Nigeria: Ereignisse und Entwicklungen 1990-20001989 - 1993 Übergangsprogramm (Rückkehr zur Zivilregierung). 1993, 12. Juni Annullierung der Präsidentschaftswahl durch die Militärregierung. Übergang zur Demokratie gescheitert. 1993, 26. Aug. Babangida tritt zurück und ernennt den Zivilisten Ernest Shonekan als seinen Nachfolger. 1993, 17. Nov. Shonekan wird durch einen erneuten Staatsstreich gestürzt und das Militär unter General Sani Abacha übernimmt die Macht. 1993 - 1998 Das Regime treibt das Verbrechen einer militärischen Diktatur auf die Spitze. Die Menschenrechte sind ernsthaft bedroht. Jeder, der als eine mögliche Bedrohung erscheint, wird eliminiert. 1994, 23. Juni Verhaftung Abiolas. 1995, Febr./März Verhaftung von Militärs, darunter der Ex-Staatschef Obasanjo. 10. Nov. Hinrichtung des Bürgerrechtlers Ken Saro – Wiwa und acht weitere Ogoni. 1997, 09.Jan Serie von Bombenanschlägen auf Militär- und Regierungseinrichtungen. 1995, 18. Nov. Militärherrscher Abacha entläßt Kabinett, die Wahlvorbereitungen beginnen. 1995, 12. Dez. Der 54 Jahre alte Regierungsgegner Generalmajor Yar´Adua stirbt in politischer Haft 1995, 23 .Dez. Mysteriöse Umsturzverschwörung; Abachas Stellvertreter Diya als Rädelsführer verhaftet. 1998, 20. Jan. Streit ums "Schwarze Gold" im Niger-Delta. Kriminalität und ethnische Spannungen nehmen zu. Ausländische Erdölkonzerne sind dabei zum bevorzugten Ziel unzufriedener Einheimischer geworden. Tieferer Grund der Krise liegt darin, daß die Bewohner des Deltas kaum Anteil am Erlös des Erdöls haben. 1998, 16. Febr. Absetzung des Militärregimes in Sierra Leone durch eine nigerianische Militärintervention. 1998, 21.-23. März Papst Johannes Paul II. besucht Nigeria. "Der Papst, die letzte Hoffnung", so lautet die Schlagzeile einer der meistgelesenen Tageszeitungen Nigerias anläßlich der Ankunft von Johannes Paul II. Der Papst enttäuscht die Erwartungen der Nigerianer nicht. Bereits bei seiner ersten Ansprache macht er seine Sorge um das Schicksal des Landes, das seit vielen Jahren eine schwere politische, wirtschaftliche und vor allem moralische Krise erleben muß, deutlich. 1998, 27. Apr. Die geringe Beteiligung bei der Parlamentswahl ein Beweis, daß Widerstand und Unzufriedenheit jetzt ethnische und religiöse Grenzen überschritten haben. 1998, 29. Apr. Todesurteile gegen Verschwörer. Das Militärgericht verurteilt sechs Personen wegen Hochverrats zum Tod. 1998, 08. Juni General Abacha erliegt einem Herzinfarkt, Amtsnachfolge durch General Abubakar. 1998, 16.Juni Beginn der Freilassung der politischen Häftlinge. Unter den Freigelassenen sind der Ex-Staatschef Obasanjo, die bekannte Journalistin Anyanwu, der Bürgerrechtler Ransome-Kuti und Gewerkschaftler. Nicht freigelassen wird der im Jahre 1993 zum Präsidenten gewählte Abiola. 1998, 08. Juli Tod des Oppositionsführers Abiola kurz vor geplanter Haftentlassung. 1998, 09. Juli Der Tod Abiolas löst eine Welle von gewaltsamen Zusammenstöße mit der Polizei aus. Mindestens 60 Tote bei Unruhen in Lagos. 1998, 20. Juli Verkündung der Rückkehr zur Zivilherrschaft für den 30.Mai 1999 1998, 27. Juli Ermutigende Signale des neun Staatschefs Abubakar, repressive Dekrete aus der Herrschaft Sani Abachas werden annulliert, eine unabhängige Wahlkommission wird eingesetzt und mit wirtschaftspolitischen Entscheiden unterstreicht er seinen Willen, das Land wieder in 0rdnung zu bringen. 1998, Okt. Proteste militanter Aktivisten in Erdölfördergebieten führen zu einem Exporteinbruch. Die Proteste sind Ausdruck lokaler Konflikte, die sich nicht um die Erdölproduktion drehen, sondern um die Verteilung der anfallender Gelder und um die politische Macht. 