Mosambik: Ereignisse und Entwicklungen 1990-2000 1990, März Der Bürgerkrieg, der seit 13 Jahren das Land verwüstet, reicht bis in die Hauptstadt hinein. Mehr als eine Millionen Menschen flüchteten vor den Kriegswirren in die Nachbarstaaten Malawi, Südafrika und Simbabwe. Der Zustrom nach Maputo brachte die Stadt an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit. 1990, Juli Erste Friedensgespräche in Rom an denen Vertreter der Regierung und der Widerstandsbewegung RENAMO teilnehmen. 1991, Jan Große Unsicherheit löst in Mosambik die Frage nach einer Zukunft ohne die DDR-Entwicklungshilfe aus. Nach der Unabhängigkeit 1975 hatte das Land umfangreiche Hilfe aus der DDR bekommen. Geliefert wurden Maschinen, Ausrüstungen und Ersatzteile. Rohstoffe und Produkte wurden zu Preise angekauft, die über dem Weltmarktniveau lagen. DDR–Experten halfen der staatlichen Verwaltung, engagierten sich im Bildungs– und Gesundheitswesen. 1991, 1. Juni Die Regierung bestätigt Putschversuch in Maputo. Das Militär ist unzufrieden mit den Friedensgesprächen in Rom, Soldaten bekommen seit Monaten keinen Sold. 1991, 10. Juli Das Parlament verabschiedet ein Gesetz, das die Pressefreiheit einführt. 1991, Aug. Mosambik versucht aus der Wirtschaftskrise herauszukommen. Nach langem Sozialismus wendet es sich vorsichtig der Marktwirtschaft zu, um die Inflation in den Griff zu bekommen, die in den letzten zwölf Monaten von 18 auf rund 30 % gestiegen ist. Es wird geschätzt, daß Mosambik 1991 durch den Verlust der Ostblockhilfe und durch gestiegene Ölpreise in Folge der Golfkrise einen Verlust von 130 Millionen Dollar oder 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts hinnehmen muß. 1991, 22. Dez. Das Parlament lässt private Banken und Versicherungen zu. Farmland wird den Eigentümern aus Südafrika zurückgegeben. 1992, 4. Okt. In Rom unterzeichnen Präsident Chissano und RENAMO Führer Dhlakama Friedensvereinbarungen, die ein demokratisches System und freie Wahlen vorsehen. 1992, Dez. Vereinte Nationen senden Friedenstruppe nach Mosambik, um den Waffenstillstand zu überwachen und freie Wahlen zu ermöglichen. 1993, Jan. Das Römische Friedensabkommen hat die Resistencia Natcional Mocambicana ( RENAMO) politisch aufgewertet und sie als Partei legalisiert. 1993 Juni Oktober 1994 wird als neuer Wahltermin bekanntgegeben. 1993, Okt.Der Besuch von UN–Generalsekretär Boutros Ghali bringt wieder Bewegung in den Friedensprozess. 1994, Aug. Ein deutsches Unternehmen baut in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo einen Kurzwellensender auf, den die Bundesregierung der Oppositionsbewegung RENAMO geschenkt hat. Er soll noch vor den Wahlen Ende Oktober betriebsbereit sein und 90 % der Bevölkerung erreichen, weit mehr als der staatliche Rundfunk. Das sollte die RENAMO, die bis zum Oktober 1992 die Regierung in Maputo in einem 15 Jahre währenden Bürgerkrieg bekämpft hatte, an den Friedensprozess binden und zur Meinungsvielfalt beitragen. 1994, Aug. RENAMO löst sich als militärische Bewegung auf. RENAMO–Präsident Dhlakama legt seine militärischen Ämter nieder. Gleichzeitig hat Staatspräsident Chissano den Oberbefehl über die Armee niedergelegt. 1994, Okt. Erste Parlaments– und Präsidentschaftswahlen bei denen die FRELIMO 44,3% und die RENAMO 37,8% der Stimmen erhielt. Staatspräsident Joaquin Chissano konnte mit 53,3% der Stimmen gegen den Kandidaten der RENAMO, Alfonso Dhlakama 33,7% gewinnen. 1994, 9. Dez. Chissano wird als Staatspräsident vereidigt. Er kündigt eine Versöhnungspolitik an, und erklärt sich bereit Dhlakama (RENAMO) an der Macht zu beteiligen. 