Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche in Sambia
1989, MaiPapstbesuch Der Papstbesuch hat in Sambia eine politische Dimension bekommen. Bei seiner Ansprache vor dem diplomatischen Korps in der Hauptstadt Lusaka verurteilt Johannes Paul II. jede Form von Rassendiskriminierung, besonders die Apartheid. Für besondere Beachtung sorgte der Aufruf des Papstes für Namibia: "An alle, die meine Stimme hören, richte ich den Appell, das Namibia, das als letztes Land Afrikas unabhängig werden soll, in die Familie der Nationen aufgenommen wird und die notwendige Hilfe für eine wirtschaftliche, soziale und politische Autonomie erhält". 1990Seit der Unabhängigkeit 1964 wird Sambia von Kenneth Kaunda regiert. Seit 1973 ist es ein Einparteienstaat. Durch die verschlechterte wirtschaftliche Lage der letztem drei Jahre hat sich auch die politische Lage destabilisiert. Der Ruf nach Einführung eines Mehrparteiensystem wird immer lauter. Da im vergangenen Jahr auf Wunsch des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Subventionen für Grundnahrungsmittel gestrichen wurden, sind diese für ein Teil der Bevölkerung unerschwinglich geworden. Immer häufiger kommt es zu Straßenkämpfen. Diese Situation nehmen die Bischöfe zum Anlaß, um in einer pastoralen Erklärung deutliche Kritik am herrschenden Regime zu führen. Die Bischöfe schreiben: "Wir teilen mit der Regierung die Sorge über die Bedrohung des nationalen Friedens und der nationalen Stabilität durch Stammeskonflikte. Doch glauben wir, das in den vergangenen Jahren eine weitaus schwerwiegendere und größere Spaltung verursachende Gefahr aufgekommen ist. das ist die immer größer werdende Kluft zwischen den bevorrechtigten und mächtigen Reichen und den entrechteten und hilflosen Armen. Wir glauben, daß der Mangel an Verantwortlichkeit bei der Arbeit unseres gegenwärtigen politischen Systems zu einer Vergrößerung dieser Kluft geführt hat. Die Art und Weise, in der man von den Armen erwartet die Last der wirtschaftlichen Umstrukturierung zu tragen, wirft Fragen zu demokratischen Verfahren und politischen Systemen auf. Aus der Sicht der Kirche muß in dieser besonderen Zeit der Geschichte Sambias die entscheidende Frage beantwortet werden, welche politische Ordnung am besten in der Lage ist, a) eine Demokratie der Beteiligung und b) eine gerechtere Verteilung von Gütern und Diensten im ganzen Volk zu verwirklichen." 1992, MärzIm Hirtenbrief "Die Zukunft gehört uns" nehmen die Bischöfe Stellung zur wirtschaftlichen und politischen Lage des Landes. Sie betonen, daß nicht die Armen die Last der wirtschaftlichen Umstrukturierung alleine tragen dürfen, der freie Markt müsse vielmehr bemüht sein die Güter des Landes gerecht zu verteilen. 1992, JuniDas südliche Afrika leidet seit mehreren Jahren unter den Folgen einer verheerenden Dürre. Sambia ist vor allem davon betroffen. Die Bischöfe machen das Thema zu einer gemeinsamen Erklärung und versuchen darin die pastorale Dimension von Dürre und Hunger sichtbar zu machen. Sie rufen alle Gläubigen auf, die Katastrophe als Herausforderung an den Glauben zu sehen und mit den Notleidenden zu teilen. Zugleich machen sie Vorschläge für Hilfsaktionen auf verschiedenen Ebenen. 1993, JuliDie Wirtschaftsreformen, die Regierung im Rahmen des Strukturanpassungsprogramms durchführt, haben gravierende Folgen für die Lebensbedingungen der Menschen. Die Bischöfe weisen darauf hin, daß die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderten Anpassungsmaßnahmen zu krasser sozialer Ungerechtigkeit führen. Der Gesellschaft droht eine "wirtschaftliche Apartheid". In ihrem Hirtenbrief "Hört den Schrei der Armen", kritisieren die Bischöfe die liberale Wirtschaftspolitik der Regierung, die soziale Rücksichtnahme vernachlässigt. 