1998, 20 Okt. Schlimmstes Unglück in der Erdölgeschichte Nigerias, 600 Menschen starben den Feuertod. 1998, 05. Nov. Der ehemalige nigerianische Präsident Obasanjo kandidiert erneut für das Amt des Präsidenten. 1998, 05. Dez. Kommunalwahlen als Gradmesser für die Popularität der Parteien. Regional ausgewogenes Wahlverhalten. Die demokratische Volkspartei (PDP People´s Democratic Party) des früheren Präsidenten Obasanjo ist Sieger der Wahlen mit 46, 3%; APP(All People´s Party) 35,3 %; AD (Alliance for Democrcy) 11,2 %. 1999, 09. Jan. Der Demokratisierungsprozeß in Nigeria macht Fortschritte. Gouverneurswahlen in 35 Bundesstaaten: Sieg der PDP in 23, der Ap in 7, der AD in 6 Staaten. 1999, 20. Febr. PDP gewinnt die ersten freien Parlamentswahlen. 1999, 27. Febr. Ex-General Obasanjo Sieger der Präsidentschaftswahlen. 1999, 05. März Begnadigung sämtlicher Putschisten durch die im Mai abtretende Militärjunta. 1999, 29. Mai Amtsantritt von Präsident Obasanjo; Aufhebung der 1995 beschlossenen Suspendierung der Mitgliedschaft im Commonwealth. 1999, 31. Mai Erneut Unruhen im Ölfördergebiet. Zusammenstöße zwischen Angehörige zweier Ethnien fordern mindestens 50 Opfer. 1999, 01. Juni EU hebt Sanktionen gegen Nigeria auf. 1999, 03. Juni Konstituierung des neugewählten Parlaments. 1999, 10. Juni Ausnahmezustand in der Ölregion. Die Regierung reagiert damit auf die abermals ausgebrochenen Feindseligkeiten zwischen drei ethnischen Gruppen, die inzwischen schon mehr als 200 Todesopfer gefordert haben. 1999, Juli Blutige Zusammenstöße zwischen den muslimischen Haussa und christlichen Yoruba im östlich von Lagos gelegenen Bundesstaat Ondo. 1999, 12. Aug. Fünf britische Ölarbeiter entführt. Abzug aller Weißen aus den Fördergebieten gefordert. 1999, 20. Okt. Einführung der Scharia (islamisches Recht) im Bundesstaat Zamfra entzweit die Gesellschaft. 1999, 13. Dez. Einführung der Scharia im Bundesstaat Sokoto. 1999, 17. Dez. Präsident Obasanjo auf Staatsbesuch in Deutschland. 2000, 22. Febr. Andauernde Unruhen im Norden Nigerias. Heftige Straßenschlachten zwischen Muslimen und Christen im Bundesstaat Kaduna forderten über 400 Todesopfer. 2000, 28. Febr. Pogrom im Südosten - Einführung der Scharia suspendiert. 2000, 02. März Verurteilung der religiös motivierten Gewaltexzesse in Kaduna im Norden und in Abia im Südosten durch den Präsidenten. Die Einführung der Scharia in den Staaten Zamfra, Niger und Sokoto wird rückgängig gemacht. 2000, 09. März Der Generalsekretär der Vereinten Nation äußert sich besorgt über das Anhalten religiöser und ethnischer Zusammenstöße im Nigeria. 2000, 23. März Illegales Anzapfen einer Benzinpipeline löst erneut eine Explosion im Südosten des Landes aus, 50 Personen kommen ums Leben. 2000, 24. März Erstmals seit Einführung der Scharia ist im nordnigerianischen Bundesstaat Zamfra einem Mann wegen Diebstahls die Hand amputiert worden. 2000, 25. April Weltbank stimmt gegen den Schuldenerlaß für Nigeria. 2000, 21. Juni Einführung der Scharia im Bundesstaat Kano löst erneut Unruhen aus. 2000, 28. Juni Wochenlanger Streik im öffentlichen Dienst. 2000, 03. Juli Unruhen in Lagos, Arbeiter fordern höheren Mindestlohn. 2000, 03. Juli Erster Besuch Horst Kohlers als neuer Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds in Nigeria. 2000, 10. Juli Heftige Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Bewohner von Warri (Niger Delta Region) . 