Nigeria: Ereignisse und Entwicklungen 20012001, 02. Jan. Mit eigenen Tankstellen will die Regierung die Treibstoffknappheit im Land beheben. 2001, 03. Jan. Die katholischen Bischöfe fordern ein Treffen aller religiösen Führer, um die andauernden Spannungen um die Einführung der Scharia zu lösen. 2001, 04. Jan. Eine 17-jährige Frau ist im Staat Zamfara nach der Geburt eines unehelichen Kindes zu 180 Stockschlägen verurteilt worden. Die Strafe soll in 40 Tagen vollzogen werden. 2001, 10. Jan. Die Gouverneure von 17 südlichen Staaten halten eine Konferenz, von der Forderungen für eine größere Autonomie erwartet werden. Auslöser der Forderungen sind die Abschöpfung von Ölgewinnen durch die Zentralregierung und die Verbreitung der Scharia in den nördlichen Staaten. 2001, 12. Jan. Hunderte junger Muslims steckten Kirchen und Getränkeläden in Maiduguri im Bundesstaat Borno in Brand, nachdem sie bei einer Mondfinsternis gebetet hatten und danach außer Kontrolle gerieten. 2001, 12. Jan. Der Direktor des "Centre for Constitutional Governance" Dr. Beko Ransome-Kuti hat die Regierung des Präsidenten Obasanjo als Fehlschlag bezeichnet. Während der ersten 20 Monate seien über 10000 Menschen in Kano, Shagamu, Kaduna, Aba Owerri, Lagos, Minna, Zaria und Ibadan umgekommen, wo ethnische Auseinandersetzungen vorherrschten. 2001, 14. Jan. Auf "nur" 100 statt der 180 Peitschenhiebe ist die Strafe gegen eine 17-jährige Frau herabgesetzt worden (siehe 04. Jan.) nach internationalen Protesten. 2001, 19. Jan. Trotz aller Proteste von der Zentralregierung und von ausländischer Organisationen und Regierungen wurde im Staat Zamfara die Strafe von 100 Peitschenhieben an der 17-jährigen Frau vollzogen. 2001, 23. Jan. Der Rat der Oulémas Muslime in Kano hat die örtlichen und internationalen Menschenrechtsorganisationen vorgeladen und aufgefordert, diesen Staat im Norden Nigerias zu verlassen. 2001, 24. Jan. Sein gesamtes Kabinett hat Präsident Obasanjo vor einer Regierungsumbildung entlassen. 2001, 25. Jan Im Gegensatz zu anderen Ländern Europas zeigt sich Großbritannien sehr unkooperativ bei der Suche nach 4 Milliarden Dollar aus öffentlichen Mitteln, die von der Regierung Abacha veruntreut worden waren und die zumeist auf britischen Konten liegen. 2001, 01. Feb. Ein Friedensabkommen wurde zwischen streitenden Familienclans im Ogoniland unterzeichnet. 2001, 01. Feb. Der anglikanische Erzbischof George Carey von Canterbury äußerte sich in Zamfara besorgt über die Mißachtung der Rechte der Christen unter dem Gesetz der Scharia. Viele Christen verlassen den Staat Zamfara, weil sie nicht mehr Kirchen bauen und Religionsunterricht in Schulen geben dürfen. 2001, 02. Feb. Mit Streik drohen Transporteure in Lagos, wenn nicht bald die Benzinkrise im Land gelöst wird. 2001, 06. Feb. HIV/AIDS sei der größte Feind, den Christen heute vor allem in Afrika bekämpfen müßten, sagte der anglikanische Erzbischof George Carey. Enthaltsamkeit vor der Ehe und Treue in der Ehe sei der beste Weg, um AIDS zu bekämpfen. 2001, 08. Feb. Neue Informationen erwartet die britische Regierung für die Suche nach 4 Milliarden Dollar auf britischen Bankkonten. Die Gelder sind Teil der von der Regierung Abacha veruntreuten öffentlichen Mittel. 2001, 08. Feb. Der Staat Kaduna hat die Scharia eingeführt, die aber nur in den unteren Gerichten zur Anwendung kommen soll. 2001, 08. Feb. Erstmals ist in Kano ein Christ unter dem Gesetz der Scharia zu 20 Stockhieben verurteilt worden. Bei der Einführung Scharia hatte die Regierung zugesichert, Christen würden nicht danach verurteilt. 