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Pater Stefan Mandl CMM schreibt in seinem Weihnachtsbrief (v. Nov. 2005)
Liebe Freunde in der Heimat
Als ich hier ankam, war ich noch so von Eurem Wohlwollen umfangen, dass
ich am liebsten hingesessen wäre und Euch wenigstens in einigen Zeilen
meinen Dank und meine Ankunftserlebnisse mitgeteilt hätte. Im Internet
wäre das leicht gegangen, aber ich bin noch nicht so weit.
Ich kam am Samstag, 27. August, um 3 Uhr morgens an, und um 7 Uhr ging
die Alltagsarbeit los, die mich seither in Trapp hält. Nach zwei Tagen
Aufenthalt in Mariannhill (wegen Zahnbehandlung) fuhr ich mit dem
„Afrikaner Bus“ (unser Ortsbus) nach Mt. Fletcher. Man brachte mich
nachmittags zur Busstation in Durban, eine Riesenanlage, von der
vermutlich Hunderte von Lokalbussen täglich an- und abfahren. Meiner
sollte um 6 Uhr abgehen. So hatte ich Zeit, das Treiben und den Lärm
der Leute, des Verkehrs und der grellen Musik dieser Busstation neben
dem bekannten Durbaner Markt zu erleben und zu erleiden.
Ich war in dieser Masse der einzige Weiße („Europäer“ nennt man uns
hier), in dieser „schwarzen“ Oase mitten in der „Kaufstadt“ der
vornehmlich Weißen und Inder. Mein Gepäck konnte ich getrost an einem
Obststand abstellen. Unter solchen Umständen kann man sich auf die
Leute gut verlassen.
Ich war gar nicht so fremd hier. Fast ein Dutzend Leute, die mich
kannten, begrüßten mich mit einer herzlichen Plauderei, alle aus der
Transkei, die dort in Durban arbeiten, andere waren auf der Heimfahrt
mit dem gleichen Bus. Dieser aber fuhr nicht um 6 sondern um 9 Uhr
nachts ab, also drei Stunden mehr Zeit, wieder Afrikaner zu werden. Das
ist die Apartheid, die noch lange bleiben wird, nicht der Rassen- aber
der Vermögenstrennung.
Dann endlich kamen die Busse an, nicht einer, nein zwei. Und trotzdem
war kaum abzusehen, wie die Riesenmenge mit dem vielen, oft sperrigen
Gepäck darin unterkommen können. Ein fürchterliches Gedränge war die
Folge. Irgendwie kam ich glimpflich hinein und fand sogar einen Platz
für mich reserviert, hinter dem Chauffeur. So dass ich da, eingezwängt
zwischen einem vollbepackten Fahrgast neben mir und meinen Koffern ganz
dicht vor mir. Das war mein Los für die nächsten 6 Stunden; die waren
schwieriger als die 11 Stunden Flugzeit. Aber das ist ‚afrikanisches’
Afrika. Vor der Abfahrt konnten wir noch mit ansehen, wie die
Straßenverkäufer ihre Sachen zusammenklaubten. Ein junger Mann vor uns
hatte eine Unmenge von Schlössern, Werkzeugen und weiß was für
Materialien feigehalten, ausgebreitet auf einer Plane am Trottoir.
Wie viel er davon wohl verkauft haben mochte? Kaum mehr als dass er
sich mit dem Profit ein kärgliches Abendessen leisten kann. Aber zuvor
galt es noch diese tausend Sachen säuberlich in Schachteln zu
verstauen, die auf einen Karren zu knüpfen und sie über Nacht zu
verbergen – aber wo? Vermutlich in einem primitiven Nachtquartier, wo
auch er selber die Nacht verbringen wird. Traurig? Er schien es nicht.
