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Liberia  > Kirche

Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche

1996, Osterhirtenbrief von Michael Francis, Erzbischof von Monrovia:

Eindringlich wird an alle Verantwortlichen appelliert, sich um Frieden zu bemühen. Kriegsherren brachten bisher statt Freiheit nur Zerstörung, die Zahl der Vertriebenen sei gestiegen. Der Bischof zählt die Greueltaten auf und sagt: "Wir versuchen unseren Menschen ein besseres Leben zu schaffen und zu bringen. Sie (die Kriegsherren) zerstören nur und bringen den Liberianern Sklaverei." Monrovia sei ein Waffenlager, man lebe auf einer Zeitbombe. Man könne die gegenwärtige Situation in den Worten zusammenfassen: "Der Friedensprozeß ist vom Kurs abgekommen." Es mangele am Willen. Je länger es dauere, die Friedensabkommen von Abuja in die Tat umzusetzen, desto schwerer werde es werden, zu versöhnen und zu verzeihen.
Eindringlich appelliert der Erzbischof an die Politiker, den Frieden zu bringen. Die Angehörigen der Milizen erinnern er daran, daß sie es mit Schwestern und Brüdern zu tun haben, die bereit sind, sie wieder in die Gesellschaft aufzunehmen. Er bietet Hilfe an, wieder in ein normales Leben zurückzukehren.

1996, 3. April:

In einer Erklärung der Justitia et Pax - Kommission des nationalen Katholischen Sekretariats wird u.a. folgendes gesagt: Der Friedensprozeß ist zu einem qualvollen Stillstand gekommen. Den verschiedenen Seiten mangelt es an gutem Willen, das Abuja Abkommen zu erfüllen. Die internationale Gemeinschaft wird aufgerufen, die Regierung zu isolieren. Besonders die USA werden gebeten, den Gegnern des Friedensprozesses die Einreise in die USA zu verweigern. Es wird auch an die ECOMOG-Truppen appelliert, einen Zusammenbruch des Friedensprozesses zu verhindern.

1997, April:

Hirtenbrief des Bischofs von Monrovia zu den Wahlen am 15. Mai 1997: Aus der Sicht des Glaubens und mit Aussagen der Bibel versucht der Bischof den Gläubigen die politische und gesellschaftliche Situation Liberias zu erläutern. Auf dem Papier und in der Theorie habe man seit 1847 die Basis für eine idyllische Gesellschaft. Die Ideale der Vergangenheit seien degeneriert, Korruption, Betrug, Ethnozentrismus, Amtsmißbrauch, Mangel an Gerechtigkeit und Mißachtung der Menschenrechte hätten die Geschichte der Nation wesentlich geprägt.
Besonders wird in dem Hirtenbrief Stellung genommen zur Freiheit: Das Recht des Einzelnen auf Freiheit stehe über dem Staat, es müsse vom Staat geschützt werden. Es wird betont, daß willkürliche Verhaftungen und Haft unmoralisch sind. Angeklagte hätten ein Recht auf einen Prozeß. Freiheit des Menschen sei auch Rede und Pressefreiheit. "Eine autokratische Regierung und die Verweigerung von Pressefreiheit gehen Hand in Hand". Freiheit drücke sich auch in Versammlungsfreiheit und in der Freiheit einer Partei beizutreten.
Ein weiterer Punkt ist die Demokratie. Die Vorzüge und Gefahren der Demokratie werden herausgestellt. Jedoch die Kontrollmechanismen, die man in eine Demokratie einbauen könne, böten größeren Schutz für die Gerechtigkeit, als das in irgendeiner anderen Regierungsform möglich wäre. So wird die Demokratie als einziges lebensfähiges System bezeichnet. Erinnert wird an den hohen Preis, den Liberia bezahlt hat. Jetzt müßten Schritte unternommen werden, damit Freiheit Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung in einer demokratischen Gesellschaft garantiert würden. Die Menschen seien die Herren der Politiker und nicht umgekehrt.
Für die Kandidaten, die bei den Wahlen - für Legislative und Präsidentschaft - politische Positionen anstreben, werden Kriterien genannt: Sie sollten versöhnen und einen, die fundamentalen Menschenrechte achten, ehrlich, aufrichtig, verantwortungsbewußt sein. Außerdem sollten sie demokratischen Prinzipien verpflichtet sein, in ihrem privaten und öffentlichen Leben ohne Tadel sein und sich um das Wohl des liberianischen Volkes sorgen. Wenn jene Kriterien erfüllt würden, könne man auf ein "Neues Liberia" hoffen, wo Gerechtigkeit und Friede herrschen, wo keine Gewalt mehr angewendet wird, um politische Ziele zu erreichen.
Zum Schluß wird noch einmal daran erinnert, daß Gott keine ungerechten Strukturen billigt.

2001 November

In einem Hirtenbrief kritisiert der Erzbischof von Monrovia die Regierung wegen grober Verletzung der Menschenrechte und Korruption.