Algerien: Ereignisse und Entwicklungen 1990-2000 1990, Juni In Kommunalwahlen siegt die FIS (Front Islamique du Salut) 1991, 26. Dez. Die fundamentalistische FIS gewinnt den ersten Wahlgang der Parlamentswahlen. 40% der Wähler enthalten sich der Stimme. Der zweite Wahlgang im Januar 1992 wird darauf von der Regierung abgesetzt. In den folgenden Monaten kommt es zu Ausschreitungen und Unruhen. Gegner der Fundamentalisten veranstalten eine Massendemonstration in Algier. Präsident Ben Jedid tritt zurück. Muhamed Budiaf wird vom Staatsrat zum Präsidenten ernannt. 1992, 04. März FIS wird verboten. Notstand ausgerufen. Gemeinde- und Stadträte, die von der FIS seit den letzten Wahlen dominiert waren, werden aufgelöst. 1992, 15. Juni Zwei Führer der FIS, Abassa Madani und Ali Belhadj, zu je 12 Jahren Haft verurteilt. Diese wird zwei Jahre später in Hausarrest umgewandelt. 1992, 29. Juni Präsident Boudiaf von einem Leibwächter ermordet. Neuer Präsident wird Ali Kafi. 1992 Nach der Verabschiedung neuer Anti-Terrorgesetze verstärkter Kampf gegen Terrorismus. 1993, 27. März Iran wird der Unterstützung islamischer Extremisten bezichtigt, Algerien bricht diplomatische Beziehungen ab. 1994, 30. Jan. Der Hohe Sicherheitsrat ernennt Liamine Zeroual zum Staatspräsidenten 1994, 26. Aug. GIA kündigt die Bildung einer "Kalifatsregierung" Dialog, Waffenstillstand und Versöhnung mit der Staatsmacht werden abgelehnt. 1994, 24. Dez. Islamische Extremisten entführen eine Maschine der Air France in Algier. 1994, 27. Dez. Vier Weisse Väter werden in Tizi-Ouzou durch sechs Mitglieder der GIA (Bewaffnete Islamische Gruppe) in ihrem Haus ermordet. Die Morde scheinen eine Antwort zu sein auf die Befreiung der Passagiere des französischen Airbusses in Marseilles, die vier Geiselnehmer - Mitglieder der GIA - wurden bei der Aktion getötet. 1994 / 1995 Sant' Egidio: Gespräche der Oppositionsparteien und der FIS. Kontakte werden von der algerischen Regierung als Einmischung in innere Angelegenheiten kritisiert. 1995, 04. Jan. Extremisten fordern westliche Regierungen auf, ihre Botschaften zu schließen. Die "Ungläubigen" würden sonst ermordet. 1995, 12. Jan. Oppositionsgruppen bieten beim Treffen in Rom der Regierung Algeriens eine Zusammenarbeit an, damit die Gewalt beendet wird. Die Opposition fordert eine Nationalkonferenz und freie Wahlen. 1995, 23. April Die Sprache der Berber "Tamazigh", die von einem Drittel der Bevölkerung gesprochen wird, wird nach Verhandlungen mit der Regierung mit den ethnischen Minderheiten als Grundlage nationaler Identität anerkannt. 1995, 11. Juli Geheime Verhandlungen mit der FIS sind gescheitert. 1995, 16. Nov. Liamine Zeroual gewinnt Präsidentenwahlen mit 61% der Stimmen. Die Sicherheitslage ist mit den Wahlen nicht besser geworden. Seit 1992 sind im Bürgerkrieg zwischen Armee und fundamentalistischen Gruppen und bei Mordanschlägen etwa 50000 Menschen umgekommen. 1996, 01. Aug. Bischof Claverie von Oran durch Terroristen umgebracht. 1996, 12. Sept. Die demokratische Opposition boykottiert die "Nationale Konferenz". 1996, 09. Nov. Nach vier Jahren Bauzeit und Kosten von 3,5 Milliarden DM wird die Sahara-Pipeline eröffnet, sie bringt Erdgas von der Sahara nach Europa. 1996, 28. Nov. Verfassungsreferendum. 85,81% der Stimmen für die vorgeschlagenen Änderungen. Erweiterte Befugnisse für den Präsidenten. 1997, 05. Juni 17 Millionen Stimmberechtigte sind bei Parlamentswahlen aufgefordert, 380 Mitglieder der Nationalversammlung zu bestimmen: Es bewerben sich 7747 Kandidaten aus 40 Parteien und Bündnissen. Die FIS bleibt von den Wahlen ausgeschlossen. RND (Nationaldemokratische Sammelbewegung) erhält 155 Sitze. 