Angola: Ereignisse und Entwicklungen 1990-2000 April 1990
Direkte Verhandlungen mit UNITA werden aufgenommen. 31.05.1991 Endgültiger Waffenstillstand unterzeichnet, Holden Roberto und Jonas Savimbi kehren nach Luanda zurück. 29.09.1992 Wahlen; Ergebnis: MPLA 54%, UNITA 34%, sonstige 12%; Dos Santos erhält 49.6% der Stimmen und muß zum zweiten Wahlgang gegen Savimbi antreten. Zweiter Wahlgang findet nicht statt, Wiederaufnahme des Bürgerkrieges. Nov. 1994 Neues Friedensabkommen unterzeichnet, UNITA Rebellen sollen in die Regierung und Armee integriert werden. "Stellvertreterkrieg" zwischen Ost und West kostete eine halbe Million Menschenleben. April 1997 Regierung der Nationalen Einheit und Versöhnung eingesetzt. Savimbi erhält eine Sonderstellung als "Führer der größten Oppositionspartei". Mai 1997 Versuche, die Regierungsgewalt auf UNITA-Gebiet auszuweiten. Vorwürfe einer Abrechnung der Regierung mit UNITA-Rebellen und dem Versuch, Kontrolle über die Diamantenfelder von Lunda Norte und am Cuango-Fluss zu erhalten. Juni 1997 Militärische Integration für beendet erklärt, doch UNITA hatte nur die Hälfte der Posten eingenommen. Der dreißigjährige Krieg forderte 2,5 Millionen Tote und 70000 Verletzte und 2,5 Millionen Flüchtlinge. Juli 1997 Der Bürgerkrieg geht weiter und internationalisiert sich, Soldaten der Nachbarländer greifen auf beiden Seiten in den Krieg ein. 31.10.1997 Der Weltsicherheitsrat der UNO verhängt Sanktionen gegen die UNITA. Dez. 1997 800.000 Menschen durch den Bürgerkrieg wieder zur Flucht innerhalb Angolas gezwungen. Feb. 1998 FLEC in Kabinda berichtet, 5000 Regierungssoldaten einen Hinterhalt gelegt zu haben 1998 UN zieht einen Teil der Friedenstruppen ab. Juli 1998 Zwangsrekrutierung Jugendlicher durch Regierungstruppen. UNITA erobert mehrere Städte. August 1998 Regierungstruppen starten Großoffensive in der Provinz Malanje. Intervention angolanischen Regierungstruppen in D.R.Kongo. 25.Aug.1998 UNITA bricht die Verbindungen zu den Friedensbeobachtern Portugal, USA und Rußland. September 1998 Regierung bricht Verbindungen zur UNITA, erkennt nur noch eine Splittergruppe an. UNITA konsolidiert seine Truppen. 1998 In Kabinda werden täglich fast eine halbe Million Barrel Rohöl gefördert (Chevron). 04. Nov.1998 Angola zieht einige Truppen aus dem Kongo ab, um die Offensive gegen UNITA zu verstärken. 13. Dez.1998 Nach Angaben der Regierungstruppen hat UNITA im Zentralen Hochland die Oberhand gewonnen.UNITA Rebellen sind auch bei Cuito und Cunji. 03. Jan 1999 Nach dem Abschuß eines UN-Flugzeug mit vier Personen an Bord wird in der Nähe von Huambo ziehen die UN Personal aus den Kampfgebieten ab. 23. Januar 1999 Angola verweigert der UN eine weitere militärische und politische Präsenz im Lande, erlaubt aber humanitären Helfern und Entwicklungspersonal zu bleiben. Am 26. Januar stimmt darauf die UN ab, die Friedensmission in Angola zu beenden. März 1999 Mehr als 30% des angolanischen Haushalts 1999 sind für Verteidigung vorgesehen. 27. April 1999 Im Gebiet um Luanda werden mehr als eine halbe Million Kinder gegen Kinderlähmung geimpft. 20. Mai 1999 Schweizer Banken leihen Angola mehr als 500 Millionen Dollar. 21. Mai 1999 UNITA sagt, daß die Bewegung mehr als 70% Angolas kontrolliert, die Rebellen kämen immer näher an Luanda. Mai 1999 Südafrika weist ein Ersuchen der angolanischen Regierung um Militärhilfe zurück. Angola bittet Südafrika um medizinische Hilfe und Lebensmittel. Juni 1999 Von beiden Kampfparteien werden immer mehr Landminen verlegt. Einige Ortschaften werden von Regierungstruppen zurückerobert. 