Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche 1992, 08. März 2000, Fastenhirtenbrief"Wozu der Glaube uns auffordert" Die Bischöfe setzen sich kritisch mit der Situation der Gesellschaft Malawis auseinander. Sie wenden sich dagegen, daß es Macht- und Meinungsmonopole gibt, prangern Übel und Mißstände im Bildungs- und Gesundheitswesen an. Die Bischöfe verlangen die Beteiligung des Volkes an der Politik am öffentlichen Leben. Sie beklagen des Fehlen einer unabhängigen Presse, das Fehlen von Diskussionsforen und Möglichkeiten zum freien Zusammenschluß für soziale und politische Zwecke. So sagen sie unter anderem: "In unserer Gesellschaft leben viele Menschen in Verhältnissen, die mit ihrer Würde als Söhne und Töchter Gottes kaum vereinbar sind. Ihr Leben ist ein Kampf ums Überleben. Gleichzeitig genießt eine Minderheit die Früchte der Entwicklung und lebt in Luxus und Reichtum. Wir fordern eine gerechtere und gleichere Verteilung des nationalen Reichtums.... Bestechung und Vetternwirtschaft nehmen zu. Das schadet dem Geist unseres Volkes. Ehrlichkeit, Respekt und gleiche Chancen - das müssen die leitenden Eigenschaften unserer Nation sein... Die akademische Freiheit ist stark eingeschränkt; Ungerechtigkeiten anzuprangern, kann als Verrat angesehen werden; das Monopol der Massenmedien und die Zensur verhindern die Äußerung abweichender Meinungen; manch einer hat seine politische Meinung teuer bezahlen müssen... Wir können nicht außer acht lassen, daß unserem Volk Ungerechtigkeit widerfährt, zum Beispiel denen, die ohne Entschädigung enteignet werden, oder jenen, die inhaftiert werden, ohne zu wissen, wann ihre Fälle je verhandelt werden... Es ist die Aufgabe der Kirche, das Evangelium zu verkünden, das die Erlösung der Menschen und ihre Befreiung von jeder Situation der Unterdrückung bewirkt, sei es Hunger, Unwissenheit, Verzweiflung oder lähmende Angst...." 1993, Brief zum Referendum"Unsere Zukunft wählen" Wiederum sprechen sich die Bischöfe für die Demokratisierung aus und informieren die Bürger Malawis über die Vorteile des Mehrparteiensystems. In einer Demokratie müssen die Führer des Volkes seine Diener sein und nicht seine Herrscher. Was Malawi brauche sei eine richtige Regierung, nicht die Führung einer kleinen Elite. Doch warnen die Bischöfe davor, zu glauben, Demokratie in sich selber sei der Garant des Fortschritts. Für Fortschritt müsse jeder hart arbeiten und auch Verantwortung übernehmen. Sie bitten die Bürger sich einzusetzen für ein System, das Machtgier, Vorurteile und Intoleranz ausschließt und Gerechtigkeit für alle garantiert. Die Bischöfe betonen ihre neutrale Stellung in den politischen Fragen. Ihre Aufgabe sei das Evangelium. Die Werte des Evangeliums betonten die Würde des Menschen und die fundamentalen Menschenrechte jedes einzelnen. Die Kirche wolle den Menschen nicht sagen wie sie wählen sollen, ermuntert sie aber, ihre Stimme zum Wohle Malawis zu nutzen. Die Nation sei an einem Wendepunkt angelangt, in dieser Stunde sei es wichtig, unter Gottes Führung Vertrauen zueinander zu haben. 1996, Sept. Hirtenbrief:Unser gemeinsamer Weg im Glauben Dem Jahr 2000 entgegen Drei Themen vereinen die malawischen Bischöfe in diesem Hirtenbrief: die Vorbereitung auf das Jubeljahr 2000 und sein Sinn für Malawi, die darauf folgende Hundertjahrfeier der katholischen Kirche in Malawi im Jahr 2001 und die Afrikanische Synode, die vor zwei Jahren in Rom einen Überblick gegeben hat über die Evangelisierung Afrikas und den großen Entscheidungen für den Kontinent, die bevorstehen. Die Themen der Synode sollen den Weg in die Zukunft weisen. Darum erklären die Bischöfe noch einmal was sich in Rom tat: Evangelisierung und Inkulturation sollen das Christentum fest in Afrika verwurzeln. Der Dialog muß zwischen Kirchen und Religionen, aber besonders auch in der eigenen Kirche gepflegt werden. Gerechtigkeit und Frieden und Ganzheitliche Entwicklung sollen helfen, daß jeder Mensch in Würde leben kann. Bei all dem kommt den sozialen Kommunikationsmedien eine besondere Bedeutung zu. In mehrere Zeitabschnitten und Schritten soll sich die Kirche auf die Jubiläen vorbereiten. 