Ruanda: Ereignisse und Entwicklungen 1990-20001990, Sept. 4.000 Tutsi Rebellen fallen von Uganda her in Ruanda ein, Beginn des Bürgerkrieges. Belgische und französische Truppen helfen, den Vormarsch der Rebellen auf Kigali zu stoppen. 1991, 29. März Waffenstillstand. 1991, 10. Juni Mehrparteienverfassung, erneut Kämpfe. 1992 Einmarsch von FPR (Front Patriotique du Rwanda) -Tutsi Streitkräften (die meist vorher Dienst in der ugandischen Armee getan hatten, Besetzung des Nordens). Versuch der Vermittlung zwischen der Hutu Regierung in Kigali und den Tutsi Streitkräften im Norden. 1993, 04. Aug. Friedensabkommen von Arusha soll FPR an der Regierung beteiligen, sie soll auch die gleiche Anzahl Offiziere der Armee stellen. 1994, 06. April Abschuß des Präsidentenflugzeuges. Staatspräsident Habyarimana wird dabei getötet. 1994, 07. April Beginn des Bürgerkrieges und Völkermordes in ganz Ruanda bei dem nach Schätzungen über 500000 Menschen durch Hutu-Milizen, Armee und Präsidentengarde umgebracht wurden. Erste Massenflucht: Die FPR-Truppen rücken auf die Hauptstadt und in den meisten Landesteilen vor. In Folge des Bürgerkrieges flohen bis zu 2 Millionen Einwohner (mehrheitlich Hutus) in die benachbarten Länder Burundi, Tansania, Uganda, und Kongo, dem damaligen Zaire. 1994, 09. Juni Ermordung von drei katholischen Bischöfen durch Tutsi-Soldaten. 1994, 04. Juli Die Hauptstadt Kigali durch die Rebellen eingenommen. 1994, 19. Juli Einsetzung einer neuen Regierung durch die FPR. Pasteur Bizimungu (FPR, ein Hutu) wird Staatspräsident. Der Rebellenführer Paul Kagame wird Vizepräsident und Verteidigungsminister. Premierminister ist F. Twagiramungu. Zweite Massenflucht von bis zu 2 Mio. Hutu nach Kongo und Tansania. 1995 April Gewaltsame Auflösung des Flüchtlingslager Kibeho. 1995, 05. Mai Eine neue Verfassung, basierend auf der Verfassung von 1991, mit Elementen aus dem Arusha Abkommen von 1993 und dem Mehrparteien-Abkommen von 1994. Englisch wird dritte Amtssprache, da viele der zurückkehrenden Tutsi-Flüchtlinge nur Englisch können. 1996 1,3 Millionen Flüchtlinge kamen zurück (davon mehr als die Hälfte aus dem Kongo und etwa ein Drittel aus Tansania.) Mehr als 5500 Rückkehrer werden verhaftet, da sie der Teilnahme am Völkermord beschuldigt werden. Circa 200000 Flüchtlinge im Kongo vermißt. Hutu-Milizen starten von Zaire aus Angriffe auf Ruanda. 1996, Okt. Die neue Armee Ruandas unterstützt die Rebellenbewegung Kabilas in Zaire-Kongo. 1996, 27. Dez. Mehrere Gerichtsverfahren beginnen gegen Ruander, die der Teilnahme am Völkermord beschuldigt werden. 1997 Die neue Armee geht im Norden gegen Hutu-Rebellen und Zivilisten vor. 1998, 14. März Öffentliche Hinrichtungen von 22 für die Teilnahme am Völkermord zum Tode Verurteilten. 1998, 24. Juni Strukturanpassungsabkommen mit dem IWF. 1999, 23. März In jedem ruandischen Dorf soll ein Tribunal eingesetzt werden, das sich, anknüpfend an die traditionelle Rechtsprechung Ruandas, mit kleineren Delikten und Familienkonflikten befassen soll. 1999, 24. März UN Generalsekretär Kofi Annan schlägt eine Untersuchung der Aktionen der Vereinten Nationen vor, die immer wieder beschuldigt werden, 1994 nicht genügend getan zu haben, um die Ermordung von bis zu 500000 Menschen in Ruanda zu verhindern. (Bericht im Guardian, England). 1999 März Human Rights Watch wirft Belgien, Frankreich und USA vor, die vorhandenen Warnungen zum bevorstehenden Völkermord 1994 nicht beachtet zu haben. In einem Bericht von 800 Seiten wird dargelegt, daß die Morde geplant waren. Auch die Vereinten Nationen seien informiert gewesen. 