sehr, dass einige der Diakone, die an der Konferenz teilnahmen, in ihrem Beruf Theologieprofessoren sind. Der Abschlusstag der Konferenz galt dem Bemühen, ein Netzwerk des Diakonates in Afrika zu errichten. In Afrika steht das Diakonat noch ganz am Anfang. Südafrika hat über 200 Diakone, Namibia etwa 60, Simbabwe 22 und Botswana 8. In anderen Ländern gibt es nur wenige der etwa 350 afrikanischen Diakone. Das Netzwerk soll dem Austausch von Erfahrungen dienen und dem Dialog mit anderen in der Kirche. Auch der Bischof von Gabarone/Botswana und ein Bischof aus Angola nahmen am Afrikatag teil. Sogar der Tourismus-Minister der Regierung von Namibia ist ein Diakon, der zum Treffen gekommen war. Er wurde auch zum Koordinator des Diakonates im südlichen Afrika gewählt. Während und nach der Konferenz hatte unser Erzbischof die Möglichkeit bei verschiedenen Presse- und Radioterminen sich zum Sprachrohr der Unterdrückten hier zu machen. Ich hoffe, Ihr habt darüber gelesen. Bitte betet weiter unablässig für ihn. Es ist nicht leicht, ein „Prophet“ zu sein!
Auch die „Theologie im Fernkurs“, die ich in Bulawayo betreue, erfreut sich weiter großen Interesses und dies nicht nur bei den Diakonenkandidaten. Dieses Jahr schloss eine Mariannhiller Missionsschwester, Sr. Celestine Nyoni CPS, mit ausgezeichnetem Erfolg den Diplom-Kurs ab. Sie arbeitet nun als Jugendseelsorgerin unserer Diözese. Als ich 1989 nach Simbabwe kam, waren wir für die ersten drei Jahre zusammen in Empandeni Missions, sie als Pfarrschwester und ich als Kaplan. Ich halte es für so wichtig, auch Laien eine theologische Ausbildung zu ermöglichen. Es ist zum Segen der Gemeinden und Gruppen, wo sie arbeiten. Für nächstes Jahr konnte ich auch einen Mariannhiller Bruder zur Theologie im Fernkurs anmelden. Br. Fileas Phiri war einer meiner ehrenamtlichen Katechisten in St. Pius und dort auch ein Mitglied unseres Pfarrpastoralteams. Vor ein paar Jahren schloss er sich den Missionaren von Mariannhill an, obwohl er nicht mehr der Jüngste war. Er arbeitet nun halbtags als Schneider in unserem Provinzhaus (er hat dazu eine Ausbildung)und halbtags als Katechist in der angrenzenden Pfarrei. Eine befreundete Familie aus der Schweiz, die für eine Zeit in Empandeni wirkte, hat durch ihren tollen Einsatz auch für die nächsten Jahre die Theologie im Fernkurs finanziell abgesichert.
Unsere St. Philip Gemeinschaft evangelisiert weiter im Fort Rixon Distrikt. Dieses Jahr war es viel schwerer aufgrund des Benzinmangels. Aber zu unserer großen Freude entwickelt sich vor allem die Gemeinde in Mapholisa sehr gut. Am 20. November konnten wir dort über dreißig Leute taufen, darunter ganze Familien. Auch habe ich dort im Moment viele Eheschließungen. Zu Weihnachten werden wir eine große Tauffeier in unserer ersten Gemeinschaft dort haben, an einem Ort, der Mqolweni heißt. An anderen Plätzen stehen wir noch ganz am Anfang.
Ende August war ein Schreckenstag für uns alle. Das katholische Krankenhaus, mit dem wir in St. Philip das Grundstück teilen, stand lichterloh in Flammen. Das Dach und der fünfte Stock brannten völlig ab. Die Feuerwehr konnte dann aber das Feuer löschen, bevor es auf die anderen Stockwerke übergriff. Das Krankenhaus wurde natürlich sofort evakuiert und ein Großteil der Patienten kam in unserem St. Philip Zentrum unter. Leider kam eine ältere Patientin in den Flammen um. Es wird lange brauchen, bevor das Geld für die Wiederherstellung des 5. Stockes bereit steht. Zunächst ging es darum, möglichst schnell vor dem Beginn der Regenzeit ein neues Dach aufzusetzen, damit der Regen nicht weiteren Schaden anrichtet.
