Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche 1995, 30. Januar: In einer gemeinsamen Reflexion beschäftigen sich die vier Bischöfe Algeriens mit der Situation des Landes und insbesondere mit den Problemen, die für die katholische Kirche daraus erwachsen. Die weitreichenden wirtschaftlichen Beschränkungen und Einschnitte auf Grund der IWF Vereinbarung scheinen zwar Erfolg zu haben, gleichzeitig verschlechtert sich das soziale Klima, es gab immer wieder Ausschreitungen und Unterdrückung. Die Bischöfe appellieren an den Staat bei der Sicherung der Ordnung sich nicht wie jene zu benehmen, die den Terror als Mittel einsetzen. Sie weisen darauf hin, daß bewaffnete Gewalt schon mit dem Streik der FIS begonnen habe und mit den von ihr veröffentlichten Todeslisten. Dabei zählen sie eine Liste von Grausamkeiten und widerwärtigen Mitteln auf, mit denen bewaffnete Gruppen ihren Terror und ihre Zerstörung ausüben. Auch verweisen sie darauf, daß die verlangte Einführung der Scharia nur schwer mit den Menschenrechten zu vereinbaren sei. Weiter machen sie darauf aufmerksam, wie stark sprachliche und kulturelle Unterschiede zum Westen bestehen, wobei Wahldemokratie als "ungläubig" angesehen wird. Die Bischöfe die europäische Gemeinschaft auf, in Verhandlungen auf die Konsequenzen aufmerksam zu machen, die sich aus der Unterschrift unter die Erklärung zu den Menschenrechten ergeben. In einem Brief vom gleichen Tag an die europäische Bischofskonferenz sagen die Bischöfe, daß die heutige Kirche in Algerien zwar das Erbe der französischen Kolonialzeit sei, sie sich aber müht, sich in den Dienst der muslimischen Bevölkerung zu stellen. Doch die ständige Steigerung der Gewalt von beiden Seiten nehme die Bevölkerung, die Intellektuellen und die Christen als Opfer. Obwohl von der Bevölkerung respektiert, sei die Präsenz der Kirche in den letzten Jahren immer geringer geworden. Doch sei ein Zusammenleben in einer immer stärker gespaltenen Welt möglich. Die Bischöfe bitten um Unterstützung in ihrer Arbeit für Versöhnung, die im Namen Jesu Christi verkündet wird. 1996, 13. Januar: Die vier Bischöfe Algeriens richten einen gemeinsamen Brief an die christlichen Gemeinden. Sie rufen zur Treue in einer schweren Zeit auf. Eine Treue, die von manchen schon mit dem Leben bezahlt worden ist. Die Solidarität mit dem algerischen Volk verlange auch Zurückhaltung, die die freie Wahl des Volkes respektiert. Jede Nation habe das Recht, frei die Entscheidungen zu treffen, die es ihr ermöglichen, ihre Zukunft zu bauen. Weiter sagen die Bischöfe "In Algerien werden wir die Versöhnung in der Beziehung zwischen den Menschen verschiedener Religionen entdecken und verwirklichen. Das ist eine beträchtliche Ausweitung unserer Mission." Wenn sie die Attentate erwähnen sagen sie: "Wir sind nicht geschützt vor einer neuen Prüfung, die unsere bereits recht geschwächte Kirche erschüttern würde." Die Kirche lebe mit dem ganzen Volk den schmerzhaften Übergang. Es gelte aber, über die gegenwärtige Krise schon das Augenmerk auf die Zukunft zu richten. "Sind wir nicht die Kirche von Algerien? Einer der wichtigsten Anlässe, bei dem die Kirche ihre Treue lebt, ist die Fürsprache. Das Gebet für den Frieden versetzt uns in die Wahrheit. Denn wir haben alle begriffen während dieser Krise, wie notwendig es für uns war, zu lernen, Frieden zu schließen, Frieden zu teilen." 1997, 05. Januar: Nach der Ermordung der sieben Trappistenmönche und des Bischofs von Oran gehen die katholischen Bischöfe und der Präsidenten der protestantischen Kirche in einem Brief an die christlichen Gemeinden besonders auf die Situation der Christen in der mehrheitlich muslimischen Welt Algeriens ein. Mehr denn je sei von den Christen eine "brüderliche Gegenwart" unter den Muslimen gefordert. Die Kirche in Algerien sei gelassen, aber auch zerbrechlich und schwach. "Die Präsenz der Kirche ist ein Symbol sowohl für die Forderung nach einem persönlichen Glaubensleben als auch nach dem Pluralismus, der für die Freiheit des Menschen notwendig ist". 1999, 16. April: Erzbischof Henri Tessier von Algier sieht in den Wahlen eine neue Etappe, die sich Algerien zu Überwindung einer schweren Krise eröffnet. Besonders bittet er die Laienbewegungen und die neuen kirchlichen Bewegungen dem Appell der algerischen Kirche großzügig und positiv nachzukommen. Die Bevölkerung Algeriens sei zehn Jahre lang Opfer der unmenschlichen Gewalt bewaffneter Gruppen auf der einen und Maßnahmen der Sicherheitskräfte und der Selbstverteidigungskräfte auf der anderen Seite gewesen. "Alle wünschen sich Frieden und Versöhnung, zumindest alle, die ihre Hände nicht mit Blut beschmutzt haben." Außerdem hofften die Menschen auf soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftsentwicklung. Bei der Umstellung der Wirtschaft auf das westliche System müsse man sich um die Arbeitslosen sorgen, besonders unter den Jugendlichen und Akademikern. Es seien nun Schritte in Richtung einer pluralistischen Demokratie gemacht worden. Das sei nicht rückgängig zu machen. "Ein sicheres Zeichen der Hoffnung ist die allgemeine Forderung nach einem Rechtsstaat, der allen Gerechtigkeit garantieren soll. Schließlich hat die Krise dazu geführt, daß sich alle nach den Gründen der Gewalt, den Beziehungen zwischen Religion und Politik, der Lage der Frauen und den Gewissensentscheidungen jedes einzelnen befragen." Erzbischof Tessier hob hervor, daß die Präsenz der christlichen Gemeinschaft, der Priester, Schwester und Laien während der Krise von den Nachbarn geschätzt war. Diese Treue habe 19 Todesopfer gekostet. Von großer Bedeutung für die Zukunft der Kirche in Algerien sei, daß sich das Personal in den letzten zwei Jahren trotz der Krise zu 15% erneuert habe. |