Daten aus der Geschichte der katholischen Kirche in Ägypten Normalerweise assoziiert man mit Ägypten Pyramiden, Pharaonen, Moscheen, also das alte oder islamische Ägypten. Doch es gibt noch eine dritte große Kultur am Nil, die der christlichen Kopten. Die Anfänge der koptischen Kirche führen uns in die Zeit des Urchristentums. Frühe Legenden machen den Evangelisten Markus zum Vater des Christentums in Ägypten. Es gibt sogar einen biblischen Hinweis darauf, daß Petrus-Schüler um die Mitte des ersten Jahrhunderts in Ägypten gewirkt haben dürften: der erste Petrusbrief, den die Exegeten seinem Jüngerkreis oder Markus selbst zuschreiben, nennt "Babylon" (römische Garnisonsstadt im Süden des heutigen Kairo) als Absenderadresse. Der Markuslöwe wurde zum Symbol von Alexandrien und des ganzen christlichen Ägyptens. Hier haben die späteren weltkichlichen Organisationsformen des orientalischen Patriachats und abendländischen Papsttums noch vor Rom und Konstantinopel ihre Ausprägung erhalten. (Noch heute nennen sich sowohl der koptische wie der griech.-orthodoxe Oberhirte in Ägypten "Papst und Patriarch von Alexandria und ganz Afrika".
188 - 230 Demetrius, Bischof von Alexandrien, vereint die christlichen Gemeinschaften. Vor allem sind es die sozial unterdrückten Bauern, Handwerker, Jäger und Fischer, die die Frohe Botschaft aufnehmen. 251 Das Mönchtums, mit Antonius (circa 251-356), Pachomius (287-347), Paul von Tebe, erlebt seine Blütezeit dessen Ideale später vom heiligen Benedikt und der gesamten europäischen Kultur übernommen wurden. Ende de Jahrhunderts gibt es Tausende von Mönchen und Eremiten. 3. Jh. Grausame Christenverfolgung unter Diokletian und Decius. Viele Kopten fliehen in das Land der Nubier am oberen Nil. Tausende Christen sterben den Märtyrertod. 313 Kaiser Konstantin der Große erneuert das Toleranzedikt, das von seinem Vorgänger Galerius 311 erlassen worden ist. 392 Mit dem Edikt von Theodosius wird der christliche Kult und die Schließung heidnischer Tempel vorgeschrieben. 451 Auf dem Konzil zu Chalzedon kommt es zu christologischen Streitigkeiten um die Person und die gottmenschliche Natur Jesu. Berühmte Kirchenväter wie Klemens, Origines, Kyrill, Arius und Athanasius haben wesentlichen Anteil an der theologischen Auseinandersetzung. Das frühe Schisma der Koptischen Kirche hat mehr politische als theologische Gründe. Es geht vor allem um die Führungsansprüche der großen Patriarchen von Byzanz, Rom und Alexandrien ; das ägyptische Volk fühlt sich von Byzanz und seiner griechischen Reichskirche unterdrückt. Fast 200 Jahre lang bemühen sich die Byzantiner und die Griechisch-Orthodoxe Kirche, die Kopten zum "Reichsglauben" zurückzuführen. Die Koptische Kirche beharrt auf ihrem Widerstand. Ihr Patriarch Benjamin I. wird in die Wüste geschickt. 548 Gründung des Katharinenklosters auf dem Sinai unter Kaiser Justinian. 639 Der islamische Feldherr Amr al-As erobert mit viertausend Arabern das Niltal. Die Kopten, von der byzantinischen Kirche geächtet, und vom oströmischen Kaiser verfolgt, empfangen sie die Angreifer aus der arabischen Wüste als Befreier. 642 Amr al-As zieht im Triumph durch Alexandria, die zweite Hauptstadt des byzantinischen Reiches. 655 Nubische Christen leisten dem Vordringen der Araber und des Islams heftigen Widerstand. Ende des 7.Jh. Erste Maßnahmen der Moslems gegen die Christen wirken sich auf dem Gebiet des Steuerwesens aus: Christen müssen eine besondere Kopfsteuer zahlen. Im öffentlichen Leben werden sie zurückgesetzt und auch als Erben und Zeugen rechtlich gemindert. 725/726 Die Aufstände der Christen führen zu keinen positiven Ergebnissen. Ende des 8.Jh. Kirchen werden zerstört. Christen müssen bestimmte Kleidung und einen Gürtel tragen, um sich auch äußerlich von den Moslems zu unterscheiden. 829/830 Erneute Aufstände der Christen. Um 900 Der sunnitische Islam hat die Mehrheit der Bevölkerung für sich gewonnen. Die Rückkehr zum alten Glauben wird mit dem Tode bestraft. 