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KURZE GESCHICHTE DER KIRCHE IN AFRIKA

Über den Beginn des Christentums in Afrika wird bereits in der Bibel mit der Taufe des Hofbeamten der "Kandake" berichtet. Die Afrikanische Synode von 1994 war die Krönung einer langen und oft schwierigen Ausbreitung des Evangeliums über die Jahrhunderte. Dabei lassen sich drei große Epochen unterscheiden:
- Die Kirche Nordafrikas in der Antike
- Die Missionierung unter dem portugiesischem Kolonialreich (1500-1800)
- Das Wachsen der Kirche in der Moderne (seit 1800)

Die Tabelle gibt eine Übersicht über einige der wichtigen Daten in der Geschichte des Christentums in Afrika. Als Quelle diente das Buch von John Baur, Christus kommt nach Afrika - 2000 Jahre Christentum auf dem schwarzen Kontinent.

 

 

Die Kirche Afrikas in der Antike

 

Nach Pfingsten

Taufe des Kämmerers, der „Kandake“, Beamter am königlichen Hof von Meroe, durch den Apostel Phillip (Apg. 8,27

ca. 62

Ägypten: Erste afrikanische Gemeinde in Alexandria

180

Ägypten: Gründung der ersten theologischen Schule in Alexandria durch Pantaenus

180

Tertullian beginnt die theologische Schule von Karthago und formuliert eine lateinischen Theologie für den Westen.

189 -199

Victor I. erster afrikanischer Papst in Rom

ca. 200.

Ägypten: Klemenz von Alexandria, erster christlicher Gelehrter, der über das Gesamtwissen der damaligen Zeit verfügte

ca. 202

Ägypten: Martyrertod zahlreicher Christen in Theben

220 -254

Ägypten: Origenes bringt Glaube und Philosophie in ein theologisches System zusammen.

252 -356

Ägypten: Antonius, Vater der ägyptischen Mönche

312, 10. Okt.

Kaiser Konstantin lässt sich taufen. Ende der Verfolgungen in Ägypten.
Meltiades, zweiter afrikanischer Papst für wenige Monate

316

Äthiopien: Frumentius, erster Bischof von Axum, Gründer der Äthiopischen Kirche

325

Konzil v. Nicäa

328 -313

Ägypten: Bischof Atanasius von Alexandria setzt sich mit der Lehre des Arius auseinander.

390 -430

Tunesien: Augustinus, Bischof von Hippo /Nordafrika, größter afrikanischer Kirchenlehrer, „Vater der abendländischen Theologie“, kämpft gegen die Lehren des Pelagius und Donatus

4. Jhr.

Nubien: Ägyptische Mönche fliehen vor den arianischen Wirren nach Nubien und verbreiten dort das Christentum.

431

Konzil von Ephesus: Cyrill, Patriarch von Alexandria, verteidigt die menschliche Natur Christi gegen Nestorius

492 -496

Gelasius, dritter afrikanischer Papst

um 500

Äthiopien: Ägyptische Mönche (die „Neun Heiligen") bringen das Mönchstum nach Äthiopien

540

Nubien: Kaiserin Theodora schickt den Priester Julian als Missionar nach Nubien.

640

Ägypten wird von arabischen Muslimen erobert. Koptische (=ägyptische) Christen in Bedrängnis

640

Äthiopien: Araber bringen den Islam nach Äthiopien, schneiden die Seewege ab und isolieren die äthiopische Kirche.

697

Tunesien: Muslimische Araber erobern Karthago und später ganz Nordafrika.

697 -710

Nubien: Blütezeit unter König Merkurios von Makurien

711

Mauretanien: Tarik, Gouverneur von Mauretanien, überquert mit einer Berberarmee das Mittelmeer und erobert den größten Teil von Spanien.

1172

Nubien: Die türkischen Mameluken erobern Nubien. Die meisten Kirchen und Klöster werden zerstört.

1270

Äthiopien: Thronbesteigung von Yikunno Amlak, Beginn des „goldenen Zeitalters Äthiopiens“, Erneuerung der Klöster durch Tekla Haymanot und Ewostatewos

 

Die Portugiesische Zeit

 

1415

Heinrich der Seefahrer erobert Ceuta und bereitet die Umsegelung Afrikas vor.