1998, Hirtenbrief: "Kehrt um zu mir und lebt!"Ein Aufruf zur Reue auf unserem gemeinsamen Weg ins Jahr 2000. Die Bischöfe gehen ein auf die Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft, die zur Freude Anlaß geben, aber auch Sorgen bereiten. Dies sei besonders zu erkennen im Verlust des Sündenbewußtseins, der Zunahme der Untreue. Beklagt wird die Abhängigkeit von westlichen Geldgebern in Staat und Kirche, Streben nach materiellem Besitz, sexueller Freizügigkeit, bewaffneter Gewalt. Die Christen sollen die Elemente, die das Evangelium verneinen, als Herausforderung sehen. Der üble Einfluß müsse gesehen und aufgedeckt werden. Materialismus und Säkularismus üben Einfluß aus. Extreme Armut sei die Wurzel von vielen Übeln. Es gebe aber auch Faulheit und Korruption. Die Bischöfe appellieren an die Christen ehrlich und fleißig zu arbeiten. Auch im kulturellen Bereich sollen die Menschen sich vom Christentum herausfordern lassen, an den überlieferten Sitten - besonders auch im Bereich Ehe und Familie - sehen, was gut ist und nicht einfach alles abtun. Die Bischöfe sprechen über Arbeit und gerechten Lohn. Themen sind auch Familienplanung und verantwortungsvolle Sexualität, die Medien und die Würde der Frau. 1999, FebruarHirtenbrief Die Bischöfe betonen, wie wichtig es sei, sich registrieren zu lassen und an den Wahlen teilzunehmen. Sie wenden sich gegen jede Art von Gewalt und rufen zur Toleranz auf. Besonders die Parteien werden ermahnt fair miteinander umzugehen. Priester und Schwestern werden gebeten, nicht für irgendeine Partei Propaganda zu machen. "Wir sollten uns davor hüten, den demokratischen Willen der Mehrheit zurückzuweisen. Solch eine Ablehnung würde eine Gefahr für unsere Gesellschaft bedeuten und muß abgewehrt werden. Wenn die Demokratie fehlschlägt, ist die wahrscheinliche Alternative das Chaos oder irgendeine Form von Diktatur. Laßt uns mit Anstand gewinnen und mit Würde verlieren." 1999, JuliHirtenbrief Die katholischen Bischöfe verurteilen die Welle der Gewalt, die seit der Bekanntgabe der Wahlresultate im Lande um sich greift. Alle Parteien werden zur Mäßigung aufgerufen. In ihren Hirtenbrief warnen die Bischöfe vor dem Scheitern der Demokratie. 2001, 28. JuliHundertjahrfeier der Katholischen Kirche in Malawi Am 28.Juli feierte die Katholische Kirche hundert Jahre, seit die ersten Missionare dort ankamen. Cardinal Arinze kam zu den Feierlichkeiten als päpstlicher Legat und wurde von Präsident Bakili Muluzi empfangen. Er zelebrierte eine Messe für die Jugend und eröffnetet das neue Montfort Media Center in Balaka. Die katholische Kirche spielte ein zentral Rolle beim Übergang der 30-jährigen Diktatur von Präsident Kamuzu Banda zur Demokratie. Die christlichen Kirchen kritisieren den Versuch des jetzigen Präsidenten, eine unkonstituionelle dritte Amtsperiode zu erzwingen. 2002, 31. MärzHirtenbrief: Wachsam Leben in Freude und Hoffnung Die Bischöfe danken für die Früchte der Hundertjahrfeier. Sie drücken ihre Besorgnis aus über die Hungersnot im Land und danken allen, die Hilfe gesandt haben. Die Kirchenführer protestieren gegen die sich breitmachende Kultur der Gewalt vor allem in der Politik und fordern Respekt der fundamentalen moralischen Werte. Sie bitten um tätige Hilfe und Akzeptanz für die Opfer der Aids-Epidemie. 2002, 21. JuniDirektiven der Bischöfe über politische Aktivitäten von Priestern In einem kurzen Schreiben setzen die Bischöfe die Bedingungen fest, unter denen Priester und Ordensleute an politischen Aktivitäten teilnehmen dürfen. Ein Engagement für politische Partei wird ausgeschlossen. |