Im Land sieht es nach wie vor düster aus. Jetzt schon im sechsten Jahr schrumpft die Wirtschaft gewaltig (Rezession). Die Arbeitslosigkeit ist wohl um die 70 – 80 %. Die Inflation ist nach wie vor die höchste der Welt (im Moment etwa 500 %). Die Preise explodieren, aber nicht die Einkommen, von den Arbeitslosen ganz zu schweigen. Viele Firmen müssen zumachen, weil sie keine Devisen für Ersatzteile oder Rohstoffe bekommen. Die Regierungskrankenhäuser haben kaum Medizin. Die Städte können – trotz Wassermangel – geborstene Wasser- und Abwasserleitungen nicht reparieren, weil es keine Ersatzteile gibt. Die beschlagnahmten Farmen liegen weithin noch immer brach, weil die neuen Eigentümer weder Kapital noch Kenntnisse haben und dazu auch keinen Besitztitel, der den Zugang zu Krediten ermöglichen würde. Dazu kam eine Dürre im letzten Jahr. Auch in Bulawayo haben wir seit Juni strenge Wasserrationierung. Dazu kommen häufige Stromabschaltungen und der Mangel an Benzin/Diesel. Brot ist oft nicht erhältlich. Und wenn, dann unerschwinglich für normale Arbeiter. Manche von denen verdienen weniger als der öffentliche Transport zur Arbeit kostet. So laufen Heerscharen am frühen Morgen und spät am Abend viele Kilometer von den Townschips zu ihren Arbeitsplätzen (oft mehr als 10 km). Die Glücklichen haben ein Fahrrad. Die Jugendlichen haben nach wie vor nur den Wunsch, auszuwandern, vor allem nach England, Botswana und Südafrika. Hier haben sie keine Zukunft, es sei denn, es käme nach einem Regierungswechsel und dem Ende der Diktatur zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Wenn ein Lehrer hier etwa 50 Euro im Monat verdient, ist es kein Wunder, dass er lieber als Hilfsarbeiter in England arbeitet.
Immer wieder meinen wir, es kann doch nicht noch schlimmer werden, aber im Moment ist genau dies der Fall. Sehr viele hungern, aber die Regierung verbietet es der Kirche und anderen Hilfsorganisationen, Nahrungsmittel auszugeben. Welch’ ein Wahnsinn! Der Hunger wird benutzt als politische Waffe. Ein Regierungsvertreter sagte es im Wahlkampf selber: „Wenn ein Distrikt uns nicht wählt, wird er keine Lebensmittel erhalten. Dann werden die Leute das nächste Mal wissen, wen sie zu wählen haben!“
In meinem Leben bahnt sich wohl Mitte nächsten Jahres eine Veränderung an. Mein Generalsuperior (der weltweite Leiter unserer Missionsgemeinschaft) bat mich, eine neue Aufgabe in Südafrika zu übernehmen. Es geht um ein gemeinsames Projekt der Mariannhiller Missionsschwestern und der Mariannhiller Missionare. Mehr dazu werde ich Euch zu Ostern schreiben, wenn alles etwas klarer ist. So bemühe ich mich im Moment, meine Arbeiten hier so zu organisieren, dass andere sie weiterführen können. Wahrscheinlich wird ein anderer Mariannhiller Missionar als Spiritual die Laiengemeinschaft von St. Philip weiter begleiten, die ich vor fünf Jahren mit Erlaubnis des Erzbischofs und des Mariannhiller Provinzials gründen durfte. Es waren fünf gesegnete Jahre, in denen ich mit diesen Frauen und Männern zusammen leben durfte, die ihr Leben dem Dienst der Evangelisation/Glaubensverbreitung widmen. Ich konnte ihnen in manchem helfen, aber in viel größerem Maß habe ich von ihnen gelernt, was christliches Gemeinschaftsleben und begeisterte Evangelisation sein kann. Es fällt schwer, loszulassen und weiterzuziehen. Aber im Gebet habe ich erkannt, dass es auch für mich und für die Gemeinschaft von Laienevangelisten das Beste ist. Die Gemeinschaft von St. Philip muss nun ihren eigenen Weg finden und dafür auch selbst die notwendigen Entscheidungen treffen.
Ich durfte in den letzten zwei Jahren in einer Kommission unserer Kongregation mitarbeiten, in der es um unsere Identität und Spiritualität ging. Unter anderem hoben wir hervor, dass ein Wesenszug unseres Gründers Abt Franz Pfanner seine überragende Verfügbarkeit war. Nachdem ich an diesem Dokument mitgearbeitet hatte, konnte ich mich nicht entziehen, als meine eigene Verfügbarkeit herausgefordert wurde. So will ich nach über sechzehn Jahren in Simbabwe noch mal in einem anderen Land von vorne anfangen. Unser Gründer Abt Franz Pfanner war schon vierundfünfzig Jahre alt, als er das erste Mal nach Afrika ging, und er wurde trotzdem einer der großartigsten Missionare der Missionsgeschichte. Ich bin im November erst fünfundvierzig geworden. Vor sechs Jahren durfte ich auch mit Eurer Hilfe eine schöne Pfarrkirche in Mpopoma bauen (St. Peter und Paul), die jeden Sonntag voll ist. Aber wenn ich auf meine sechzehn Jahre hier zurück blicke, dann freue ich mich am meisten über die Diakone und Evangelisten, die ich ausbilden oder begleiten durfte. Auch wenn ich weiterziehe, hoffe ich, dass durch diese großartigen Frauen und Männer mein Einsatz hier weiterhin Frucht bringt.
Vieles was ich in Simbabwe tun durfte, war nur möglich durch eure Hilfe! Vergelt_s Gott! Es hat sich gelohnt! Bitte betet auch für meinen Neubeginn in Südafrika. In Dankbarer Verbundenheit und mit besten Grüßen

 
 
© Missionare von Mariannhill | Impressum und Nutzungsbedingungen