1995, Sept. Nach einem Bericht einer Menschenrechtsorganisation sind im Land etwa zwei Millionen Landminen vergraben. Mehr als 10.000 Personen starben bei Explosionen. Die Zahl der Opfer könnte in der nächsten Zeit deutlich steigen, denn Millionen Flüchtlinge aus Nachbarländern und die Vertrieben aus den Städte sind aufs Land zurückgekehrt. Das Auswärtige Amt in Bonn hat aus humanitären Mitteln die Entsendung von Minenfräsen nach Mosambik finanziert. 1995, 12. Nov. Mosambik wird als erstes nichtanglophones Land in den Commonwealth aufgenommen. 1996, 6. Mai Durch die Initiative von Mosambik wird die Gemeinschaft der portugiesischsprachigen Länder (CPLP) gegründet. 1996, Juni Deutschland sagt dem überschuldeten Land weitere finanzielle und technische Hilfe in der Größenordnung von 43 Millionen Mark zu. Mosambik ist derzeit nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen. Ende 1995 betrug der Schuldenstand 5,5 Milliarden Dollar, 362 Prozent des Bruttosozialprodukts. 1996, Sept. Der Cabora-Bassa–Damm staut im Norden von Mosambik den Sambesi und speist das größte Wasserwerk in Afrika. Es sichert die Stromversorgung von Mosambik und Simbabwe. Das 2000-Megawatt-Wasserkraftwerk wurde in der gesamten Zeit vorbildlich erhalten. Die derzeit von den Rebellen gesprengten Leitungsmasten werden wieder aufgestellt. Ab 1997 soll Strom an den südafrikanischen Stromversorger Eskom geliefert werden. Der Export von Strom wird jährlich 700 Millionen DM Devisen bringen. 1998, Jan. Mosambik gehört zu den höchst verschuldeten Ländern der Welt. Das Haushaltsdefizit beträgt etwa 20% des Bruttosozialprodukts. Somit ist die Regierung für ihre Ausgaben weiterhin auf Zuschüsse und Kredite aus dem Ausland angewiesen. 1998, 21. Jan Der Pariser Club der Gläubiger beschließt 80% der Schulden Mosambiks - etwa 5,5 Mrd.$ - abzuschreiben. Nach diesem Schuldenerlaß liegen die gesamtem Auslandsschulden bei etwa 1,5 Mrd.$ 1998, Febr. Wirtschaftlicher Aufschwung in Mosambik. Ein positives Zeugnis erhält das Land von der Weltbank. Im Jahre 1997 wurde die Inflationsrate von 16,4% zu Jahresbeginn auf 5,8% reduziert. Das Wirtschaftswachstum erreichte rund 7%, für 1998 geht man von 10% aus. Doch selbst bei einem Wirtschaftswachstum von 10% über zehn Jahre wäre Mosambik im Jahre 2008 noch nicht einmal auf dem Entwicklungsstand Ugandas (derzeit 240 $ Pro-Kopf-Jahreseinkommen) 1998, 6. Juli Präsident Mandela und Mosambiks Präsident Chissano geben den offiziellen Startschuß zum Bau der 440 km langen Autobahn zwischen der südafrikanischen Industriestadt Witbank und der mosambikanischen Hafenstadt Maputo. 1999, 3. - 7. Mai Die Staatengemeinschaft beschließt auf einer Konferenz in Maputo weitere Schritte, um die Ächtung von Minen durchzusetzen, die im Rahmen der Ottawa–Konvention vereinbart worden war. Sie ist am 1. März in Kraft getreten und wurde von fast 140 Ländern unterzeichnet. 1999, 11. Mai RENAMO fordert Privatisierung Das Parlament diskutiert die Rückgabe des Eigentums sozialer Einrichtungen und religiöser Orden, das 1975 kurz nach der Unabhängigkeit verstaatlicht wurde. 1999, 11. Juni Mosambik und Frankreich unterzeichnen zwei Hilfsabkommen, in denen Paris 2,15 Millionen $ für das Gesundheitswesen und die Entwicklung der Städte zu Verfügung stellt. 1999, 14. Juni Die Regierungspartei FRELIMO hat Präsident Chissano erneut als ihren Kandidaten für die im Herbst stattfindenden Präsidentenwahlen ernannt. 1999, 26 / 29. Juli Die Oppositionspartei RENAMO hält ihren ersten Parteikongress. 1999, 17. Aug. Gipfelkonferenz der Südafrikanischen Gemeinschaft in Maputo: Diskussionen zu Kriegen in den Nachbarländern stehen oben auf der Tagesordnung. 1999, 26. Aug. Über 1,4 Millionen Einwohner haben sich bisher ins Wahlregister eintragen lassen (etwa 50% der möglichen Wähler). 