1999, 14. April Bischof Augustin Misago von der Diözese Gikongoro wird verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, am Völkermord 1994 beteiligt gewesen zu sein und sogar persönlich Mordaktionen mitorganisiert zu haben. In zwei Monaten soll die Verhandlung gegen ihn beginnen. In einem offenen Brief vom 09. April hatte der Bischof sich als unschuldig bekannt und gegen die Vorwürfe verteidigt. Der Vatikan sieht durch die Verhaftung die Beziehungen zu Ruanda ernstlich gestört und fordert, dem Bischof alle rechtlichen Möglichkeiten zuzugestehen, seine Unschuld zu beweisen. Solidaritätsbekundungen für den Bischof kamen von den Bischofskonferenzen Tansanias, Burundis und auch aus anderen Ländern. 1999, 25. Mai Eine unabhängige Kommission soll die Vorwürfe der unterlassenen Hilfeleistung der UNO im Völkermord 1994 untersuchen. Mitglieder der Kommission sind der frühere schwedische Premier Ingvar Carlson, der ehemalige südkoreanische Außenminister Han Sung-Joo und der nigerianische General Rufus Modupe Kupolati. 1999, 01. Juni Die Flagge des Landes soll ersetzt werden. Die bisherige rot-gelb-grüne Fahne mit dem schwarzen R in der Mitte und das Nationalemblem mit Hacke und Machete erinnerten zu sehr an den Völkermord von 1994. Auch die Nationalhymne soll geändert werden. Die neue Flagge in den Farben rot-weiß-grün mit einem neuen Emblem in der Mitte soll zur nationalen Versöhnung beitragen. 1999, 10. Juni Die acht an der Übergangsregierung beteiligten Parteien haben das Mandat für die Regierung um fünf Jahre verlängert. Mehr Zeit sei nötig, für den Entwurf einer neuen Konstitution, Wahlen vorzubereiten und somit Versöhnung und Recht auf nationaler Ebene zu fördern. 1999, 07. Juli Bei zwei verschiedenen Gerichtsverfahren in Kibuye werden am 3. Juli 9 Personen zum Tode verurteilt wegen Teilnahme am Völkermord 1994. 16 andere erhalten lebenslänglich. In Rushashi werden am 7. Juli 4 Personen zum Tode verurteilt und 6 erhalten lebenslänglich. 1999, 31. Aug. Vizepräsident Kagame erklärt, eine Vorbedingung für einen Rückzug der ruandischen Truppen aus dem Kongo sei die Entwaffnung der Mitglieder der früheren Ruandischen Armee. 1999, 03. Sept. Der frühere Gesundheitsminister Casimir Bizimungu erklärt sich vor dem Gericht in Arusha für "nicht schuldig". 1999, 17. Sept. Eine Untersuchungskommission der OAU zum Völkermord beendet ihre Arbeit. 1999, 24. Sept. Das Gerichtsverfahren gegen Bischof Misago beginnt am 23.September nachdem es im September und August mehrmals verschoben worden war. Nach nur einem Tag wird es wieder unterbrochen. 1999, 07. Sept. Ruanda plant, MIG-Jets für seine Luftwaffe zu kaufen. Charles Ntakirutinka, ein mit zwei anderen der Korruption beschuldigter Minister, tritt zurück. 1999, 27. Okt. Bischof Misago wird angeklagt, nichts getan zu haben, um 20 Priester und Schwestern zu retten, die in den ersten Stunden der Massaker 1994 umkamen. 1999, 30. Okt. Premierminister Rwingema wird beschuldigt, Gelder aus Hilfen der Weltbank unterschlagen zu haben. 1999, 22. Nov. Carla del Ponte, neue Anklägerin beim internationalen Gerichtshof in Arusha, will die Freilassung von Jean-Bosco Barayagwiza überprüfen. Ruanda hatte vor einigen Wochen seine Zusammenarbeit mit dem Gerichtshof in Arusha wegen der angekündigten Freilassung abgebrochen. 1999, 01. Dez. Bei der Gerichtsverhandlung gegen Bischof Misago ist die Anhörung der Zeugen der Anklage am 25.11. beendet worden. Nun beginnt die Vernehmung der Zeugen der Verteidigung. 