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Sierra_Leone  > Kirche

 Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche

1994, 20 November:

Gemeinsamer Hirtenbrief der Bischöfe Sierra Leones zum Advent:

Die Bischöfe schreiben u.a.: "Wir sind uns der aktuellen Lage des Landes wohl bewußt. Krieg und Zerstörung haben das gesamte östliche Gebiet und weite Teile der Provinzen im Süden und Norden des Landes in Mitleidenschaft gezogen. Fast jede Stadt und jedes Dorf sind angegriffen worden; einige wurden eingeäschert, andere geplündert und mutwillig zerstört. Die Menschen wurden gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen und bei Verwandten Aufnahme zu suchen oder sich in Lager zu flüchten, wo sie in beklagenswerten Verhältnissen leben. Dort herrschen Krankheit, Leid, Unterernährung und Hunger. Auch unsere Pfarreien und Einrichtungen wurden nicht verschont. In Städten und Dörfern hält die Gewalt weiter an; sie werden noch oft von den sogenannten Rebellen angegriffen. Außerdem kam es zu schrecklichen Akten der Barbarei, zu mutwilligem Morden und Hinschlachten. Viele unschuldige Männer und Frauen, Väter und Mütter, Söhne und Töchter wurden wegen nichts gefoltert und umgebracht. Viele Straßen sind nicht sicher. Bei regelmäßigen Überfällen aus dem Hinterhalt verlieren die Reisenden nicht nur Hab und Gut, sondern oft auch ihr Leben. Oder sie müssen an den vielen Kontrollpunkten schikanöse Durchsuchungen über sich ergehen lassen. Es wird geschätzt, daß über eine Million Menschen vertrieben wurden oder ins Ausland geflüchtet sind.." Die Bischöfe bedauern, daß so viele Einrichtungen der Kirche wegen der unsicheren Lage geschlossen werden mußten. Trotz der gegenwärtigen Schwierigkeiten müsse man glauben und hoffen. So rufen die Bischöfe zur Einheit auf und zum Dialog. Sie fordern Transparenz und Verantwortung. Die Sicherheitskräfte mahnen sie zu Disziplin, Einigkeit und Zurückhaltung. An alle geht die Mahnung zur Umkehr. Die Gläubigen bitten sie, nicht aufzuhören, um Frieden und Gerechtigkeit und um die Rückkehr zur Normalität zu beten. Noch einmal rufen sie zu Vertrauen und Hoffnung auf in Gott, den Herrn der Geschichte. Gott "kann und wird über das Böse siegen."

 

1995, 28. Januar

in einem gemeinsamen Wort des Apostolischen Delegaten und der Bischöfe wird zum Waffenstillstand und zur Freilassung aller Entführten aufgerufen, die seit November 1994 als Geiseln festgehalten werden. Ehrliche Gespräche sollten zwischen Regierung und Aufständischen begonnen werden. Die religiösen Führen seien bereit, den ehrlichen Dialog zu fördern.

 

1998, 01. Mai

Pater Locatelli, Generalvikar der Josephiner, die in Sierra Leone tätig sind, sprach nach der Rückkehr nach Rom davon, daß im Lande auch nach der Wiedereinsetzung des Präsidenten immer noch Anarchie herrsche. Unterdrückung und Gewalt seien selbst dort an der Tagesordnung, wo eine halbwegs legitime Situation wiederhergestellt worden sei. Über 400000 Flüchtlinge leben noch in den Nachbarländern.

Von den Einrichtungen der Missionen stehen oft nur noch Außenmauern, alles andere ist "dem Sturmwind des Konfliktes zum Opfer gefallen". Betroffen davon sind besonders Hospitäler, Schulen und Lehrwerkstätten.

Die Kirche wird das Geschehene reflektieren müssen. Missionskräfte und Ortskirche müssen organisiert zusammenarbeiten, damit die Arbeit auf bestmögliche Art und Weise getan wird.

 

1998, 26. Juni

Der Apostolische Nuntius in Sierra Leone, Bischof Antonio Lucibello, beschreibt den Bürgerkrieg in Sierra Leone in einem Interview mit Fides als "unlogisch", weil RUF und RFC ihren Kampf in der Absicht begonnen hätten, das Volk von der Korruption zu befreien und dabei die Bevölkerung getroffen hätten, die sie befreien wollten; "anormal" weil trotz der Bezeichnung "revolutionär", die sich beide Organisationen geben, keine von ihnen irgendwelche ideologischen Bezugspunkte hätten.