17. Juni 1999 Eine hochrangige UN-Delegation wird nach Angola gesandt. FAO und WFP warnen: 1,7 Millionen Angolaner sind von Hunger und Unterernährung bedroht. 18. Aug. 1999 Das Rote Kreuz bringt 18000 t Lebensmittel nach Huambo und Cuito. In der Provinz Malanje herrscht Hungersnot. Tausende Minen sind von Regierungstruppen und Rebellen um Huambo, Cuito, Malanje und Luena gelegt worden. 30. Aug. 1999 UNITA Truppen verstärken ihre Angriffe auf Lubango (im Süden). In der Provinz Uige (im Norden) fliehen Tausende vor den Kämpfen. 04. Sept. 1999 Die UNO spricht von hunderttausenden Flüchtlingen auf dem Gebiet Angolas, Radio Ecclesia beziffert die Flüchtlinge in Millionen. 185000 Flüchtlinge allein in der Stadt Huambo. 11. Sept. 1999 Human Rights Watch beschuldigt die UNO, ihrer Verantwortung in Angola nicht gerecht zu werden. Die UNO habe nicht nur das Friedensabkommen von 1994 untergraben, sondern sich auch den Vertragsverletzungen - sowohl von Regierungsseite als auch von der UNITA - gegenüber blind gestellt. 12.Okt. 1999 Eine erneute Offensive der Regierungstruppen bringt wieder Tausende zur Flucht. Berichte sprechen von 1,1 Millionen Menschen, die dringend Lebensmittel nötig haben. 02. Dez. 1999 Hunderte UNITA-Kämpfer überschreiten die Grenze in die DR Kongo. Unklar ist, ob die Truppen Sawimbis Angola von Kongo aus angreifen wollen, oder ob sie mithelfen sollen, Kabila zu stürzen. 05. Dez. 1999 Die Lobby-Organisation "Global Witness" startet eine Kampagne mit dem Ziel, die riesigen Einkünfte Angolas von der Erdölförderung nicht mehr für die Finanzierung des Krieges zu nutzen. 28. Dez. 1999 Regierungstruppen erobern Jamba und den Süden des Landes. Namibia bestätigt das Eingreifen seiner Truppen. 12. Jan. 2000 Sambia zieht starke Truppenverbände an seiner Westgrenze zu Angola zusammen, um angolanische Regierungstruppen an der Verfolgung von UNITA-Rebellen auf sambischem Territorium zu hindern. Tausende angolanischer Zivilisten flüchten nach Sambia. 13. Jan.2000 Nichtregierungsorganisationen weisen auf die Rolle der Ölindustrie und der internationalen Banken bei der Finanzierung des Angolakrieges hin. Ein großer Teil der Erdöleinkommen werde auch für die persönlichen Ziele einer Elite um den Präsidenten genutzt. Die Erdölindustrie trage nicht zur Entwicklung Angolas sondern zu seinem Niedergang bei. 17. Jan. 2000 Präsident Dos Santos lobt den Erfolg der UN-Sanktionen gegen UNITA. In einer Rede vor diplomatischen Vertretern in Luanda sagt er, Freundschaft, Solidarität und Verständnis Angola gegenüber habe die Politik der ausländischen Regierungen bestimmt. 07. Jan 2000 Chevron hat mit der Ölförderung im "off shore" Feld von Cuito begonnen. 06. Febr. 2000 Neue Zwischenfälle zwischen UNITA-Verbänden und namibischen Truppen an der Grenze zu Namibia. 20 Tote auf namibischer Seite. 15. Febr. 2000 Der namibische Präsident Sam Nujoma und der angolanische Präsident Dos Santos besprechen in Luanda "Probleme an der gemeinsamen Grenze" der beiden Länder. 18. Feb. 2000 Angolanische Regierungstruppen verhaften zwei militärische Führer der "Katangischen Tiger". Die "Tiger" sind Einheiten, die sich aus katangischen Gendarmen Moise Tschombes und ihrer Nachkommen rekrutieren, die mit Laurent Kabila nichts zu tun haben wollen. 08. März 2000 UNITA fördert und verkauft trotz militärischer Rückschläge immer noch Diamanten. Im letzten Jahr soll UNITA für 150 Millionen Dollar Rohdiamanten verkauft haben. 