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Südafrika
Republic of South Africa; Republiek van Suid-Afrika
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Geschichte Südafrika in Auszügen

Die ersten Bewohner Südafrikas, die historisch bekannt sind, waren die Buschmänner (San) und die Hottentotten (Khoi), die sogenannten Khoisaniden. Die Buschmänner waren Jäger und die Hottentotten Viehzüchter. Seit dem 16. Jahrhundert flüchten die Buschmänner unter dem Druck der Bantuvölker in die Wüstensteppe der Kalahari, während die Hottentotten in die Kapregion vordringen oder zum Teil auch mit den Eindringlingen aus dem Norden verschmolzen. Die Swasi, Zulu, Pondo und Xosa setzten ihren unaufhaltsamen Vormarsch zum Süden fort. Südafrika war kein unbesetztes Land.

1487

Bartholomeo Diaz entdeckt das Kap der Stürme (Kap der guten Hoffnung).

1498

Vasco da Gama umfährt das Kap der guten Hoffnung und erreicht Indien.

1569

Die Bantu besetzen Südafrika du verdrängen dabei die Hottentotten - Buschmänner.

1652, April

Eine holländische Mannschaft der Ostindienkompanie erleidet Schiffbruch am Kap der guten Hoffnung. Jan van Riebeck richtet eine Proviantstation ein. Die Zurückhaltung der Hottentotten beim Verkauf ihres Viehs und die geringe Leistungsfähigkeit der Soldaten aus Europa veranlassen van Riebeck, holländische Bauern, der Buren, kommen zu lassen, die für die Versorgung der Schiffe Sorge tragen.

1775

Erste Zusammenstöße zwischen den Buren und den Xosa.

1780

Den Buren wird das ihnen zugewiesene Gebiete zu klein und die auferlegten Kompanielasten wollen sie nicht länger tragen. Sie wandern zum Osten nach Graaff Reinet und erobern große Gebiete für Viehzucht und Ackerbau.

1795

Die Engländer treffen am Kap ein.

Proklamation der Unabhängigkeit der Republik Graaff Reinert.

1806

Am Kap setzen sich die Engländer gegen die Holländer durch. Diese begeben sich auf den großen Treck.

1820

In Port Elizabeth treffen 5.000 Engländer ein.

1825

Englisch offizielle Landesprache.

1833

Abschaffung der Sklaverei löst Aufruhr unter den Buren aus.

1836 - 1840

Auswanderung der Buren aus der Kapkolonie nach Norden; Gründung eigener Staaten. (1843 Natal; 1852 Oranje - Freistaat der Republik Oranje;1854 Transvaal).

1843

Die Engländer annektieren die Natal-Provinz.

1852

Transvaal, Südafrikanische Republik und Oranje-Freistaat von England anerkannt.

1883

Vernichtung der Zulu in der Schlacht am "Blood-River".

1884

Bismarck verkündet die Besitzergreifung Südwestafrikas durch das "Deutsche Reich".

1867

Entdeckung der ersten Diamanten in Kimberley.

1886

Entdeckung der Goldfelder am Witwatersrand (Johannesburg).

1899 - 1902

Burenkrieg; Oranje und Transvaal unterworfen.

1910

Gründung der Südafrikanischen Union als Dominium der englischen Krone.

1910 - 1919

Der ehemalige Burengeneral Louis Botha Ministerpräsident der Union.

1912

Gründung des "Afrikanischen Nationalkongresses" (ANC).

1915

General Smuts erobert Deutsch-Südwestafrika.

1919 - 1924

General Smuts nach Tod Bothas Ministerpräsident.

1924

Niederlage der Unionspartei / General Herzog wird Premierminister.

1925

Afrikaans wird zweite Landesprache.

1933 - 1939

Koalitionskabinett Herzog-Smuts.

1939

Herzog tritt zurück.

1939

Smuts beteiligt sich am Krieg gegen Deutschland.

1948

Smuts verliert die Wahlen: Premier wird Nationalparteiführer Malan.

1949

Mischehen verboten.

1950

Gesetze zu Rassenklassifizierung und zur Trennung von Wohngebieten.

1953, Apr.

Malan gewinnt die Wahlen.

1958

Verbot oppositioneller Gruppierungen.

1959

Rassentrennung auch an den Hochschulen.

1960, 21.März

In Sharpeville erschießt die Polizei siebzig Schwarze.

1960, April

Verbot von ANS und PAC.

ANC richtet an seine Anhänger den Appell, die Grundlage für eine neue Südafrikanische Union zu legen.

1961

Im Nationalen Aktionsrat (NAC) trafen sich viele Führer der aufgelösten Parteien, unter ihnen auch Nelson Mandela, den man zum Führer wählte.

1961

Proklamierung der Republik, Ausscheiden aus dem Commonwealth.

Schwarze dürfen sich nicht an der politischen Führung des Landes beteiligen. Beginn der Apartheid, der strikten Trennung von Schwarzen und Weißen, obwohl die eigentliche Apartheid schon 1945 zur politischen Maxime erhoben worden war.