1456

Die päpstliche Bulle „Romanus Pontifex“ gibt Portugal das Recht, „alle Inseln südlich von Kap Bojador bis nach Indien zu erobern und die einheimische Bevölkerung zu unterwerfen".

1470

Angola: Nach der Besetzung von Sao Tomé organisieren die Portugiesen Raubzüge nach Angola.

1482

Ghana: Portugiesen bauen Stützpunkt in Elmina (Goldküste)

1485

Kongo: Ankunft der Portugiesen am Hof des Mani Kongo

1491, 3. Mai

Kongo: Taufe von König Nzinga Nkuwu und seinem ältesten Sohn Mvemba Nzina (Alfonso). Tausende Kongolesen lassen sich taufen

1498

Vasco da Gama umsegelt Afrika auf dem Weg nach Indien

1498

Kongo: Der Hof des Mani Kongo zum Christentum bekehrt

1500 -1505

Ostafrika: Portugiesischen Expeditionen plündern Kilwa und Malindi und bauen eine Festung in Kilwa. Franziskaner taufen 40 Sklaven.

1506 -1543

Kongo: König Alfonso vertreibt seinen Bruder vom Thron und beginnt, ein christliches Königreich aufzubauen. Die skandalöse Lebensweise der portugiesischen Missionare behindert die Evangelisierung.

1507

Mosambik: Die Portugiesen bauen auf der Insel von Mosambik eine Festung, eine Kirche und ein Krankenhaus. Es bleibt bis 1907 das Verwaltungszentrum der Portugiesen in Ostafrika.

1520

Kongo: König Alfonsos ältester Sohn, Dom Henrique, wird zum Priester und 1921 zum ersten Bischof südlich der Sahara geweiht

1526 -1543

Äthiopien: Iman Ahmad Gragne von Harar erobert Äthiopien mit Hilfe türkischer Truppen. Kirchen werden zerstört, Bücher verbrannt, der Klerus ermordet.

1532 -1534

Kap Verde: Portugiesen besiedeln die Kapverdischen Inseln und errichten die ersten afrikanischen Bischofssitze: 1532 in Cabo Verde, 1534 in Sao Tomé

1543

Kongo: König Alfonso stirbt. Wegen Priestermangels kehrt das Volk zur traditionellen Religion zurück.

1548

Kongo: Jesuitenmissionare schreiben den ersten Katechismus

1557

Äthiopien: Jesuitenmission und kurzfristige Vereinigung mit Rom scheitern am Lateinischen Ritus und der Forderung der Wiedertaufe aller Gläubigen und der Neuweihe der Priester

1560

Mosambik: Jesuiten taufen in Inhambane die königliche Familie und 400 Christen

1560

Simbabwe: Der Jesuit Gomsalo Silveira tauft den Hof des Königs Monomotapa und viele Stammesoberhäupter. Auf Grund von Verleumdungen muslimischer Händler wird er ermordet. Nach einer Strafexpedition der Portugiesen versuchen Dominikaner und Jesuiten eine Neumissionierung.

1570

Nigeria: Das vom Königreich Benin unabhängige Königreich Warri der Itsekeri lädt Augustinermissionare von San Tomé ein. Das Könighaus bleibt mit Unterbrechungen bis 1807 katholisch, das Volk wird kaum evangelisiert.

1572

Ghana: Missionsversuch von Elima aus von vier Augustinern endet mit Martyrertod

1575

Angola: Die Portugiesen machen Angola zur Kolonie. Die Siedler greifen die einheimische Bevölkerung offen an.

1576

Angola: Der Kapitan Paolo Dia de Navais errichtet die Stadt Sao Paolo da Luanda und die Festung Massangano.

1583

Kongo: Vergeblicher Versuch unter König Alvaro II. die Kirche aus der Macht der Portugiesen zu befreien und direkt Rom zu unterstellen.

1593

Ostafrika: Bau der Festung „Fort Jesus“ in Mombasa. Augustiner konvertieren 600 Einwohner.