1994, OktoberDie Bischöfe veröffentlichen den Hirtenbrief "Ein Aufruf zu Liebe und Sorge", in dem sie Stellung nehmen zu den zahlreichen sozialen und pastoralen Probleme der Familien in Sambia und machen konkrete Vorschläge zu deren Lösung. "........Das Familienleben ist heute mit außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert, was aus dem sozialen Wandel resultiert, in dem Traditionen, die Menschen jahrhundertelang gelenkt haben, zerfallen, während keine entsprechenden neuen Normen aufgetaucht sind. Viele Familien machen derzeit ein noch nie dagewesenes Leid durch, das herrührt von den vielfachen Folgen von Aids und den verheerenden Auswirkungen des Strukturanpassungsprogramms auf die Armen. Unsere Familienpastoral fordert, daß wir für die Ärmsten und Stimmlosen in unserer Gesellschaft eintreten. Sie sind konfrontiert mit der Last steigender Nahrungsmittelpreise und mit Kürzungen bei Arbeitsplätzen, im Gesundheits- und Erziehungsbereich. Die Kirche muß sich auf die Seite der armen Familien stellen, besonders der Frauen und Kinder, um sicherzustellen, daß ihnen nicht ein ungerechter Anteil der Anpassungslast aufgebürdet wird. Die Lasten sollten auch geteilt werden, indem man zum Beispiel das Budget für das Militär verringert und Korruption und Mißwirtschaft ausmerzt". 1995, OktoberIn Sambia sind für den Oktober 1996 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vorgesehen. Ein Jahr vor diesen Wahlen veröffentlichen die christlichen Kirchen des Landes einen gemeinsamen Aufruf an alle Christen. In ihrem Schreiben, "Das Jahr der politischen Verantwortung", appellieren sie an die Gläubigen, sich ihrer politischen Verantwortung bewußt zu werden, die Vorteile der noch jungen Mehrpateiendemokratie zu nutzen und sich in verantwortlicher Weise am politischen Leben zu beteiligen. 1996, OktoberDie Bischöfe veröffentlichen einen Hirtenbrief mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen. Mit ihrem Dokument, "Für den Frieden bauen," richten sie sich an alle Katholiken und alle die den Frieden für ihr Land wünschen. Sie erinnern daran, wie in Sambia nach den letzten Wahlen eine friedliche Übergangszeit auf dem Weg zu einer Mehrparteiendemokratie begonnen habe. Sie fordern die Christen auf, sich über die Wahlprogramme der verschiedenen Kandidaten zu informieren: " Gemäß der Kirchlichen Soziallehre", schreiben die Bischöfe, "sollte jeder Kandidat folgende Eigenschaften haben: Fachkompetenz, Mut zur Wahrheit, Interesse für soziale Gerechtigkeit, Wille zur Arbeit für das Gemeinwohl und nicht zum eigenen finanziellen Vorteil." Weiter schreiben die Bischöfe: "Im Rahmen der Erziehung zur Bürgerpflicht können wir eine aktive Rolle zur Förderung der Werte des Evangeliums als Grundlagen für das politische Leben spielen." 1997, AprilHirtenbrief zum Thema: "Kirche als sorgetragende Familie". Bei ihrer Analyse der gegenwärtigen Situation der Familie in Sambia weisen die Bischöfe auf zahlreiche und komplexe Probleme in Zusammenhang mit traditionellen Bräuchen auf sozialer , sowie auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. 76% der Bevölkerung lebten nahe an der Armutsgrenze. Die Familien treffen auf eine Reihe von Schwierigkeiten was medizinische Versorgung, Erziehungswesen und Arbeitswelt anbelangt; außerdem seien ihr zugrunde liegenden Werte wie Stabilität und Einheit von unverantwortlichem sexuellem Verhalten bedroht. Von vier Millionen Erwachsenen in Sambia seien nach Schätzung rund 15% an Aids erkrankt. Die Bischöfe betonen die Notwendigkeit der verstärkten Aufmerksamkeit gegenüber dem Nächsten, des Sinnes für Solidarität und menschlicher Wärme in den Beziehungen, der gegenseitigen Annahme , des Dialogs und des Vertrauens. Die Kirche in Sambia sei als "sorgetragende Familie" dazu berufen, die "apostolische Sendung des barmherzigen Christus" gegenüber den Armen in der Gesellschaft zu leben und ein Zeichen der Hoffnung zu sein, indem sie Gerechtigkeit und Entwicklung auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens fördere". 