Daheim sah es zunächst aus, als ob alles gut gelaufen sei. Der
Bischof war zweimal in der Pfarrei, um zu pastorieren, was er mit
Herzenslust tut, und er hatte überall (in 5 der 12 Gemeinden) volle
Kirchen. Doch dann stellte sich bald heraus, dass doch nicht alles so
gut gegangen war. Eine interne Dieberei kam ans Tageslicht und trübte
unser Verhältnis im Haus und mein Gemüt. Auch die Bauarbeiten waren
wieder aufzunehmen und nahmen mich sehr in Anspruch. Am 2. Oktober
konnten wir eine der 5 Kirchlein in Konstruktion einweihen. Eine
andere, die wir Antioch nannten, wollten wir am 15. Oktober – zwar noch
unfertig – mit Gästen aus Österreich mit einem Erstgottesdienst
eröffnen; und wir taten es. Es war eine Gruppe von Freunden von
Mariannhill, die unter der Leitung von P. Albert Oppitz auf
Missionstournee (schon Tradition) waren.
Danke liebe Besucher, für die Mitfeier und den Kontakt mit unseren
Leuten. Das Silberbesteck bekommt Ihr nächstes Mal. Die Zeit war ja so
kurz, und in der Aufregung haben wir manches vergessen, wie auch: Euch
die neuen Schlafsäle zu zeigen. Vielleicht hättet Ihr für künftige
Tourneen auch eine Übernachtung in Betracht ziehen können.
Die Zwillingskirche zu Antioch, St. Steven, werden wir um Weihnachten
in Gebrauch nehmen. Kirchweihe wird irgendwann im kommenden Jahr sein.
Irgendwie mussten manche während meines Urlaubes meiner gedacht haben,
denn als ich kam, hatten sie ein Willkommensfest für mich organisiert,
nicht nur für die Rückkehr, sondern für Main Dasein mit ihnen für 9
Jahre. Als ich damals kam, war die Gemeinde im Zwiespalt. Man drohte
mir: AK 47 (Sturmgewehre der Freiheitskämpfer) würden mich erwarten.
Nachdem es einigermaßen gut gegangen war, dachten sie, es sei an der
Zeit, mich willkommen zu heißen. Unter anderen Ehrungen der Gemeinde
kleideten mich die Anna-Frauen von Kopf bis Fuß neu ein, in neuester
Mode. Ich muss ihnen wohl zu schlampig gewesen sein.
Sind ein halbes Dutzend unserer Gemeindemitglieder während meiner
zweimonatigen Abwesenheit verschieden, so verdoppelte sich die Zahl in
der Zeit meines Hierseins. Und unter den Verstorbenen sind wieder
einige AIDS-Fälle. Eine junge Frau folgte ihrem Mann nach, der schon im
vorigen Jahr dieser Krankheit erlag. Ein junger, recht kirchenscheuer
Mann ließ seine Frau mit fünf Kindern zurück, die junge Frau nun
gezeichnet mit akuter TB und AIDS. Ein Trost für die HIV-AIDS-Kranken:
Wenn sie ihre Krankheit angeben (laut Gesetz müssen sie das nicht, und
niemand, auch kein Arzt darf das veröffentlichen), dann bekommen sie
eine Krankenrente (gleich der Alterstrente: ca. € 100). Erschaudernd
ist, dass trotz so viel (meiner Ansicht nach zu viel) AIDS-Aufklärung
und AIDS-Toten unsere Jugend noch nicht umdenken will. Drogen, Alkohol
und ungehemmter Sex sind eher noch im Zunehmen. Leider ist auch unsere
Kirchenjugend dem nicht ganz gefeit.
Unser Bischof Oswald Hirmer, ein Mitbegründer des bekannten
Lumko-Pastoral-Institutes, wurde heuer 75 Jahre alt und wir feierten
kürzlich sein 50-jähriges Priesterjubiläum, ist zwar noch im Amt, aber
wir wissen nicht wie lange noch. Er hat uns geraten, für einen guten
neuen Bischof zu beten. Da noch viele andere Diözesen ohne Bischof sind
oder es demnächst sein werden, laden wir Euch ein, mit uns zu beten,
dass die Kirche Südafrikas weiterhin unter guter Führung ist. Waren es
bisher mehr Weiße, wird es nun ganz bestimmt umgekehrt werden.
Ich hörte von den Wahlen in Deutschland und in der Stmk.: Zwei Frauen
im Wasser: die eine am Gurgeln, die andere hat ausgegurgelt; wie schade
um unsere gute Landeshauptfrau.
Liebe Grüße
Stefan Mandl CMM Mt. Fletcher Südafrika |
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