996-1021 In der Fatimidischen Zeit gibt es zahlreiche christliche Minister, gleichzeitig befiehlt der Kalif Hakim die Zerstörung der Kirchen. Ende des 12. Jh. Untergang Nubiens als staatliche, religiöse und kulturelle Einheit. Saladin erobert Nubien, plünderte Kirchen und Klöster und setzt einen seiner kurdischen Landsleute als Statthalter in Ibrim ein. Etwa 700 000 Nubier werden getötet oder als Sklaven verkauft. Weiter im Süden konnte sich das nubische Christentum bis ins 16.Jahrhundert behaupten. Ägyptische Kopten verlieren den Rückhalt ihrer nubischen Glaubensgenossen , können aber die beinahe tausendjährige äthiopische Christenheit unter ihren Einfluß bringen. Der christliche Glaube war schon früh von griechischen und syrischen Missionaren nach Ostafrika gebracht worden, wo das mächtige erste christlich-äthiopische Kaiserreich von Axum entstand, das später vom Islam erobert wurde. 1219 Der hl. Franz von Assisi trifft Sultan Ayyubide al-Kamel. 1268 Der Mönchsheilige Takla Haimanot verhilft dem äthiopischen Staat und seiner Kirche zu einer neuen Blütezeit. In der Verfassung, die zwischen Takla Haimanot, dem alten Zagwe-König und dem neuen Negus Jekuno Amlak beschlossen wurde, blieb fortan festgelegt, daß der Oberhirte der Kirche Äthiopiens, der Abuna, immer ein vom ägyptischen Papst-Patriarchen erwählter koptischer Mönch sein muß. 14.Jh. Allgemeine Christenverfolgung (1301,1319,1365) Koptische Christen fliehen vor den Mameluken nach Oberägypten. 15.Jh. Die Zahl der Kopten ist auf weniger als ein Zehntel der Bevölkerung gesunken, ein Prozentsatz, der auch heute dem Anteil der Kopten entspricht. Anfang des 18 Jh. Jesuiten und Franziskaner beginnen ihre Missionsarbeit im Land der Pharaonen. Die Zahl der Zweigstellen französischer Missionsorden nimmt zu. Ziel ist es, die seit langem in Abgeschlossenheit lebenden Kopten - Ägyptens Christen – aus sozialem und kulturellen Stillstand herauszuholen und für die katholische Kirche zu gewinnen. 19. Jh. Emanzipation der Christen mit den Reformen unter Mehmet Ali 1845, Jan. Ankunft der ersten Schwestern der Bon-Pasteur-Kongregation (Schwestern vom Guten Hirten). Neben den Schulen, in denen Christinnen und Musliminnen, außer in Religion, gemeinsam unterrichtet werden, führt das Kloster ein Internat, das im Sinne der Ordensgründerin Marie-Euphrasie ausschließlich christliche Waisenmädchen aufnimmt. Die Bon-Pasteur-Schulen gehören zu den besten im Land und werden deshalb auch von den Kindern der nationalen Elite frequentiert. 1855 Der Vizekönig Dais schafft die Sondersteuern für Christen ab. 1866 Juridische Gleichstellung von Muslime und Christen. 1904 Gründung einer Deutschen Schule in Kairo. Die Deutsche Schule der Boromäerinnen, als Nähschule für arme Mädchen gegründet, betreut heute vom Kindergarten bis zum Abitur 800 Schülerinnen, überwiegend Muslime. Weiterhin in der Trägerschaft des Ordens, wird die Schule vom Auswärtigen Amt als deutsche Kultureinrichtung in Ägypten unterhalten. 1908 Erstmals befindet sich ein Kopte an der Spitze der Regierung. 1948 Muslimischer Auftrieb nach der arabischen Niederlage in Palästina. 1952 Ausgrenzung der Christen nach der Nasser-Revolution und der Nationalisierungspolitik; in Schulen wird einheitlicher Religionsunterricht Vorschrift. 1956 Gründung des Don Bosco-Instituts in Kairo. Etwa 600 Jungen im Alter zwischen 15 und 22 Jahren absolvieren in der handwerklich-technischen Schule der Salesianer eine Ausbildung als Mechaniker, Schlosser oder Elektrotechniker. Moslems und koptische Christen lernen und arbeiten Hand in Hand. 1969 Mgr. Bruno Heim, Pronuntius in Kairo unterhält gute Beziehungen zu dem obersten islamischen Würdenträger, dem Groß-Scheich Dr. Muhammed al-Faham von Al-ashar. 1972 Wiedereinsetzung des 1955 unterdrückten koptischen "Gemeinschaftsrates" unter Staatspräsident Sadat. 1973 Die Christen Oberägyptens sind isoliert und gespalten. Der Dialog zwischen den orthodoxen und den mit Rom unierten Kopten beginnt, ebenso die Einbeziehung der Kirche in das bürgerliche Leben. 1973, 10.Mai Christologische Erklärung von Papst Paul VI. und dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Schenuda III. im Vatikan. 1974 Errichtung der Päpstlichen Missionswerkes. 