1999, 9. Okt. Menschenrechtsorganisationen warnen: Korruption wird in Mosambik immer stärker. Das Recht des Einzelnen auf eine faire Gerichtsverhandlung ist nicht mehr gewährleistet. 1999, 26. Okt. Drei Kandidaten stellen sich zur Präsidentenwahl: Joachim Chissano, der jetzige Präsident und Führer der FRELIMO, Alfonso Dhlakama, der Führer der RENAMO und Yacub Sibindy, Führer der Unabhängigkeitspartei. 1999, 23. Nov. Weltbank gibt einen Kredit von 100 Millionen $ als Finanzierungshilfe zur Wiederherstellung der Eisenbahn zwischen dem Hafen von Beira und den Kohleminen von Matize in Malawi. 1999, 3. Dez. 7,1 Millionen Wähler nehmen an den Wahlen teil, nach ersten Meldungen lag die FRELIMO in den meisten Distrikten vorn. Wahlbeobachter haben die Wahl als relativ fair und frei bezeichnet. In seinem Heimat-Distrikt erreichte Dhlakama (RENAMO) einen ungefährdeten Sieg. 2000, 01. Jan Renamo zweifelt das Wahlergebnis an. Der Sieg von Präsident Chissano wird vom obersten Gericht in Mosambik bestätigt. 2000, 23. Febr. Schwere Wirbelstürme über Mosambik. Hunderttausende Menschen obdachlos durch hohe Flutwellen im Süden und im Zentrum des Landes. 2000, 29. Febr. Große Teile des Landes von der Umwelt abgeschnitten. Südafrikanische Hubschrauber retten Menschen von Dächern und aus Baumkronen. Nur wenig Hilfe aus Europa. 2000, 03. März Europäische Länder (u.a. Deutschland) und USA sagen Hilfe zu. Tausende Menschen warten noch auf Hilfe. 2000, 04. März Hubschrauber aus Deutschland werden in Großraumflugzeugen nach Mosambik gebracht. Bundeswehr in Beira im Einsatz. 2000, 05. März Flut und Schlamm haben das Schienennetz der Bahn in Mosambik lahmgelegt. Täglich hohe Finanzausfälle. 2000, 06. März Minen aus dem Bürgerkrieg sind durch die Flut hochgeschwemmt worden. Ein Großteil der Minenräumarbeit der letzten Jahre ist zunichte gemacht. 2000, 07. März Bisher Hilfe in Höhe von 40 Millionen DM international für Mosambik zugesagt. 2000, 09. März Neue starke Regenfälle behindern die humanitären Hilfsaktionen. Berichte von einer Gruppe von 20000 Menschen, die ohne Versorgung in einem abgelegenen Gebiet umherirren. 2000, 28. März Die Fluten gehen zurück. Die internationalen Medien haben das Land verlassen. Auch deutsche Hubschrauber werden abgezogen. 2000, 07. April 699 Menschen sind in der Flutkatastrophe umgekommen, 95 noch vermisst. Die Infrastruktur ist schwer beschädigt. 2000, 29. April Die Vorräte an Nothilfe für die Flutopfer in Süd- und Zentralmosambik reichen nach Angaben des WFP noch bis Juni. Wegen fehlender Finanzen werden keine Flüge in die Gebiete mehr durchgeführt. 2000, 04. Mai 450 Millionen Dollar sind nach Angaben der UN und Mosambiks nötig zum Wiederaufbau Mosambiks. Besonders die Infrastruktur, Landwirtschaft, Gesundheitsprogramme und Schulbildung brauchen finanzielle Hilfe. 2000, 16. Mai Mit Hilfe einer amerikanischen Firma und der Unterstützung der amerikanischen Regierung soll da Programm der Minensäuberung stärker vorangetrieben werden. 2000, 01. Juni FAO und das Welternährungsprogramm melden, 60000 Tonnen Lebensmittelhilfe seien nötig für die 650000 Menschen, die von der Flut betroffen waren. 2000, 25. Juni In den von der Flutkathastrophe betroffenen Gebieten sollen die Menschen in neuen, sicheren Dörfern wieder angesiedelt werden. 2000, 28. Juni Nach Regierungsangaben wird Mosambik in den nächsten sechs Monaten fast eine halbe Million Tonnen Getreide benötigen, um die ausgefallenen Ernten in den Flutgebieten zu ersetzen. 2000, 18.Juli Die Gemeinschaft der Portugiesisch-sprechenden Länder beendet ihre zweitätige Konferenz in Maputo mit dem Ziel einer verstärkten Zusammenarbeit in der Entwicklung sowie bei der Bekämpfung der Armut. 