14. März 2000 Bulgarien wird beschuldigt, Waffen an UNITA zu liefern, Ruanda soll UNITA-Rebellen den Handel mit Diamanten und Waffen in Kigali erlaubt haben. Belgien soll im Diamantenhandel über die Herkunft der Ware nur sehr laxe Kontrolle ausüben. 29. März 2000 Die Diamantenfirma De Beers sagt, sie werde keine Diamanten aus unbekannter Herkunft mehr handeln. 30. März 2000 Die katholischen Bischöfe Angolas fordern die UNO auf, Frieden zwischen der Regierung und UNITA zu stiften. 25 Jahre Bürgerkrieg seien 25 Jahre Völkermord. Die UNO solle ihre Anstrengung zu einem Dialog der Kriegsparteien verstärken: "Wer die Tür zum Dialog verschließt, würde sie für einen endlosen Krieg öffnen." 13. April 2000 UNITA kündet seine Bereitschaft an, die Vermittlung der katholischen Kirche für einen Dialog mit der Regierung der MPLA anzunehmen. 14. April 2000 Die katholische Bischofskonferenz, der Rat der Christlichen Kirchen und die Evangelische Allianz haben sich gemeinsam für nationale Versöhnung eingesetzt. 24. April 2000 30 Personen wurden getötet als ein Lastwagen in Nordangola auf eine Mine fuhr. 26. April 2000 Die humanitäre Situation in Angola ist laut einem Bericht der UNO in weiten Landesteilen alarmierend, Grundnahrungsmittel fehlen besonders im Hochland der Provinz Wambo. 05. Mai 2000 Lebensmittelausgabe für 1,2 Millionen Flüchtlinge in Angola durch das Welternährungsprogramm möglicherweise bald beendet. Es fehlen Finanzen. 16. Mai 2000 Angola unterzeichnet ein Abkommen mit Kongo DR und Kongo-Brazzaville über die Rückführung von Flüchtlingen und den Grenzverkehr zwischen den drei Ländern. 24. Mai 2000 Neue Kämpfe im Norden und Osten. UNITA spricht von mehreren eroberten Städten. UN schätzt die Zahl der seit 1998 im Lande vertriebenen auf 2,5 Mio. 25. Mai 2000 Konferenz internationaler Öl-Konzerne in Huston, USA, plant die zukünftige Betätigung in Angola. Global Witness kritisiert die Komplizenschaft der Öl-Konzerne mit der korrupten Regierung Angolas und deren gemeinsame "Plünderung" der Ölvorkommen, dem Eigentum des Volkes von Angola. 11. Juni 2000 20000 Menschen nehmen an einem ökumenischen Gottesdienst teil, bei dem auf eine Beendigung des Bürgerkrieges gedrängt wird. 18. Juni 2000 Geheime Verhandlungen der angolanischen Regierung mit Vertretern der UNITA-Rebellen in Maputo. 28. Juni 2000 Verteidigungs- und Sicherheitsexperten aus Angola und Sambia beginnen Beratungen in Lusaka. Nach Angriffen angolanischer Soldaten auf sambische Dörfer hatten sich die Spannungen zwischen beiden Ländern verstärkt. 01. Juli 2000 Angola und Sambia kommen überein, ihre Zusammenarbeit zu intensivieren, um die Sicherheitslage an der gemeinsamen Grenze zu verbessern. 11. Juli 2000 Die UN richtet eine Fünfergruppe mit Experten verschiedener Länder ein um den Handel mit Diamanten und die Handelswege der UNITA zu untersuchen. 11. Juli 2000 Die Regierung Angolas boykottiert den OAU-Gipfel in Togo, sie verdächtigt die dortige Regierung des Waffenhandels mit der UNITA. 19. Juli 2000 Zwei katholische Priester wurden von Mitgliedern der UNITA entführt. In Namibia werden UNITA-Rebellen verdächtig, Rinder entlang der angolanisch-namibischen Grenze zu stehlen. 21. Juli 2000 In der Provinz Huila im Süden Angolas will die Regierung mehr als 340000 interne Flüchtlinge ansiedeln. 02. Aug. 2000 UNITA lehnt eine vom Präsidenten angebotene Amnestie ab und verlangt gleichberechtigte Verhandlungen. 03. Aug. 2000 Angola ist zum zweitgrößten Ölproduzenten Schwarzafrikas geworden mit einer Tagesproduktion von . 780000 Barrel. Hauptinvestoren sind Ölfirmen aus USA und Frankreich. 