1997, 15. Juni Abassa Madani, Gründungsmitglied und Führer der FIS, aus der Haft entlassen. 1997, 23. Juli GIA Führer Antar Zouabri von Sicherheitskräften bei Tipaza getötet. 1997, 29. Aug. Muslim-Extremisten töten auf brutale Weise in Sidi Reis etwa 100 Personen 120 werden verletzt und 100 junge Frauen verschleppt. 1997, 24. Sept. Madani Mezerag, Kommandant der AIS (Armee islamique du salut) dem bewaffneten Arm der FIS ruft zur Waffenruhe auf und verurteilt die Massaker der GIA. 1997, 30. Dez. 412 Opfer bei einem terroristischen Anschlag in drei Dörfern westlich von Algier. 1998, 14. Jan. Eine als Solidaritätsaktion gedachte EU-Initiative wird von der algerischen Regierung abgelehnt. 1998, 02. Juni Mohamed Kebaili, einer der führenden Männer der GIA von Soldaten in Bab Ezzouar, Algier getötet. Er soll die Massaker in Sidi Reis und vielen anderen Orten geplant und geleitet haben. 1998, 25. Juni Matoub Lounes, kabylischer Sänger, der sich für die Berbersprache Tamazigh einsetzte, ein Vertreter der Berber-Kultur, wird in Tizi Ouzou auf offener Straße ermordet. Extremisten der GIA werden für den Mord verantwortlich gemacht. 1998, 06. Juli Arabisch wird am 5. Juli als vorgeschriebene offizielle Sprache per Gesetz bestimmt. In der Kabylei bei den Berbern gibt es Demonstrationen gegen dieses Gesetz. 1998, Okt. + Nov. Vier Zeitungen sind mit Schließung bedroht, wegen ständiger Angriffe auf Mitarbeiter des Präsidenten. Mitte des Monats treten der Justizminister Mohamed Adami und wenig später Mohamed Betchine, der Berater des Präsidenten zurück. Ende des Monat streiken viele Zeitungen. Sie unterstützen sechs private Zeitungen, die wegen der Schwierigkeiten mit der staatlichen Druckerei nicht erscheinen konnten. Prominente Politiker fordern zu Gesprächen auf, um die Auseinandersetzungen zu beenden. Die Zeitung "El Watan" erscheint nach einem Monat erstmals wieder am 11. November. 1998, 02. Nov. Algerien protestiert gegen die Entscheidung Burkina Faso's Ahmed Zaoui Asyl zu gewähren. Er sei Anführer einer Terrorgruppe. 1999, 15. April Bei einer Wahlbeteiligung von 60% wird Abdelaziz Bouteflika mit einem Stimmenanteil von 73,79% zum Staatspräsidenten gewählt. Seine Gegner behaupten, es hätten nur 20% der Stimmberechtigten gewählt. Sechs Kandidaten hatten ihre Kandidatur vor der Wahl zurückgezogen. 1999. 20. April Die FIS weigert sich, das Wahlergebnis anzuerkennen. 1999, 29. April 4000 Gefängnisinsassen werden vom Präsidenten begnadigt. 1999, 10. Juni Frankreich erkennt an, daß die "Algerische Kampagne" ein Krieg war. 1999, 05. Juli 5000 politische Gefangene werden freigelassen. 1999, 12. - 14. Juli 35. Gipfelkonferenz der OAU in Algier. Algerien ist durch die internationalen Begegnungen der letzten Monate wieder international akzeptiert. Eine regionale Konferenz über Kleinwaffen soll organisiert werden. Der Gipfel beschäftigte sich mit Diktatoren und Putschisten, dem Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea. 1999, 27. Aug. Präsident Bouteflika entläßt 22 der 47 Provinzgouverneure wegen Duldung von Korruption. 1999, 16. Sept. 17,5 Millionen Wähler sollen zur Frage abstimmen: " Sind Sie für oder gegen die Initiative des Präsidenten für Frieden und Verständigung?" 85% der Wähler geben im Referendum ihre Stimme ab. 98% von ihnen unterstützen die Politik des Präsidenten. 1999, 22. Okt. Präsident Bouteflika schlägt der katholischen Kirche vor, den früheren Erzbischof von Algier, Mgr Duval heiligzusprechen. Er habe immer kompromisslos auf der Seite des algerischen Volkes gestanden. Während des Krieges hatte er Menschenrechtsverletzungen der französischen Armee aber auch der FLN angeklagt. Erzbischof Duval hatte die algerische Staatsbürgerschaft angenommen. 