1977 In Kairo befaßt sich ein Seminar mit der sozialen Bedeutung des Ordenslebens und des Sufismus (Mystik) im Islam. Ägypten ist neben Marokko das einzige islamische Land in dem bis heute noch etwa hundert ordensähnliche Bruderschaften bestehen. 1977, Okt. Gewalttätige Zusammenstöße zwischen Kopten und Muslime 1978, 15. Apr. Dialogrunde zwischen dem Vatikan und der ägyptischen Muslim-Prominenz im Weltzentrum des sunnitischen Islam, im Kairoer Al-Azhar. 1979, 30. Aug. Kopten nehmen wieder Missionsarbeit auf. Die in früheren Jahrhunderten in Nord- und Ostafrika missionarisch aktive koptische Kirche Ägyptens hat in ihrem Patriarchat in Kairo ein Vikariat für die Verkündigung in Afrika eingerichtet. 1979, 19. Nov. Präsident Sadat legt den Grundstein für ein Friedensheiligtum der drei monotheistischen Religionen. An der Feier nehmen teil, der Großrabbiner von Kairo, Moses Ventura, der koptisch-orthodoxe Patriarch Schenudah III. und Azhar-Imam Abdel Rahman Bissar. In den kommenden zwei Jahren soll ein Gotteshaus entstehen, das in sich Synagoge, Kirche und Moschee vereinigen soll. 1979 Schwere Ausschreitungen der islamischen Extremisten gegen die Kopten. 1980, 31. März Präsident Sadat versucht zwar, die islamischen Extremisten unter Kontrolle zu bringen, weigert sich aber, die Beschwerden der koptischen Kirchensynode anzuhören. 1980, Aug. Dank der vermehrten Wachsamkeit der ägyptischen Regierung ist die Lage bedeutend ruhiger geworden. 1980, Nov. Mutter Teresa von Kalkutta kommt auf Einladung des Apostolischen Vikars von Alexandria, Bischof Egidio Sampiere OFM, nach Kairo, um den Einsatz ihrer Schwestern vorzubereiten. 1981, Mai Das gespannte Verhältnis zwischen der muslimischen Bevölkerungsmehrheit und der koptischen Minderheit der letzten Jahre, hat sich normalisiert. 1981, 05. Sept. Präsident Sadat lässt 1500 vermeintliche oder tatsächliche Gegner seines Regimes verhaften. Unter ihnen befinden sich nicht nur islamische Fundamentalisten, sondern auch 170 koptische Geistliche. Sadat macht dem Oberhaupt der Kopten, Patriarch Schenuda III., den Vorwurf nach Macht zu streben und entmachtet ihn. (Schenuda III., der sich zu diesem Zeitpunkt im Kloster Anba Bischof befand, durfte nicht in seine Residenz nach Kairo zurückkehren). 1985, Jan. Rehabilitation des Patriarchen Schenuda III. Von seinem Wüstenkloster aus lenkt Schenuda wieder die geistlichen und weltlichen Amtsgeschäfte. 1992, 04. Mai Erneuter Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen christlichen Kopten und islamischen Fundamentalisten. In der Nähe der oberägyptischen Stadt Assuit werden 14 Personen erschossen. Nach dem Massaker an koptische Christen werden islamische Fundamentalisten verhaftet. Die Kopten leben mehr und mehr unter Angst. 1999, 15. Jan. Blutigen Zusammenstöße zwischen Christen und Muslime im oberägyptischen Dorf Kosheh. Die Zerstörung zahlreicher Häuser und Läden zeugen von starken, wenn auch meist unterschwelligen Spannungen zwischen den Angehörigen der beiden Religionsgemeinschaften. 1999, Okt. Bei Anschlägen auf christliche Klöster und Dörfer werden 30 Personen getötet. 1999, Okt. Ägyptische Christen betreuen Flüchtlingen aus dem Sudan. Durchschnittlich kommen jede Woche 150 Menschen aus dem Sudan in die ägyptische Hauptstadt: Sie flüchten vor dem seit 17 Jahren andauernden Krieg. 2000, 24. Febr. Erstmals besucht ein Papst aus Rom das Land der Pharaonen. Papst Johannes Paul II. betont ausdrücklich, daß der Besuch keinen politischen, sondern ausschließlich religiösen Charakter habe. Positive Bilanz nach dem Besuch des Papstes: Die ägyptischen Verantwortlichen äußerten sich sehr positiv über die Begegnungen mit dem Papst und der Vatikandelegation: Gegenstand der Gespräche waren die jeweilige Position zu folgenden Fragen: Friedensprozeß im Nahen Osten, Situation der palästinensischen Gebiete, Status Jerusalems, religiöse Toleranz und Kultfreiheit. Die ägyptische Öffentlichkeit und Presse betonte insbesondere den vorrangig spirituellen Charakter des Besuchs. Die Mitglieder der 1998 vom Vatikan und der Azhar-Universität gegründeten Kommission für den Dialog, betrachten den Papstbesuch als neuen Ansporn für ihre Arbeit. |