1999, 16. Dez. Ein unabhängige Untersuchungskommission stellt eine Mitschuld der UN fest, daß der Ausbruch des Völkermordes nicht verhindert wurde. 1999, 23-24. Dez. Hutu-Rebellen töten über 30 Zivilisten bei einem Angriff auf Mutura. 2000, 06. Jan. Der Parlamentspräsident Joseph Kabuye Sebarenzi tritt zurück. 85% der Parlamentarier hatten seinen Rücktritt gefordert. 2000, 19. Jan. Ein Zeuge der Verteidigung im Prozess Misago gibt an, bedroht worden zu sein. 2000, 22. Jan. Die Regierung veröffentlicht eine neue Liste mit Namen von 2000 Personen, denen Teilnahme am Völkermord vorgeworfen wird. 2000, 26. Jan Der ehemalige Parlamentspräsident Joseph Kabuye Sebarenzi bittet in Uganda um Asyl. 2000, 26. Jan. Bei der 16. Verhandlung der Anklage gegen Bischof Misago berichtet ein Zeuge, der Bischof habe ihm und einem anderen Priester Unterschlupf gewährt. Die Anklage hatte das Gegenteil behauptet. Die Verteidigung beklagt die einseitige Berichterstattung der Medien gegen den Bischof. 2000, 08. Febr. Hundertjahrfeier der Kirche in Ruanda. "Die Kirche hat viel gelitten. Beten wir, daß sie den inneren Frieden und neue Kraft findet, um dieses Jubiläum zu feiern", sagte P. Francois Richard, Generaloberer der Afrikamissionare - Weisse Väter, in Save, Ruanda. 2000, 16. Febr. Ruanda nimmt die Zusammenarbeit mit dem internationalen Gericht in Arusha wieder auf. 2000, 16. Febr. Die Bevölkerung im Kongo wehrt sich immer mehr gegen die Besatzer aus Ruanda. 2000, 02. März Eine kanadische Zeitung berichtet von Dokumenten, die belegen, daß das Flugzeug des Präsidenten Habyarimana 1994 von einer Tutsi-Organisation abgeschossen wurde. Hinter der Organisation sollen der jetzige Vizepräsident Kagame und eine ausländische Regierung gestanden haben. Die Dokumente sind Teil einer UN Dokumentation. 2000, 06. März Dorfgerichte sollen über Verbrechen des Völkermordes verhandeln. 2000, 16. März Die Regierung tut die Berichte der kanadischen Zeitung "National Post" vom 02.03. als "als klassisches revisionistisches Stück" und als "Schmierenkampagne" gegen das Ruandische Volk ab, man vermutet, Hutus im Exil steckten dahinter. 2000, 16. März Erstmalig wird im Prozess gegen Mgr. Misago, dem Bischof von Gikongoro, davon gesprochen, daß er möglicherweise unschuldig sein könnte. 2000, 20. März Ruanda bestreitet Hilfe für UNITA (der Rebellenorganisation in Angola) geleistet zu haben. 2000, 23. März Präsident Bisimungu tritt "aus persönlichen Gründen" zurück, nachdem bei der Regierungsumbildung seine Einwände nicht berücksichtigt wurden. Kagame übernimmt als Vizepräsident die Aufgaben des Staatschefs. 2000, 28. März Die UNO bestätigt die Berichte von der "National Post" vom 02.03. über ein internes Memorandum der UNO, wonach das Attentat auf das Flugzeug des Präsidenten Habyarimana im April 1994 das Werk von Tutsi-Kämpfern (von der Ruandischen Patriotischen Front) und nicht von Hutu-Extremisten war. 2000, 30. März Führer von sieben Parteien drängen Kagame, das Amt des Staatschefs zu übernehmen. 2000, 04. April Prozess gegen Jean-Bosco Barayagwiza wird wieder aufgenommen. 2000, 15. April Paul Kagame in Libyen zu Gesprächen mit Moammar Kadhafi. 2000, 17. April Paul Kagame wird mit großer Mehrheit des Parlaments zum neuen Präsidenten gewählt. Damit ist erstmals ein Mitglied des Minderheitenvolkes des Tutsi an der Spitze des Staates. 2000, 25. April Belgien liefert Augustin Ndindilyimana, den früheren Leiter der Gendarmerie Ruandas, an den internationalen Gerichtshof in Arusha aus. Die Anklage beschuldigt ihn, einer der Anstifter beim Völkermord 1994 zu sein. 2000, 26. April Amnesty International berichtet, sechs Jahre nach dem Völkermord seien immer noch 125000 in den Gefängnissen Ruandas, die der Teilnahme am Völkermord beschuldigt werden. 