 

Die Apartheidgesetze Südafrikas

 

1913 - Natives Land Act:

Kein Schwarzer darf außerhalb der Reservate Land kaufen.

1923 - Urban Areas Act:

Farbige bekommen bestimmte Gebiete zugewiesen.

1927 - Immorality Act:

Jede sexuelle Beziehung zwischen Schwarz und Weiß wird streng bestraft.

1937 - Natives Law Amendment Act:

Die Gemeinden werden gezwungen, "überschüssige" Arbeiter in die Reservate abzuschieben.

1945 -Natives Urban Areas Consolidation:

Der Aufenthalt von Schwarzen in weißen Stadtgebieten wird verboten.

1949 - Unemployment Insurance Act:

Wanderarbeiter werden von der Arbeitslosenversicherung ausgenommen.

1950 - Group Areas Act:

Zwangsumsiedlungen für "überschüssige" Afrikaner in eigene Wohngebiete (homelands, townships) werden verfügt.

1952 - Native Law Amendment Act:

Verbot für Schwarze, sich länger als 72 Stunden in einem städtischen Gebiet aufzuhalten.

1957 - Bantu Lavis Amendment Act :

Beseitigung der grundsätzlichen Wohnrechte für Schwarze in städtischen und ländlichen Gebieten; Millionen Schwarze in den Status des Wanderarbeiters gezwungen.

1959 - Promotion of Bantu Self-Gouvernement:

Legt die Grundlage zu den Bantustans.

1963 - Verlangt, daß Schwarze nur in "Homelands" leben.

1964 - Bantu Laws Amendment Act:

Jeder Schwarze kann aus einem "weißen Gebiet" ausgewiesen werden, wenn schon zu viele von seiner Gruppe anwesend sind oder er "unerwünscht" ist.

1976 - Internal Security Act:

Inhaftierungen ohne Prozeß bis zu einem Jahr möglich.

 

1963, 01. Mai

Das Parlament nimmt den Gesetzesvorschlag an, der Folter für Häftlinge vorsieht, es kommt zu groben Menschenrechtsverletzungen.

1963, 11. Juli

Prozeß gegen Nelson Mandela. Die Anklage lautet auf Umsturzversuch und Sabotageakte. Verurteilung zu lebenslanger Gefängnisstrafe und Zwangsarbeit.

1963

Transkei erster Bantu-Staat mit begrenzter Autonomie.

1964

Ausschluß Südafrikas von den Olympischen Spielen.

1966

Premierminister H. F. Verwoerd ermordet; B.J. Vorster wird Regierungschef.

1967

Erste Herztransplantation durch Prof. Christian Barnard.

1973

Streikrecht für Schwarze unter sehr begrenzten Umständen.

1974

Südafrika von UN-Vollversammlung ausgeschlossen.

1975, Febr.

Nicolaas Diederichs neuer Staatspräsident.

1976, Juni / Juli

Der Aufstand der Schwarzen gegen den Unterricht in Afrikaans bleibt nicht ohne Folgen. Bei einem Aufstand in Soweto kommen mehr als 200 Menschen ums Leben.

1977

Die katholische Kirche verdammt immer deutlicher das Apartheidgesetz in den Schulen.

1977, Sept.

Ermordung von Steve Biko, Führer der Bewegung des schwarzen Selbstbewußtseins wird ermordet.

1977, Sept.

Die Nationalpartei gewinnt die Wahlen.

1978, Sept.

B.J. Vorster Staatspräsident.

1978, Okt.

P.W. Botha Premierminister.

1979, Juni

Vorsters tritt zurück; Viljoen nächster Staatspräsident.

1983, Aug.

Antiapartheidbündnis "Vereinigte Demokratische Front" (UDF) gegründet.

1984,Sept.

Botha Staatspräsident und Regierungschef.

1984, Dez.

Bischof Desmond Tutu erhält den Friedensnobelpreis.

1984 -1987

Rassenunruhen.

1985, Juni

Mischehenverbot aufgehoben.

1986, April

Regierung schafft das Paßgesetz und die Zuzugskontrolle für Schwarze ab.

1986, Juni

Ausnahmezustand über das ganze Land verhängt.

1986, Sept.

EG, US-Kongress und Japan verhängen Sanktionen gegen Südafrika.

1987, Okt.

Bruderkrieg in der Provinz Natal zwischen dem ANC und Inkatha.

1987, Dez.

Militärputsch in der Transkei.

1988, 21. Sept.

Antiapartheidorganisationen werden unter dem Ausnahmerecht verboten.

UN - Generalsekretär Pèrez de Cuéllar in Pretoria.

1989, Febr.

Botha tritt vom Vorsitz der Nationalpartei zurück; F.W. de Klerk wird Nachfolger.

1989, Febr.

Zusammenschluss der liberalen Opposition zur Demokratischen Partei.

1989, Aug.

Staatspräsident Botha tritt zurück; de Klerk wird neuer Staatspräsident.

1989, Sept.

Die Nationalpartei gewinnt die Parlamentswahlen.