2000, 28. Juli Als Starthilfe für die Landwirtschaft in den von der Flut betroffenen gebieten gibt Italien 4 Mio. Dollar. 2000, 02. Aug. Fast alle 450000 vom Hochwasser vertriebenen Personen sind wieder angesiedelt worden. 2000, 03. Aug. Trotz des Rückschlages durch die Flutkatastrophe erwartet Mosambik ein Wirtschaftswachstum von mehr als 7%. 2000, 18. Aug. Mosambik beschuldigt südafrikanische Minen, Arbeiter zu entlassen, weil sie HIV-infiziert sind. 2000, 28. Aug. Ein sechstägiges Treffen von Bischöfen und Religiösen aus Amerika und Afrika fand in Maputo statt. Dabei stand besonders das Thema "Frieden" und "Bekämpfung von Krieg" im Vordergrund. 2000, 31. Aug. Immer noch sind 172000 Menschen von Lebensmittelhilfe abhängig. Das Welternährungsprogramm wird seine Arbeit bis März nächsten Jahres fortsetzen. 2000, 21. Sept. Eine Aluminiumschmelze wurde bei Maputo offiziell eröffnet. Das riesige Werk ist die größte private Investition, die es je in Mosambik gegeben hat. Das Werk wurde in der Rekordzeit von 25. Monaten geplant und gebaut. 2000, 25. Sept. 100 000 Familien erhalten nach den Überschwemmungen im Februar/März Saatgut und Arbeitsgerät für einen Neuanfang. 2000, 10. Okt. Eine Anzahl Waffen und militärische Ausrüstung wurden beschlagnahmt bei Razzien auf sechs Häuser der RENAMO. Die FAO warnt in einer Studie den IMF vor einer Liberalisierung der Zuckerindustrie Mosambiks. Die Zuckerindustrie müsse noch vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden. 2000, 30. Okt. Ein Abkommen zur Schürfung von Schwermetallen ist zwischen der Regierung und der Firma Corridor Sands getroffen worden. Das Projekt beläuft sich auf eine Milliarde Dollar und soll 2002 beginnen. 2000, 02. Nov. Bewohner in der Nähe der Flüsse finden es schwierig, mit der Feldbestellung zu beginnen, weil das Land immer noch mit Wasser vollgesogen ist. 2000, 09. Nov. Demonstrationen für RENAMO führte in mehreren Orten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, die diese Demonstrationen für illegal hält, dabei gab es wenigstens zehn Tote. 2000, 19. Nov. Neun Menschen sind in erneuten Überschwemmungen ums Leben gekommen. 2000, 22. Nov. Carlos Alberto Cardoso, Herausgeber eines unabhängigen Nachrichtenblattes ist in Maputo ermordet worden. Auch ein zweiter Journalist war von Unbekannte angegriffen worden. 2000, 22. Nov. 83 Gefängnisinsassen (meist Anhänger der RENAMO) sind auf mystriöse Weise im Gefängnis von Montepues zu Tode gekommen. 2000, 29. Nov. Hunderte Trauernde legten Kränze an der Stelle nieder, an der in der vergangenen Woche Carlos Alberto Cardoso ermordet worden war. 2000, 05. Dez. Jaime Goncalves, Erzbischof von Beira, weist die Anschuldigungen eines FRELIMO Parteisekretärs zurück, in zwei Predigten zur politischen Teilung des Landes aufgerufen und vor neuem Bürgerkrieg gewarnt zu haben. 2000, 05. Dez. "Betet für den Frieden", ein Hirtenwort der Bischöfe zu den Unruhen in Montepues verurteilt die Kämpfe, bei denen mehr als 80 Menschen den Tod fanden, und ruft die Christen auf, für den Frieden zu beten. 2000, 12. Dez. Mosambiks Präsident vermutet, die Tötung von Carlos Cardoso sei ein Auftragsmord gewesen. 2000, 14. Dez. Das Internet ist auch in Mosambik weiter auf dem Vormarsch. Bisher hat einer von 2000 Einwohnern in Mosambik Zugang zu elektonischen Medien. 2000, 20. Dez. Die Oppositionspartei RENAMO erkennt die Regierung von Präsident Joaquim Chissano als rechtmäßig an. 2000, 21. Dez. Einen Kredit von über 12 Mio Dollar gewährte der Afrikanische Entwicklungs Fond für Gesundheitsfürsorgeprojekte in Mosambik. |