2001, 15. Feb. Ein Besuch des libyschen Revolutionsführers Gadaffi in Nigeria ist abgesagt worden. Grund waren unterschiedliche Auffassungen über das Mitbringen persönlicher Waffen und die Länge des Besuches. 2001, 18. Feb. Nigerianische Wissenschaftler helfen bei der Rettung der Casava-Ernte in der Republik Kongo. Schädliche grüne Milben sollen durch eingeflogene natürliche Feinde (nigerianische Milben) bekämpft werden. 2001, 22. Feb. Der Großteil der zentralen Elektrizitätsversorgung des Landes ist zusammengebrochen und konnte erst wieder nach und nach in Betrieb gehen, nachdem die Lieferung von Gas für die Elektrizitätswerke wieder aufgenommen wurde. 2001, 05. März 27 von 165 Mädchen sterben in einem brennenden Schlafsaal ihres Internats in Bwal-Bwang-Girindi 60 km von Jos (Plateau). Sie waren von außen eingesperrt worden, damit sie nicht die Jungen des Internats treffen. Einwohner des Dorfes hatten die Mauern des brennenden Gebäudes eingebrochen um die Mädchen zu retten. 2001, 11. März Die katholische Bischofskonferenz verurteilen die Untätigkeit der Regierung gegenüber der Korruption. Der fallende Lebensstandard wird beklagt. Die verbreitete Einführung der Scharia nennen sie höchst unverantwortlich und unannehmbar. Die Regierung hat sich bei dem Thema "Scharia" bisher sehr bedeckt gehalten. 2001, 14. März Maßnahmen gegen den Schwarzmarkt sollen die schlimmste Energiekrise seit Jahren bekämpfen. 2001, 15. März Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Landwirtschaft, Verteidigung und Polizei sowie der Technologie Kunst und Kultur wurde zwischen Nigeria und Südafrika beschlossen. 2001, 21. März Die Gewerkschaften drohen Nigeria unregierbar zu machen wenn der Präsident mit seinen Plänen über eine Deregulierung der Treibstoffversorgung fortfährt. 2001, 23. März Im Kampf gegen die Ausdehnung der Wüste im Norden des Landes, will die Regierung in den nächsten 5 - 10 Jahren verstärkte Anstrengungen unternehmen. 2001, 28. März Gouverneure der von 17 südlichen Staaten fordern eine Verfassungsänderung. Sie wollen mehr Mitsprache, eine eigenen Polizei und faire Verteilung des nationalen Einkommens. 2001, 29. März Die katholische Kirche will sich an dem gerichtlichen Kampf gegen die Sharia beteiligen. Erzbischof John Onaiyekan von Abuja nannte die Einführung in Nigeria - auch nur in einigen Teilen des Landes - rechtswidrig. 2001, 03. April 26 Gouverneure wollen die Zentralregierung verklagen. Sie wollen 45% des nationalen Einkommens für die Einzelstaaten, statt bisher 24%. 2001, 09. April Der oberste Gerichtshof soll heute entscheiden, wie der Gewinn aus der Ölförderung zu verteilen ist. 2001, 10. April Der frühere Militärdiktator Ibrahim Babangida gründet eine neue Partei und scheint an ein politisches Comeback zu denken. 2001, 11. April Der Erzbischof von Lagos Anthony Olobunmi Okogie sagt, weil die Politiker einen zu aufwendigen Lebensstil pflegen, sind ihre Aufrufe gegen Korruption und öffentliche Verschwendung nichts als nur leere Worthülsen. 2001, 17. April Eine Öl-Raffinerie im Nigerdelta wurde von 12000 Jugendlichen angegriffen und verwüstet. Die Jugendlichen protestierten gegen die Weigerung der Ölfirmen, die Vereinbarungen über die Anstellung von örtlichen Arbeitskräften durchzuführen. 