1596

Kongo: Errichtung der Diözese Sao Salvador unter der portugiesischen Erzdiözese Funchal

1612

Tansania: Die Pfarrei von Sansibar  von der indischen Jurisdiktion in Goa abgetrennt

1620

Angola: Der Bischof von San Salvador zieht nach Luanda, was so zum Bischofssitz für den Kongo und Angola wird.

1622

Angola: Die Königin Nzinga von Matamba lässt sich taufen, fällt wieder vom Christentum ab und bekehrt sich ein zweites Mal 1656. 1660 Bau einer Kirche in Matamba.

1624

Angola: Jesuiten geben einen Katechismus in Kikongo und einen in Mbundu heraus

1631

Sultan Jusuf bin Hassan erobert Mombasa. 300 Menschen, Portugiesen und Afrikaner, die nicht zum Islam übertreten, werden hingerichtet.

1637

Ghana: Protestantische Holländer erobern Elmina

1640

Die Apostolische (Päpstliche) Mission vom Kongo wird kanonisch errichtet. Die „Propaganda Fidei“ bereitet die Aussendung neuer Missionare vor.

1641 - 1647

Angola: Die Holländer besetzen Luanda und zerstören alle Missionierungserfolge bis zur Rückeroberung durch die Portugiesen.

1752 -1756

Ghana: Der Militärkaplan Thomas Thompson gründet im britischen Fort von Cape Coast eine Schule für junge Afrikaner.

1759

 

Kongo: Der antiklerikale portugiesische Minister Pombal vertreibt die Jesuiten und verhindert die Ausreise von Missionaren. Cherubino da Savona bleibt als einziger Kapuziner im Königreich Kongo zurück.

 

Das Moderne Christentum

1787

Sierra Leone .Ehemalige Sklaven gründen die Stadt Freetown in Sierra Leone

1792

Baptisten gründen die erste protestantische Missionsgesellschaft. 1796 Londoner Missionsgesellschaft (LMS), 1796 Zwei schottische Missionsgesellschaften, 1799 Church Missionary Society (CMS)

1792

Südafrika: Die pietistische Herrenhuter Brudergemeinde sendet die ersten Glaubensverkünder zum Kap und baut das christliche Modelldorf Gnadental under den Khoi-San auf.

ab 1792

Die Anti-Sklaverei-Bewegung durch philantrophische und evangelikale Gruppen unter William Wilberforce führt zur Abschaffung der Sklaverei in Großbritannien und zum Verbot des Sklavenhandels 1807.

1799

Südafrika: Die London Missionary Society unter Johannes van der Kemp versucht die Xhosa-Bantu zu erreichen.

1815

Liberia: Schwarze Baptisten gründen eine eigene Missionsgesellschaft und schicken 1822 die ersten Prediger nach Monrovia.

1819

Senegal: Mutter Javouhey, Gründerin der Kongregation des Hl. Josef, schickt ihre ersten Schwestern nach Senegal

1820

Liberia: Die erste Gruppe ehemaliger Sklaven aus Amerika erreicht Cap Mezurado, in Monrovia umbenannt.

1820

Südafrika: Die LMS baut eine Mission in Lattakoo auf, von der aus später Livingstone ins Innere von Afrika vorstößt.

1820

Südafrika: Die Kap-Kolonie wird offiziell für Katholiken offen.

1822

Pauline Jaricot gründet in Lyon eine Hilfsorganisation, um die katholischen Missionen mit Gebet und Geld zu unterstützen.

1824

Presbyterianer und Methodisten evangelisieren unter den Xhosa.

1828

Die Londoner Missionsgesellschaft erwirkt erste Bürgerrechte für die Hottentotten.

1831 -1846

Neuorganisation der Missionen unter Papst Gregor XVI. durch die „Propaganda Fidei“ (die Kongregation zur Verbreitung des Glaubens)

1832

Lesotho: Vertreter der Mission von Paris evangelisieren Basutoland

1834

Angola: Mit dem Verbot des Sklavenhandels, auch ein Verbot aller Ordensgemeinschaften in Luanda

1836

Ghana: Missionare der Basel Mission benutzen erfolgreich die einheimischen Sprachen für Schulunterricht und Bibelübersetzungen.