2000, 21. Juli Zurückerstattung der Abacha-Gelder, Überweisung von 66 Millionen Dollar aus Genf nach Nigeria. Die in der Schweiz blockierten nigerianischen Vermögenswerte belaufen sich insgesamt auf 670 Millionen Dollar. 2000, 24. Aug. Präsident Clintons Besuch stärkt die junge Demokratie des Landes . 2000, 03. Sept. Die Polizei verhindert in Lagos eine Diskussion des Concerned Citizens Committee (CCC) über die Einführung der Sharia in einigen Nordstaaten. Eine Diskussion würde nur Unruhe in der multireligiösen Bevölkerung von Lagos schüren. 2000, 03. Sept. Die Südstaaten sind von Vizepräsident Abubakar aufgefordert worden, das illegale Anzapfen der Ölpipelines durch die Bevölkerung zu beenden, sonst würde die Armee eingesetzt. 2000, 05. Sept. Mehr als 660 Mio. US-Dollar sind auf mehr als einem Dutzend schweizer Banken von der Familie des früheren Diktators Sani Abacha deponiert worden. Mehr als ein Drittel dieser beschlagnahmten Summe kam von Banken aus USA und Großbritannien. 2000, 07. Sept. Nach einem Protest junger Christen gegen die Einführung der Sharia im nördlichen Bundesstaat Gombe, forderten Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen 10 Tote. 2000, 11. Sept. Eine Woche lang werden die katholischen Bischöfe Nigerias in Kaduna beraten. Dabei geht es auch um die Einführung der Scharia in sechs von 19 Bundesstaaten. Bei den Bischöfen herrscht Enttäuschung über die Zentralregierung, die nicht gegen die Einführung vorgegangen ist. 2000, 13. Sept. Royal Dutch Shell muß wegen undichter Pipelines die Produktion von 130000 barrel Öl einstellen. 2000, 18. Sept. Am Ende ihrer Versammlung haben die katholischen Bischöfe Nigerias Präsident Obasanjo aufgefordert, die Verwendung der Scharia zu stoppen. Sie sagen, die schlimmsten Befürchtungen der Christen seien wahr geworden. Trotz der gegenteiligen Versicherung der Behörden, würden die Minderheitenrechte der Christen nicht geachtet. 2000, 19. Sept. Präsident Obasanjo hat die streikenden Arbeiter der Ölindustrie aufgefordert, wieder zur Arbeit zurückzukehren. Auf dem Schwarzmarkt ist der Preis des Benzins um 100 bis 200% über dem Normalpreis. 2000, 24. Sept. Religiöse islamische Würdenträger in Kaduna fordern die Zentralregierung auf, die Verfassung zu ändern und die Scharia auf nationaler Ebene anzuwenden. 2000, 26. Sept. Der Streit um die Seegrenze durch Erdölgebiete zwischen Nigeria und Äquatorial Guinea ist in einem Vertrag zwischen beiden Staaten geregelt worden. 2000, 30. Sept. Im Ölhafen Warri haben Jugendliche 12 nigerianische Ölarbeiter entführt. Sie verlangen 1,5 Mio. Dollar Entschädigung für ölverseuchte Böden nach dem Bruch einer Pipeline 1989. 2000, 09. Okt. 10000 Nigerianer fliehen vor rassistischen Unruhen in Tripolis, Libyen. 4000 sind seit Mitte letzter Woche in Lagos angekommen. 2000, 10. Okt. Gouverneure aus 17 südlichen Staaten Nigerias wollen bei einer Konferenz eine gemeinsame Position in nationalen Fragen bilden. Dabei geht es um die Verteilung der Einnahmen aus der Ölförderung. Erwartet wird auch eine Diskussion der Einführung der Scharia in einigen nördlichen Staaten. 2000, 15. Okt. Kämpfe in Lagos zwischen Nigerianern verschiedener Stammeszugehörigkeit forderten mindestens 30 Tote. Die militante Yoruba-Organisation OPC (Odua People's Congress) begann die Unruhen vor allem gegen Haussa und Fulanis, nachdem sie in deren Wohnvierteln einige Kriminelle verfolgt hatte. 2000, 18. Okt. Polizei und Armee patrouillieren die Straßen von Lagos, nachdem die Unruhen der letzten Tage mindestens 100 Tote gefordert hatten. 