2001, 24. April Mehr als die Hälfte der afrikanischen Staatschefs beraten auf einer Konferenz in Abuja (Nigeria) über die AIDS-Epidemie, die ganz Afrika bedroht. Als Ehrengast nimmt der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton teil. Der UN-Generalsekretär Kofi Annan schlägt einen internationalen Fonds vor, aus dem jährlich sieben bis zehn Milliarden US-Dollar fließen müßten, um wirksam gegen AIDS zu kämpfen. Afrikas Staatschefs weisen den Vorschlag Annans zurück, jährlich 15% des Staatshaushaltes für die Bekämpfung von Aids einzusetzen. 2001, 01. Mai Der in Deutschland für den VfL Wolfsburg spielende Profifußballer Jonathan Akpoborie ist Miteigentümer des Schiffes "MS Etireno", nach dem seit Wochen gefahndet worden ist. Es besteht der Verdacht, dass sich an Bord Kinder aufhalten, die als sogenannte "Kindersklaven" in den Ländern Elfenbeinküste, Gabun, Kamerun und Nigeria zur Arbeit eingesetzt werden. Jonathan Akpobori ist von seinem Verein aus dem Spielbetrieb genommen worden und soll die Vorwürfe klären. Akpobori hat die Verdächtigungen zurückgewiesen, in in irgendeiner Weise verwickelt zu sein. 2001, 02. Mai Shell fliegt Experten nach Ogoniland um einen Öl-Ausbruch einzudämmen, der Landwirtschaft und Ortschaften bedroht. 2001, 06. Mai Ingenieure von Shell haben den Öl-Ausbruch einer Quelle repariert. An der Bohrstelle seien Rohre durchgesägt gewesen und Schrauben und Muttern entfernt worden. 2001, 08. Mai Abachas Familie will sich mit allen legalen Mitteln gegen eine Untersuchung ihrer Konten in Großbritannien zur Wehr setzen. Der britische Innenminister Jack Straw hatte bekannt gegeben, dass die Regierung mit Nigeria zusammenarbeiten würde um unterschlagene Gelder nach Nigeria zurückzuführen. 2001, 10. Mai Präsident Obasanjo ist in den USA um neue Beziehungen mit Präsident Bush aufzubauen. Die USA haben großes Interesse an der Ölindustrie Nigerias. 2001, 15. Mai Nigeria erkennt bestimmte Auslandsschulden über 240 Mio. Dollar nicht an. Einige Gläubiger hätten keine ausreichenden Dokumente, u. a. wurde der Anspruch Brasiliens über 90 Mio. Dollar zurückgewiesen. 2001, 29. Mai Im ersten Fall vor der Anti-Korruptions-Kommission haben drei höhere Beamte sich als "nicht schuldig" bezeichnet. Eine Untersuchung des Managements von Nigerian Airways soll dabei mit Geld zum gewünschten Ergebnis gebracht worden sein. 2001, 30. Mai Um eine neue Verfassung ging es bei einer Tagung traditioneller Häuptlinge. Bisher hat sich Präsident Obasanjo der Forderung der Gouverneure der Südstaaten widersetzt, eine Nationalkonferenz einzuberufen. 2001, 05. Juni Christen protestieren gegen die Einführung der Sharia in Borno am 01. Juni. 2001, 06. Juni Eine Frau, die ein Heim für obdachlose Kinder in einem Vorort von Lagos leitet, ist unter dem Verdacht des Kinderhandels verhaftet worden. Sie war mit 16 Kindern unterwegs. 2001, 06. Juni Nigeria steht oben an auf einer afrikanischen Korruptionsliste. Der Erzbischof von Lagos Anthony Olu Bunni Okogie fordert von der Regierung einen stärkeren Einsatz gegen Korruption. 2001, 06. Juni Die 1500 Kilometer lange Grenze mit Niger wird stärker kontrolliert, nachdem immer wieder Kriminelle die Grenzen überquerten um der polizeilichen Verfolgung im anderen Land zu entgehen. 2001, 08. Juni Die staatlichen Elektrizitätsunternehmen künden an, dass ein Drittel des Landes zwei Wochen lang ohne Strom sein wird. Für die letzten Stromausfälle wurden immer wieder Vandalen verantwortlich gemacht. Präsident Obasanjo hatte vor zwei Jahren die persönliche Kontrolle übernommen. 