Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche in Ghana 1989, 3. - 7. Juli;
Vollversammlung der Bischofskonferenz Ghanas. In einem Kommuniqué der Bischofskonferenz wird zuerst Stellung genommen zur Situation und den Problemen der Jugend. Danach sprechen die Bischöfe auch politische und rechtliche Schwierigkeiten an. Bestimmte Aspekte der Sinnsuche geben den Bischöfen Anlaß zu Besorgnis. Da ist in erster Linie das Problem der Drogen, mit alarmierenden Folgen für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Wie ist das Problem entstanden. Die Bischöfe meinen, daß es besonders die sozialen Zwänge sind, von denen die Jugend sich befreien will, aber auch die Reaktion auf Enttäuschungen im sozialen Umfeld. Drogen helfen, ein trügerisches Selbstvertrauen zu erwerben. Die Bischöfe weisen auch darauf hin, daß es wenige sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für die Jugend gibt. Sie erinnern an die Pflicht der Eltern, die nötige Atmosphäre für ein erfülltes Familienleben zu schaffen. Doch beobachten sie auch mit Sorge die Schwächung des Familienlebens in der Gesellschaft, hervorgerufen durch soziale und wirtschaftliche Belastungen. Die Konsequenz für viele Eltern heißt, daß sie den Kindern nicht gleiche Chancen bieten können, Studiengebühren sind zu hoch, es reicht nicht für alle gleichermaßen. Hier rufen die Bischöfe die Regierung auf, sich mehr um die soziale Gerechtigkeit zu kümmern. Kinderarbeit ist wegen der wirtschaftlichen Zwänge keine Seltenheit mehr. Sorge bereitet den Bischöfen auch die ansteigende Zahl der Abtreibungen bei jungen Mädchen und die allgemeine Zunahme von Aids. Einen Ausweg biete nur ein diszipliniertes und sittliches Leben. Ein weiteres Problem sehen die Bischöfe in den kleinen religiösen Gruppen, die in den letzten Jahren aufgekommen sind, und die allen Trostsuchenden das Versprechen sofortiger materieller und spiritueller Erlösung und Sicherheit anbieten. Kennzeichnend für deren Lehren sei oft der deutliche Ruf nach Absonderung und Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Die Hauptkirchen hätten es versäumt, den Jugendlichen Antwort auf ihre spirituelle Suche zu geben. So rufen die Bischöfe die Kirchen zur Suche nach neuer Spiritualität auf und fordern auch eine bedeutungsvolle Liturgie. Mit Besorgnis sehen die Bischöfe die Regierungserlasse zum Verbot von Kulten und Sekten. Es gehe hier um Menschenrechte, man solle keine Präzedenzfälle schaffen, mit denen in Zukunft alle Formen religiöser Äußerung verboten werden könnten. Ein Lob für die Regierung haben die Bischöfe, wo diese sich um Schritte hin zu einer "Basis"-Demokratie bemüht hat. 1991, Februar Memorandum der Bischofskonferenz zur Suche nach einem neuen demokratischen System: Demokratisierung schreitet auch in Ghana voran. Ghana braucht eine neue Verfassung. Darin müssen die Menschenrechte verankert sein. Werte aus der Tradition Ghanas müssen ebenso in der Verfassung verankert sein, wie das Mandat für einen modernen Staat, der über alle ethnischen Gruppen hinausgeht und sie zu einem neuen Gemeinwesen vereint. Traditionelle Werte sind: Ideologie des Dienstes, Macht und Autorität gehen letztlich vom Volk aus, Rechtstaatlichkeit, keine persönliche Macht, Konsens als Modus der Entscheidung, Achtung der Menschenrechte und Schutz des Lebens. Macht soll nicht in einer Hand bleiben, von ihrem Wesen her muß sie geteilt werden, das ist traditionelle ghanaische Weisheit. Parlamentarische Regierung und Beteiligung des Volkes verlangen einen glaubwürdigen Wahlprozeß. Dann sprechen die Bischöfe über die Strukturen der Volksvertretung, die über eine Teilnahme an der Regierung von der Basis her sorgen sollen und die Macht zur Selbstentfaltung in die Hand des Volkes legen: Distriktversammlungen, Regionalversammlungen und Nationalversammlung. Eine freie Gesellschaft verlangt Meinungsfreiheit. Pressefreiheit ist aber nur möglich, wenn es eine Vielfalt an Informationsquellen gibt. Eine Demokratie braucht auch die Unabhängigkeit der Justiz.
1996, JuliErklärung der Vollversammlung der Bischofskonferenz Krisenzeichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nach Jahren von ethnischen Auseinandersetzungen im Norden des Landes scheint nun der Friede zu kommen. Doch ist gegenseitige Achtung und auch Achtung vor den religiösen Überzeugungen anderer dabei notwendig. Niemand sollte von traditionellen Herrschern zu irgendwelchen religiösen Praktiken gezwungen werden, die faktisch die Religionsfreiheit ausschließen. Die Bischöfe appellieren an religiöse Fundamentalisten auf christlicher wie muslimischer Seite, von Äußerungen und Aktionen abzulassen, die Feindseligkeit und Konflikte auslösen. Gewarnt wird auch vor einem zunehmenden sozialen Ungleichgewicht. In Zeiten wachsender Armut und sozialen Elends gebe es einige wenige, die die Nation ausplünderten und Reichtümer ansammelten, sagen die Bischöfe und begrüßen die Bemühungen der Regierung gegen Korruption.
1997, AdventÜber Bestechung und Korruption. / Botschaft der Bischöfe an die Nation. Korruption ist ein allgegenwärtiges Übel in Staat und Gesellschaft, in Wirtschaft, Verwaltung und Justiz, in Schule und Kirche geworden. Korruption hat sich wie ein Krebsgeschwür in das moralische Gefüge der Nation hineingefressen und die ghanaische Gesellschaft ruiniert. Bestechungsgeld wird oft schon als normal angesehen. Das Vertrauen der Ghanaer in Staat und Gesellschaft, ja, in sich selbst, wird unterhöhlt. "Kurzfristig leiden die Armen am meisten und unmittelbar. Aber langfristig wird die ganze Nation wirtschaftlich, sozial und moralisch unter dem erdrückenden Gewicht von Bestechung und Korruption zusammenbrechen." In nahezu allen Fällen fördere Korruption ausnahmslos Unfähigkeit, Mittelmäßigkeit und Respektlosigkeit. Eine ernsthafte Gewissenserforschung tut Not. Die Bischöfe erinnern die Christen an die Worte Johannes des Täufers: "Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!...Erpreßt niemand, begnügt euch mit eurem Sold." Die Bischöfe fordern eine neue Ehrlichkeit im Umgang miteinander, ehrliche Arbeit und gerechten Lohn. Sie sprechen von ihrem Traum für das Jahr 2000 mit einem besseren Ghana ohne Bestechung und Korruption... |