2000, 02. Mai Emmanuel Habyarimana (Hutu und ehemaliger Offizier der FAR) neuer Verteidigungsminister. 2000, 02. Mai 767 Personen sind 1999 in den Gefängnissen Ruandas gestorben. (Angabe des Innenministeriums). 2000, 03. Mai Bei mehr als 80% der Todesfälle in Ruanda ist AIDS eine der Ursachen. (Angabe des Gesundheitsministeriums.) 2000, 09. Mai Staatsanwälte fordern die Todesstrafe für Bischof Misago. Sie hätten alle Argumente über seine Mittäterschaft bei Planung und Ausführung des Völkermordes vorgelegt. Der Bischof hat während der ganzen Gerichtsverhandlung seine Unschuld beteuert. 2000, 09. Mai Seit dem 05. Mai haben sich Truppen aus Ruanda und Uganda in Kisangani Gefechte geliefert. Es geht um die Kontrolle der Stadt. 2000, 15. Mai Übereinkommen zwischen Präsident Kagame und dem ugandischen Präsidenten Museveni. Beide Länder ziehen ihre Truppen aus Kisangani (Ost-Kongo) zurück. Weitere Zusammenstöße der Truppen sollen vermieden werden. 2000, 15. Mai Ein italienischer Journalist bekennt sich schuldig, über Radio-Television Mille Collines mit zum Völkermord aufgerufen zu haben. 2000, 25. Mai Ruanda und Uganda beginnen mit dem Rückzug ihrer Truppen aus Kisangani (Kongo) bis auf eine Entfernung von 100 km von der Stadt. 2000, 01. Juni Der italienische Journalist Georges Omar Ruggiu wird zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt für seine Teilnahme am Völkermord. 2000, 04. Juni Präsident Kagame trifft in Kenia den Präsidenten L. Kabila von DR Kongo. Es war das erste Treffen seit dem Beginn des jetzigen Kongokrieges am 02. Aug. 1998. Angeregt wurde dieses Treffen vom kenianischen Präsidenten Arap Moi. 2000, 10. Juni P. Isidro Uzcudan, ein spanischer Priester, ist im Büro seiner Pfarrei Mugina von drei Leuten beraubt und erschossen worden. 2000, 14. Juni Die Regierung Ruandas betont, daß ihre Truppen den Kongo nicht verlassen werden, bis ihre Sicherheitsforderungen erfüllt sind. 2000, 15. Juni Mgr. Augustin Misago ist vom Gericht freigesprochen worden. Er war beschuldigt worden, am Völkermord 1994 teilgenommen zu haben. 2000, 15. Juni Der Generalsekretär der UNO fordert Sanktionen gegen Ruanda und Uganda, wenn sie sich nicht - wie vereinbart - aus Kisangani zurückziehen. 2000, 27. Juni Belgische Gerichte beginnen ein Verfahren wegen Völkermord gegen vier Personen aus Ruanda, die nach den Konflikten 1994 nach Belgien geflohen waren. Die Angeklagten sind ein ehemaliger Minister, ein Universitätsprofessor und zwei Nonnen. Die beiden letzteren sollen die Flucht einiger Tutsis vor Hutu-Extremisten verhindert haben. 2000, 02. Juli Präsident Museveni von Uganda und Ruandas Präsident Kagame führten Gespräche, um die gespannten Beziehungen zwischen ihren Ländern zu verbessern. 2000, 08. Juli Eine unabhängige Kommission der OAU verlangt Wiedergutmachungszahlungen für den Völkermord in Ruanda von Belgien, den USA und Frankreich. Die UN, die USA, Frankreich und die katholischen Kirche werden beschuldigt, nichts getan zu haben, den Tod von mehr als 500 000 Opfern zu verhindern. 2000, 10. Juli Präsident Kagame lobt den "guten Bericht der OAU" und will auf der Konferenz der OAU besprechen, wie er zum Vorteil Ruandas genutzt werden kann. 2000, 13. Juli Alte Wunden könnten aufgerissen werden, befürchten manche angesichts der Pläne, eine Zählung aller Opfer des Völkermordes und des Krieges durchzuführen. 