1998, AugustIm Blick auf das Jubiläumsjahr 2000 und die Auslandsverschuldung des Landes erheben die christlichen Kirchen die Forderung , die Auslandsschuld zu streichen. In einem gemeinsamen Hirtenbrief, der von Repräsentanten des Christlichen Rates von Sambia, der Evangelikalen Gemeinschaft und der Bischofskonferenz unterzeichnet ist, werden die Gründe dargelegt , warum Sambia die Schuld nicht zahlen kann und nicht zahlen sollte. Die Rückzahlung würde die Entwicklung blockieren und den sozialen Frieden gefährden. Die Gläubigen werden aufgerufen, sich der weltweiten Kampagne Jubiläum 2000 anzuschließen und sich für eine Lösung der Schuldenlast einzusetzen. Auf einem Symposium zur Schuldenkrise am 22. und 23. Oktober in South Orange, USA, erläutert der Erzbischof von Lusaka, Medardo Mazombwe, die Auswirkungen der Auslandsverschuldung auf sein Land. In seinem Referat geht der Bischof auf die pastoralen Konsequenzen dieser Situation ein und macht klar, daß Entwicklung Entschuldung voraussetzt. "Aber das Schuldenproblem ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem. Es ist im Grunde ein ethisches Problem, weil es ein fundamental menschliches Problem ist, und das Wohlergehen von Familien, das Überleben der Armen, die Bande der Gemeinschaft und die Sicherheit der Zukunft berührt". 2001, 29. MaiDie Bischöfe Sambias haben in einer Erklärung auf die Heirat des ehemaligen Erzbischofs von Lusaka Emmanuel Milingo reagiert. Sie schreiben: "Wir, die katholischen Bischöfe in Sambia sind tief betrübt und schmerzlich betroffen von dem Treubruch Erzbischof Milingos und seine Absicht in der Moonsekte zu heiraten. Lange haben wir versucht Bischof Milingo die Hand zu reichen, der aber leider immer unsere regelmäßigen und ehrlichen Ratschläge zurückgewiesen hat. Auch andere in der Kirche, auch der Heilige Vater, haben versucht ihn zur Einsicht zu bringen, aber er hat die Mahnungen nur als eine Form von Verfolgung angesehen. Trotz aller Bemühungen unsererseits und auch von anderen, entschied er sich, seinen Heiratsplan durchzuführen. Dadurch hat er der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Durch diesen Akt hat der ehemalige Erzbischof sich selber aus der Kirche ausgeschlossen. Das bedeutet, er ist nicht mehr Bischof und nicht mehr Mitglied der Kirche. Der frühere Erzbischof hat seine Gelübde verraten, als er die Heirat anstrebte obwohl er noch unter seiner priesterlichen Verpflichtung stand." 2001, 20. JuliIn Vorfeld der geplanten Wahlen nehmen die Bischöfe Stellung zur politischen Situation des Landes und rufen die Gläubigen auf, sich an der Gestaltung des politischen Lebens zu beteiligen. 2003, OktoberIn einem Dokument fordert die Bischofskonferenz von Sambia, dass bei der Überarbeitung der Konstitution die Bezeichnung des Lands als "christliche Nation" aus der Verfassung gestrichen wird. 2004, OktoberAus Anlass des 40. Jahrestages der Unabhängigkeit haben die Bischöfe der drei großen Kirchenverbände in einem gemeinsamen Schreiben die positiven Entwicklungen und die relative Stabilität des Landes hervorgehoben. Sie sehen die wirtschaftlichen Probleme, die wachsende Armut und die Aidsepidemie als eine große Herausforderung für alle. 2005, 24. MärzAn Gründonnerstag haben die sambischen Bischöfe einen Hirtenbrief an die Priester, Ordenleute und Laien gerichtet. Ein nationaler eucharistischer Kongress ist für den 15.-17. Juli 2005 geplant.
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