07. Aug. 2000 In vier von 18 Provinzen Angolas streiken die Lehrer. Sie beklagen ihre minimale Ausbildung und die geringen Löhne. 18. Aug. 2000 Zu unterschiedliche politische Einstellungen hindern die Opposition, einen gemeinsamen Standpunkt zu finden. Ein geplantes Treffen wurde abgesagt. 24. Aug. 2000 Truppen von UNITA und Regierung leisten sich heftige Gefechte in der Provinz Moxico. Die Unsicherheit in vielen Landesteilen nimmt zu. 06. Sept. 2000 Präsident Dos Santos verkündete, bisher seien beinahe 10000 Soldaten der UNITA zur Regierung übergelaufen, eine Trend, der sich nach einem Appell der Regierung am 28. Aug. noch verstärkt haben soll. 24. Sept. 2000 Regierungstruppen sollen die UNITA-Basis von Cazombo nahe der sambischen Grenze erobert haben. In Huambo gerieten ein Lastwagenkonvoi in einen Hinterhalt der Rebellen. 21 Personen wurden getötet. 25. Sept. 2000 Den illegalen Diamantenhandel will der Staat "legalisieren". Die Regierung verspricht sich so erhöhte Steuereinnahmen. 09. Okt. 2000 Bei einem Erdrutsch sind 13 Diamantensucher in einer Mine östlich von Luanda ums Leben gekommen. 13. Okt. 2000 Die UNO zeigt sich besorgt, weil der Krieg in Angola auf die Nachbarländer Sambia und Namibia übergreift. Tausende Flüchtlinge kamen nach Sambia, darunter auch UNITA-Rebellen. Namibia hat angolanischen Regierungstruppen erlaubt, sein Territorium als Angriffsbasis gegen UNITA zu nutzen. 23. Okt. 2000 Präsident dos Santos warnte Sambia, keine Angriffe der UNITA von einem Gebiet zuzulassen, nachdem in diesem Monat wegen des Bürgerkrieges mehr als 20000 Angolaner nach Sambia geflohen sind. 24. Okt. 2000 Regierungstruppen sollen die Diamantenminen von UNITA erobert haben. 31. Okt. 2000 Eine Antonow-Passagiermaschine ist in der Region kurz nach dem Start explodiert, alle 48 Person an Bord wurden getötet. 03. Nov. 2000 Während die Regierung bei dem Flugzeugabsturz vom 31. Okt. von einem technischen Versagen spricht, sagt die UNITA, sie habe das Flugzeug abgeschossen, weil eine Ladung "von unserem Land gestohlener Diamanten" an Bord gehabt habe. 03. Nov. 2000 Die Ölförderung soll gedrosselt werden, damit die Einkünfte auf längere Zeit hin reichen. 12. Nov. 2000 Hinter der sogenannten Normalisierung verschlimmere sich 25. Jahre nach der Unabhängigkeit die Lage der Bevölkerung immer weiter, meldet die Organisation "Ärzte ohne Grenzen". 16. Nov. 2000 40 Menschen kamen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Regierung hat alle zivilen Flüge untersagt, die Flugzeuge sollen untersucht werden. Militärische Flüge gehen weiter. 21. Nov. 2000 Der deutsche Außenminister Fischer traf sich in Luanda mit dem angolanischen Außenminster und dem Präsidenten zu Gesprächen über die Probleme der Region. Es kam auch zu einer Begegnung mit Repräsentanten der katholischen Kirche, die zwischen den Bürgerkriegsparteien zu vermitteln versucht. 23. Nov. 2000 Eine Amnestie wird von einigen Parlamentariern der MPLA vorgeschlagen, um zu einer nationalen Versöhnung zu gelangen. 30. Nov. 2000 Mehr als 200 Mio. Dollar für humanitäre Hilfe fordert die Regierung Angolas von der UNO. 08. Dez. 2000 Mit Diamanten und Öl will Angola Schulden in Höhe von fast 10 Milliarden DM in Russland bezahlen. Die Diamantenindustrie wird immer mehr von russischen Experten geleitet. 13. Dez. 2000 Die katholische Kirche hat sich als Friedensvermittler angeboten. Der Bischof von Malange betonte, die Kirche von der Regierung nur mit Unbehagen betrachtet, da die Verwurzellung der Kirche im allgemeinen Volk ihr eine gewisse Machtposition gebe. |