2000, 22. Juli Ruanda verlangt die Rückführung von 41 Waisenkindern, die 1994 während des Völkermordes nach Italien ausgeflogen worden waren. 2000, 25. Juli Der ehemalige Premierminister Celestin Rwigema hat in den USA um politisches Asyl gebeten, er werde von der Patriotischen Front Ruandas bedroht. 2000, 02. Aug. Die Regierung wehrt sich gegen Vorwürfe Kabilas, ruandische Truppen hätten in Kongo Giftgas eingesetzt. 2000, 08. Aug. Ruanda wird seine Truppen in Kongo von den bisher gehaltenen Positionen etwa 200 km zurückziehen. 2000, 12. Aug. In den Gefängnissen Ruandas warten fast 4500 Kinder auf einen Prozess. Sie sind beschuldigt, am Völkermord 1994 teilgenommen zu haben. 2000, 14. Aug. Ruanda will mit Hilfe der UN 30000 Kinder zurückführen, die während des Genozids 1994 nach Europa gebracht und dort adoptiert wurden. Adoption im Ausland ohne Zustimmung der Verwandten und der Regierung sei illegal. 2000, 21. Aug. Gespräche auf Regierungsebene zwischen Ruanda und Uganda beschäftigen sich neben anderen Themen auch mit dem Krieg in Kongo. 2000, 30. Aug. Kenianische Offiziere sollen ruandische Soldaten in fortschrittlichen Kampftechniken ausbilden. Ein entsprechendes Abkommen wurde in Mombasa unterzeichnet. 2000, 07. Sept. Der ruandische anglikanische Ex-Bischof Samuel Musabyimana, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Völkermord von 1994, ist aus Südafrika entkommen, weil er wegen eines Irrtums der Polizei nach Kenia ausgewiesen wurde, wo man ihn frei ließ. 2000, 11. Sept. Taschendiebe und Banditen nehmen zu. Laut Polizeiangaben in Kigali, sind es besonders ehemalige Soldaten, die so zu überleben suchen. 2000, 16. Sept. Celestin Kabanda, Präsident der zweitstärksten Partei in der Regierung (MDR = Mouvement Democratique et Républicain) wird in einer Untersuchung der Polizei von 1997 der Beteiligung am Völkermord 1994 beschuldigt. 2000, 17. Sept. Eine stark besuchte Messe in der Kathedrale von Gikongoro markierte die Rückkehr von Bischof Misago. Anwesend waren die Bischöfe Ruandas, der Sicherheitsminister Ruandas und auch der Bürgermeister von Gikongoro. 2000, 18. Sept. In Arusha beginnt der Prozeß gegen Täter aus den "Haßmedien" von 1994: Redakteure von "Radio Mille Collines" und gegen die extremistische Zeitung "Kangura". 2000, 22. Sept. Der Präsident Ugandas weilt zu einem Besuch in Kigali. Ein Hauptpunkt in den Gesprächen mit der Regierung Ruandas wird die Bildung einer gemeinsamen Front der drei Rebellenbewegungen im Osten Kongos sein. 2000, 25. Sept. Große Trockenheit in einigen Gebieten Ruandas bedroht besonders die von der Regierung angelegten neuen Dörfer. Lebensmittelhilfe für 150 000 Menschen ist laut FAO nötig. 2000, 28. Sept. Edouard Kayihura, der Vertreter der Anklage gegen Bischof Misago hat das Land heimlich verlassen, vorher soll er Akten des Prozesses manipuliert haben. 2000, 04. Okt. Die USA haben Ruanda besondere Handelsvorteile gewährt. 2000, 06. Okt. 4,3 Mio. Dollar gibt die USA für ein Programm zur Förderung von Demokratisierung, Rechtswesen und vertrauenswürdiger Regierungsarbeit. 2000, 12. Okt. Ein Bericht der UNO verweist auf die Unfähigkeit der Justiz Ruandas, über 123 000 Gefangene Recht zu sprechen, die seit sechs Jahren im Gefängnis sind. Gegen viele ist nie eine Anklage erhoben worden. Unter ihnen sind 4454 Kinder. 2000, 16. Okt. Mit diesem Datum erscheint die dritte Englisch sprachige Zeitung Ruandas, der "Rwanda Herald". 2000, 19. Okt. Zu Lebenslänglich verurteilt wegen Teilnahme am Völkermord wurde in Den Haag Jean Kambanda, der ehemalige Premierminister Ruandas. 