20000 Personen sollen in Kasernen und Polizeistationen Zuflucht gesucht haben. 2000, 19. Okt. Die Regierung ordnete die Verhaftung der Führer des POC an. Eine nächtliche Ausgangssperre ist in Lagos verhängt worden. 2000, 23. Okt. Eine öffentliche Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur hat begonnen. 2000, 29. Okt. Neue Unruhen in Lagos. Alle Sicherheitskräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt. 2000, 31. Okt. Christen der Vereinigung Tarayyor Mashihi-hiyawa haben gegen Diskriminierung durch Muslime im Norden protestiert, so sei Christen der Bau von Kirchen und die Beerdigung ihrer Toten verweigert worden. Christen verlangen die ihnen zustehende Gleichberechtigung. 2000, 02. Nov. Präsident Obassanjo berichtet vor dem Untersuchungsausschuß über seine Zeit der Inhaftierung während der Diktatur von General Abacha. 2000, 03. Nov. Eine islamische Miliz von 2000 Mann hat die Regierung des Bundesstaates Zamfara, im Norden Nigerias, aufgestellt. Die Miliz soll die Einhaltung islamischer Gesetze kontrollieren und der Polizei im Kampf gegen Kriminalität helfen. 2000, 04. Nov. 200 Tote gab es bei der Explosion eines Benzintankers im Bundesstaat Osun, im Süden Nigerias. 2000, 09. Nov. Die Scharia wird im Norden immer strenger durchgesetzt. Ab dem 01. Dezember wird es Frauen verboten sein, von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens das Haus zu verlassen. 2000, 15. Nov. Streik der Ärzte soll 2500 Menschen das Leben gekostet. 2000, 16. Nov. Auf Kaution entlassen wurde Frederick Fasheun, der Gründer der militanten Yoruba-Organisation OPC. 2000, 17. Nov. Mindestens 950 Mio. Dollar soll General Abacha durch Londoner Banken auf private Konten in die Schweiz geschleust haben. 2000, 19. Nov. 60 Stockschläge drohen Journalisten, wenn sie Informationen veröffentlichen, die die Scharia schmähen. 2000, 20. Nov. Die amerikanische Ausbildung für die Friedenstruppen Nigerias wurde vom Verteidigungsminister in Frage gestellt. 2000, 26. Nov. Der Bundesstaat Kano führt die Scharia ein. 2000, 27. Nov. Angestellten-Gewerkschaften drohen die Ölförderung lahmzulegen, wenn ihre Gehaltsforderungen nicht erfüllt werden. 2000, 30. Nov. Über 60 Tote forderte der Brand einer Öl-Pipeline in der Nähe von Lagos. 2000, 30. Nov. Die Regierung entschuldigt sich für die ständigen Stromausfälle im Land. 2000, 01. Dez. Der Staat Kebbi (im Nordwesten Nigerias) führt als neunter Staat die Scharia ein. 2000, 05. Dez. Staatsfeinde und Saboteure sind nach Angaben des Ministers Jerra Gana hinter den Zerstörungen von Stromleitungen, Ölpipelines und Kommunikationseinrichtungen. 2000, 10. Dez. 98% der Einwohner des Staates Gombe sind gegen die Einführung der Scharia. Eine Untersuchungskommission betonte die Notwendigkeit eines friedlichen Zusammenlebens von Muslims und Christen. 2000, 13. Dez. Eine Umverteilung nigerianischer Schulden in Höhe von 23,4 Milliarden Dollar auf 20 Jahre beschloss der "Club von Paris". 2000, 14. Dez. Human Rights Watch stellt fest, dass die Menschenrechtsverletzungen in den Ölfödergebieten in der Zeit der neuen Regierung nicht abgenommen haben. 2000, 14. Dez. Generalleutnant Ishaya Bamaiyi (ein Hausa), der ehemalige Armeechef unter Diktator General Sani Abacha, steht mit einigen anderen Offizieren wegen kriminellen Staatsterrorismus unter Anklage. Er beschuldigt Präsident Obasanjo (einen Yoruba) eines Rachefeldzuges. 2000, 19. Dez. 900 Mio. Dollar sollen die Lizenzen zur Ölförderung einbringen, die an 14 internationale Ölfirmen vergeben wurden. |