1836

Senegal: Der Apostolische Präfekt des Senegal richtet ein regionales Seminar ein. 1840 werden die ersten drei Priester außerhalb des portugiesischen Gebiets geweiht.

1837

Südafrika: Das Apostolische Vikariat Kap der Guten Hoffung wird errichtet.

1838

Ghana: Methodisten unter Thomas Birch Freeman organisieren Gemeinden und Schulen unter den Fante und den Ashanti, 1842 auch ein theologisches Kollege

1838

Äthiopien: Bischof Massaja missioniert unter den Oromo und verbreitet den lateinischen Ritus.

1838 – 1840

Südafrika: Der „Große Treck“ der Buren. Eine Identifizierung mit dem biblischen
Exodus führt zu einem Apartheid-Denken.

1839

Äthiopien: Rom errichtete die ‚Apostolische Präfektur Abessinien’ und ernennt Justin de Jacobis zum Leiter der Mission. Der heilig gesprochene Jakobis arbeitet für die Einheit der Kirchen und ist ein Pionier missionarischer Inkulturation.

1840

Äthiopien Die CMS übersetzt die Bibel ins Amharisch.

1841 -1848

Franz Libermann gründet die Kongregation der Spiritaner (SCCP), Priester, Brüder und Schwestern

1842

Nigeria: Abeokuta wird Sitz der ersten Yoruba-Mission.

1842

Liberia: Die ersten katholischen Missionare treffen in Monrovia ein.

1844

Sudan: Annetto Casolari, Kanonikus auf Malta, legt der ‘Propaganda Fidei’ einen Plan für eine Zentralafrikanische Mission vor. Das Apostolische ' Vikariat Zentralafrika’ wird errichtet. Eine Gruppe von Missionaren erreicht Khartum 1848.

1844

Tansania: Der basler Missionar Johann Ludwig Krapf erhält vom Sultan von Sansibar die Erlaubnis, sich auf dem Festland zu etablieren.

1846

Nigeria: Missionare aus Schottland und Jamaika erreichen Calabar und beginnen die Missionierung unter den Igbo.

1847

Togo: Basler und Bremer Mission beginnen die Missionierung der Ewe.

1852

Sudan: Gründung einer katholischen Mission in Gondokoro, 1854 in Heilig Kreuz. Das mörderische Klima dezimiert die Missionare. 1860 Rom beendet das Unternehmen.

1852

Südafrika: Oblaten (OMI) beginnen ihr Apostolat im Vikariat von Natal.

1852 - 1856

David Livingstone durchquert den Kontinent von Luanda an der Westküste nach Quilimane an der Ostküste. Gründung von Missionsstationen. 1865-1873 Expedition, um die Quellen des Nil, des Kongo und des Sambesi zu finden.

1852 -1857

Nigeria: CMS Missionare lassen sich in den größeren Städten Ibadan, Oyo, Ilesha und Ogbomosho nieder.

1854

Angola: Livingstone kommt nach Luanda und findet die Kirche benutzt als Werkstatt.

1856

Sierra Leone: Melchior de Marion Brésillac gründet die Lyoner Missionsgesellschaft und wird 1858 zum Bischof des Vikariats von Sierra Leone ernannt.

1860

Togo: Das neue Vikariat von Dahomey wird Brésillac und den Lyoner Missionaren (SMA) anvertraut.

1860

Tansania: Von der Insel Réunion aus wird die erste Mission in Sansibar errichtet. 1963 übernehmen die Spiritaner die Station.

1861 – 1863

Malawi: Die Mission der Universitäten für Zentralafrika (UMCA) entsendet Missionare zu den Chewa. Krankheiten dezimieren die Mission.

1864

Nigeria Der Nigerianer Samuel Ajayi Crowther, der sich für die Evangelisierung Afrikas durch Afrikaner eingesetzt hatte, wird zum ersten afrikanischen Bischof der anglikanischen Kirche geweiht.