1999, 24. Okt. Bei mehreren Anschlägen der GIA in verschiedenen Orten sind Dutzende umgekommen, die Armee tötete im Wald von Ain Fekan 13 GIA Mitglieder. 120 GIA Rebellen werden dort seit 20. Okt. belagert. 1999, 03. Nov. 167 militante Muslime freigelassen nach einer Amnestie des Präsidenten für 6000 Gefängnisinsassen. 1999, 16. Nov. Neues Massaker 200 km westlich der Hauptstadt Algier bei dem 11 Mitglieder einer Familie getötet wurden. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur nationalen Versöhnung im Juli sind bisher über 500 Personen getötet worden. 1999, 22. Nov. Abdelkader Hachani, einer der Führer der Islamischen Heilsfront (FIS) wird in Algier ermordet. 1999, 07. Dez. Der unter Hausarrest stehende Führer der verbotenen Islamischen Heilsfront (FIS) Abassi Madani fordert ein Ende der politischen Zusammenarbeit mit Präsident Bouteflika. 1999, 23 Dez. Premierminister Slail Hamdani zurückgetreten, Ahmemed Benbitour neuer Premier. 2000, 11. Jan. Präsident Bouteflika kündigt Generalamnestie an für alle Kämpfer der AIS, die ihre Waffen niederlegen. Stichtag ist der 13. Januar 2000. 2000, 14. Febr. Seit dem 13. Januar sind bei verschieden Attentaten etwa 150 Personen ermordet und etwa 100 Islamisten von Armee und Polizei erschossen worden. 2000, 16. März Die Israelische Regierung wird Algerien technische und Militärische Expertise zur Verfügung stellen zum Aufbau einer Anti-Terror-Einheit. 2000, 22. März Bei der Eröffnung eines Seminars zum Thema "Islam und Demokratie" ruft Präsident Bouteflika noch einmal die Islamisten auf, die Waffen niederzulegen. 2000, 14. April Eine Gruppe von 10 Terroristen eröffnete mit automatischen Waffen das Feuer auf die Besucher eines Gemüsemarktes. Ein Dutzend Menschen wurde erschossen, sechs weitere verwundet. Ähnliche Attentate hatte es in letzter Zeit wieder vermehrt gegeben. 2000, 21. April Etwa 110000 Menschen bei großen Demonstrationen der Berber in der Kabylei für die Berbersprache. 2000, 24. April Die Handelsbilanz im ersten Drittel des Jahres 2000 ist sehr günstig. Erdöl stellt 98% des Exportes. 2000, 26. April Die 27. Sitzung der Afrikanischen Menschenrechtskommission begann in Algier. 2000, 15. Mai Eine Delegation von Amnesty International bestätigt nach einem zwölftägigen Aufenthalt eine Verbesserung der Menschenrechtssituation im Lande. 2000, 13. Juni Die FIDH, eine Vereinigung von Menschenrechtsorganisationen in Paris, beschuldigt den Algerischen Staat für den Tod oder das Verschwinden von 4600 Mengen verantwortlich zu sein. muslimische Rebellen würden von Sicherheitskräften gejagt und einfach erschossen. 2000, 14. Juni Präsident Bouteflika zu einem Staatsbesuch in Frankreich. 2000, 24. Juni Die Vereinigung algerischer Journalisten fordert den Präsidenten der französischen NRO "Reporters sans frontieres" zur Heimfahrt nach Frankreich auf. Seine Haltung gegen die Presse Algeriens sei herablassend und seine Anschuldigungen willkürlich. 2000, 04. Juli Präsident Bouteflika hat zum Nationalfest 4000 Gefangene amnestiert. 2000, 06. Juli 29 Menschen starben bei Anschlägen in verschiedenen Teilen Algeriens, 17 davon sind Extremisten, die anderen Polizisten und einfache Dorfbewohner. 2000, 12. Juli Zweifel am Erfolg der Friedensbemühungen der Regierung nehmen zu. Tausende Islamisten haben ihre Waffen abgegeben, viel mehr bleiben allerdings im Umlauf. 2000, 13. Juli Seit der Generalamnestie vom 13. Januar wurden im Durchschnitt pro Monat 200 Personen umgebracht. 