2001, 14. Juni Massenreisen nach Europa und Amerika planen die Parlamente von mehreren Bundesstaaten ebenso wie eine Gruppe von Politikerfrauen, die zu einer unspezifizierten "Weiterbildung" nach London fahren will. In Ekiti-State ist letztere Angelegenheit vor Gericht. 2001, 19. Juni Ein Schiff mit 186 liberianischen Flüchtlingen, davon 79 Kinder, hat die Erlaubnis erhalten, einen nigerianischen Hafen anzulaufen, damit eine humanitäre Katastrophe verhindert wird. 2001, 23. Juni Zehntausende sind auf der Flucht vor ethnischen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der Volksgruppen der Tiv und der Azara in Zentralnigeria. 2001, 25. Juni Die Menschenrechtskommission zur Untersuchung der Vergehen unter den Militärregiemen kommt zu ihrer letzten Sitzung zusammen. In den nächsten Wochen sollen noch mehr als 100 Fälle gehört werden. Bei Gewalt zwischen Christen und Muslimen im Bundesstaat Bauchi sind Kirchen und Moscheen in Brand gesetz worden. Ursache ist die Einführung der Sharia. 2001, 03. Juli Auch im Delta-Staat sind ethnische Auseinandersetzungen wieder aufgeflammt und haben 10 Menschenleben gefordert. 2001, 05. Juli Die erste Amputation der Hand eines überführten Diebes ist nach dem Gesetz der Sharia in Sokoto-Staat vorgenommen worden. 2001, 07. Juli Die Regierung hat über 90 Mio. Dollar für die Entwicklung einer nationalen Raumfahrtagentur bereitgestellt. 2001, 20. Aug. Die Polizei soll bis zum Jahr 2004 von 140,000 auf 210,000 Beamte erweitert werden. Damit will die Regierung den Tätigkeiten von Vigilante Gruppen entgegenarbeiten. 2001, 21. Aug. Im Ogoni Land gruben Jugendliche Ölpipelines der Firma Shell aus und steckten sie in Brand. Die ökologischen Schäden für die Region sind nicht abzuschätzen. 2001, 01. Sept. General Mohammadu Buhari, ehemaliges Staatsoberhaupt, fordert die Einführung der Sharia im ganzen Land. Die katholischen Bischöfe Westafrikas auf ihrer Vollversammlung fordern die nigerianische Regierung, gegen die Einführung der Sharia im Nordteil des Landes zu anzugehen, bevor es zu einer Eskalation der Spannungen zwischen Christen und Muslime kommt. 2001, 14. Sept. Blutige Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen, die am 7.9. im Norden Nigerias begannen, haben fast 500 Tote und 1000 Verwundete hinterlassen. 2001, 04. Okt. Ein englisches Gericht weist 19 Banken an, 3 Millarden Dollar des ehemaligen Präsident Achaba an Nigeria zurückzuzahlen. 2001, 14. Okt. Schwere anti-amerikanische Demonstrationen im Norden Nigerias hinterlassen 200 Tote. Eine Moschee und zwei Kirchen werden niedergebrannt. Bei Stammesfehden im Osten kommen 23 Soldaten um. 2001, 16. Okt. Erstes Todesurteil under Sharia. Eine Frau in Sokoto wird wegen Ehebruch zur Steinigung verurteilt, der Verführer freigesprochen. 2001, 30. Okt. Nigerianische Truppen richten ein Blutbad in Benui State an, um Stammesfehden zwischen den Tivs and den Jukuns zu beenden. Die Bilanz: 200 Tote und 300,000 Flüchtlinge. 2001, 02. Nov. Neue Konflikte zwischen Christen und Muslimen in Kaduna. 2001, 17. Dez. Gombe wird der 13. Bundesstaat, der die islamische Sharia Gesetzgebung einführt. 2001, 18. Dez. Nigeria startet seine erste eigene Off-shore Erdölproduktion. 2001, 26. Dez. Der nigerianische Justizminister BolaIge wird von unbekannten Tätern ermordet. |