2000, 19. Okt. Eine dreitägige Veranstaltung zur "Nationalen Versöhnung und Einheit" soll die Risse in der Gesellschaft Ruandas überbrücken und Lösungen für Langzeitprobleme finden helfen. 2000, 23. Okt. In Arusha, Tansania, begann der Prozess gegen drei Angeklagte, die in den sogenannten "Hass-Medien" am Völkermord beteiligt gewesen sein sollen. 2000, 26. Okt. Freigesprochen wurden zwei Priester der Diözese Nyundo (Jean Emmanuel Francois Kayiranga und Edouard Nturiye) von der Anklage, am Völkermord beteiligt gewesen zu sein. 2000, 03. Nov. Hungersnot bedroht mehr als 1,2 Mio. Menschen. Premierminister Bernard Makuza sagt, mehr als 7 Mio. Dollar werden benötigt um 22% der Bevölkerung zu helfen, die Opfer einer langen Trockenheit geworden sind. 2000, 04. Nov. Präsident Kagame ist zu einem Besuch Italiens und des Vatikan aufgebrochen. Im Vatikan wird er an den Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr 2000 teilnehmen. 2000, 07. Nov. 84 Gefangene, die am Völkermord 1994 teilgenommen haben sollen, haben in einer Kirche der Präfektur Cyangugu öffentliche Geständnisse abgelegt. Das Justizministerium bietet dadurch den Gefangenen die Möglichkeit, ihre Strafe zu verringern. 2000, 08. Nov. Ruanda fordert 59 Kinder, von denen 41 in Castenedolo, Norditalien, adoptiert worden sind, zurück. Die Forderung wurde erneut von Präsident Kagame in Rom erhoben. Der Botschafter Ruandas in Brüssel drohte mit gerichtlichen Schritten, falls die Kinder, die vom Roten Kreuz während des Bürgerkriegs ausgeflogen worden waren, nicht nach Ruanda zu ihren leiblichen Eltern zurückgegeben würden. 2000, 09. Nov. 1,3 Milliarden Dollar Schulden sollen Ruanda von 20 Staaten und Organisationen erlassen werden. 2000, 13. Nov. "Dumme humanitäre Argumente" gegen die Rückführung der ruandischen Waisenkinder in Italien hat Präsident Kagame kritisiert. 2000, 20. Nov. Ein Staudamm im Ruzizi-Fluß soll Burundi und Ruanda mit Elektrizität versorgen. Ein entsprechendes Abkommen wurde von den Energieministern beider Länder in Kigali unterschrieben. 2000, 23. Nov. Auf seinem Kurzbesuch in Ruanda im Rahmen seiner Afrikareise fliegt der deutsche Außenminister Fischer mit einem Hubschrauber der ruandischen Armee in das Gorilla-Schutzgebiet in den Bergen an der Kongogrenze. Bei dem eineinhalbstündigen Anstieg zum Reservat will er ungezwungen mit Präsident Kagame die Probleme Ruandas besprechen. 2000, 30. Nov. Eine Nationale Kommission soll mit den Nachbarländern Burundi, Tansania und Uganda strittige Ansprüche und Grenzfragen erörtern. 2000. 05. Dez. 400 Kinder, die am Völkermord 1994 teilgenommen hatten, sind nach ihrer Freilassung aus der Untersuchungshaft in Umerziehungslager geschickt worden. 2000, 13. Dez. Auch Tutsi-Offiziere sollen vor dem Gericht der Vereinten Nationen in Arusha wegen Kriegsverbrechen und Racheakten während des Völkermords 1994 angeklagt werden. 2000, 18. Dez. Die Witwe des 1998 ermordeten ehemaligen Ministers Sendashonga beschuldigt als Zeugin vor Gericht in Nairobi die jetzige Regierung Ruandas, hinter dem Mord an ihrem Mann zu stecken. Er habe 1995 die damalige Regierung verlassen, weil die FPR einen "zweiten Völkermord" geplant und sich "in Racheakte verstrickt" habe. 2000, 20. Dez. Erstmals hat sich die Regierung Ruandas bereiterklärt, bei der Untersuchung des Attentates auf Präsident Juvenal Habyarimana (1994) mitzuarbeiten. 2000, 22. Dez. Mehr als 700 Personen, die der Teilnahme am Völkermord 1994 beschuldigt waren, sind freigelassen worden. der überwiegende Teil war zu Tatzeit minderjährig. 4454 Minderjährige waren nach UNO-Angaben 1999 in den Gefängnissen Ruandas. |