2000, 15. Aug. Präsident Bouteflika will die Beziehungen zum Iran verbessern, die wegen angeblicher iranischer Unterstützung für Fundamentalisten 1993 abgebrochen worden waren. 2000, 28. Aug. Ali Benflis, enger Mitarbeiter des Präsidenten, wird neuer Premierminister, nachdem der Amtsinhaber Ahmed Benbitour zurückgetreten war. 2000, 04. Sept. Nach einem Attentat, bei dem er zwei Zivilisten ermordet hatte, ist ein führender Extremist der islamischen Fundamentalisten in einer Militäraktion getötet worden. 2000, 08. Sept. Algerien und Iran werden ihre diplomatischen Beziehungen nach sieben Jahren wieder aufnehmen. 2000, 11. Sept. Neue Erdölquellen wurden in der Sahara südlich des bisherigen Fördergebietes entdeckt. 2000, 19. Sept. ai berichtet, etwa 5500 Islamisten hätten sich den Behörden im Rahmen des "concorde civil" gestellt. 350 von ihnen werden strafrechtlich verfolgt, die anderen praktisch amnestiert. 2000, 26. Sept. 2000 illegale Immigranten aus Schwarzafrika leben seit Monaten an der Grenze zwischen Marokko und Algerien. Algerien will sie jetzt in ihre Herkunftsländer zurückschicken. 2000, 04. Okt. In den letzten zehn Tagen hat es etwa 80 Tote durch extremistische Anschlägen gegeben. Starke Regenfälle und niedrige Temperaturen haben in vielen Teilen Algeriens Todesopfer gefordert. 2000, 07. Okt. Besuch des russischen Außenministers Igor Ivanov in Algerien soll zu einer Überwindung des Stillstandes in den Beziehungen der beiden Länder beitragen . 2000, 17. Okt. Ölförderung bringt Rekordeinnahmen: Im ersten Halbjahr wurden wegen gestiegener Weltmarktpreise mehr als 10 Milliarden Dollar eingenommen. 2000, 22. Okt. Die Schriftstellerin Assia Djebar hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. 2000, 01. Nov. Präsident Bouteflika begnadigt rund 4000 Verurteilte aus Anlaß des Jahrestages des Ausbruchs des Algerienkrieges 1954. 2000, 05. Nov. Eine Delegation von AI beginnt einen zweiwöchigen Besuch und will mit Behörden und verantwortlichen Politikern über die Situation im Lande zu sprechen. 2000, 12. Nov. Innenminister Yazid Zerhouni verbietet am 08. Nov. die Wafa (Bewegung für Glaubenstreue und Gerechtigkeit). Sie sei nichts anderes als Frontorganisation für die FIS (Islamische Heilsfront) die für Terroranschläge verantwortlich gemacht wird. Die Polizei beginnt mit der Schließung der Büros der Wafa. 2000, 16. Nov. Gespräche zur erneuten Öffnung der seit 1994 geschlossenen Grenze zu Marokko wurden in Rabbat aufgenommen. 2000, 21. Nov. Mit neuen Massaker am Vorabend des Ramadan bei denen 10 Personen umgebracht wurden, machen Islamisten wieder auf sich aufmerksam. Obwohl die Gewalt seit 1996 nachgelassen hat, werden jeden Monat etwa 200 Algerier ermordet. 2000, 23. Nov. Es habe beim Algerienkrieg systematische Folterungen seitens der französischen Armee gegeben, gesteht ein ehemaliger General in der Zeitung "Le Monde" ein. 2000, 26. Nov. Folteropfer des Unabhängigkeitskrieges fordern, die für Foltr verantwortlichen französischen Generäle vor Gericht zu stellen. 2000, 03. Dez. Hocine Ait Ahmed, einstiger Führer im Unabhängigkeitskrieg wird von der Presse scharf kritisiert, wegen seines Eingeständnisses, dass auch die FLN damals systematisch gefoltert habe. 2000, 11. Dez. 14 Personen wurden bei verschiedenen Attentaten innerhalb von zwei Tage getötet. 2000, 12. Dez. Vertreter von Äthiopien und Eritreer unterzeichnen in Algier einen Friedensvertrag. 2000, 18. Dez. Für einen blutigen Ramadan sorgten Angriffe der Islamisten denen Reisende, Schüler und ihre Lehrer, Zivilisten und Sicherheitspersonal zum Opfer fielen. Seit dem 27 November sind mehr als 250 Personen getötet worden. |