 

Die Wahrheits- und Versöhnungskommission:

Südafrika macht den Versuch seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Nicht mit den Mitteln des Strafrechts und der Aktenöffnung soll die Aufarbeitung der Verbrechen der Vergangenheit gelingen, sondern durch Vergebung und Versöhnung nach einem umfassenden öffentlichen Geständnis.

Zu diesem Zweck setzte die Regierung am 15. April 1996 eine Wahrheits- und Versöhnungskommission (WVK) ein, die dem Parlament untersteht und vom anglikanischen Erzbischofs Desmond Tutu und dem Richter Alex Boraine geleitet wird.

Aufgabe dieser Kommission ist es:

ein möglichst vollständiges Bild von Gründen, Art und Ausmaß grober Menschenrechtsverletzungen zu erstellen, die sich zwischen dem 1. März 1960 und einem Stichtag nach dem 8. Oktober 1990 und vor dem 6. Oktober 1993 ereignet haben;
die Amnestie für Kronzeugen zu erleichtern;
das Schicksal, beziehungsweise den Verbleib, von Opfern festzustellen; und ein Bericht über die Erkenntnisse abzufassen.

Die Bildung der Wahrheits- und Versöhnungskommission ( WVK) geht nach den Worten von Justizminister Dullah Omar auf einen Artikel der geltenden Übergangsverfassung zurück, deren letzter Artikel so beginnt :"Diese Verfassung bietet eine historische Brücke zwischen der Vergangenheit einer tief gespaltenen Gesellschaft, gekennzeichnet von Streit, Konflikt, unsäglichem Leid und Ungerechtigkeit und einer Zukunft, aufgebaut auf der Anerkennung von Menschenrechten, Demokratie und friedlicher Koexistenz und von Entwicklungsmöglichkeiten für alle Südafrikaner...."

Die Kommission, die aus 17 Mitgliedern, die das breite Spektrum der südafrikanischen Gesellschaft repräsentieren, gliedert sich in drei Unterkomitees:

Das Menschenrechtskomitee:

Das Menschenrechtskomitee ist opfer-zentriert:

Durch die Aufdeckung der Wahrheit soll den Opfern bzw. ihren Angehörigen ihre menschliche Würde in aller Öffentlichkeit zurückgegeben werden. Sie dürfen vor den Augen der Nation die Wahrheit über die Vergangenheit erzählen und durch Aufklärung von bisher unaufgedeckten Umständen die Wahrheit ihrer Geschichte zusammenführen.

Dadurch geschieht Aufklärung, Sinnfindung, Heilung und in manchen Fällen Vergebung und Versöhnung mit den Tätern.

Das Amnestiekomitee:

Dieses Komitee ist täter-zentriert. Vor diesem Komitee können diejenigen Straffreiheit erlangen, die Menschenrechtsverletzungen während der Zeit vom März 1960 bis April 1994 begangen haben, wenn sie drei Bedingungen erfüllen.

Sie müssen in den Anhörungen die volle Wahrheit bekennen.

Sie müssen nachweisen können, daß ihre Taten politisch motiviert waren.

Diese Taten müssen in den angewandten Mitteln in einem zu rechtfertigen Verhältnis stehen. Grausame Verbrechen etwa sind daher von der Amnestie ausgenommen.

Das Rehabilitations- und Wiedergutmachungskomitee:

Dieses Komitee wird die Opfer und Überlebenden, die sich erfolgreich an das Menschenrechtskomitee gewandt haben, in moderatem Rahmen für das ihnen zugefügte Unrecht entschädigen. Dieses Komitee wird letztlich darüber entscheiden, ob den Überlebenden von schweren Menschenrechtsverletzungen wenigsten ein gewisses Maß an Wiedergutmachung und Gerechtigkeit zugesprochen wird.

Zahlreiche Opfer politisch motivierten Gewalttaten sind grundsätzlich bereit, den Verantwortlichen für diese Verbrechen zu verzeihen. Sie billigen somit die von der jetzigen südafrikanischen Regierung in Aussicht gestellte Teilamnestie für Täter, die sich öffentlich zu ihren Handlungen bekennen. Andere Betroffene rufen nach Sühne für das Geschehene. Die Regierung Südafrikas hat sich einer politischen Herausforderung gestellt, die alle Beteiligte aufs äußerste fordert.

Im August 1998 hat das Menschenrechtskomitee der Wahrheitskommission, seine Arbeit abgeschlossen. Mehrere Tausend Opfer der Apartheid haben über ihr Leid berichten können. Die beiden anderen Sektionen der Kommission, die sich mit Entschädigungen und mit Amnestie für Täter befassen, arbeiten weiter.

Am 28. Oktober hat die Wahrheitskommission ihren vorläufigen Schlussbericht an Präsident Mandela und gleichzeitig an die Medien übergeben. Die nahezu 3000 Seiten sind die bisher größte Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen währen der Apartheid–Ära. Die Kommission wirft den damaligen Machthabern, aber auch den Befreiungsbewegungen, schwere Verletzungen der Menschenrechte vor.

Der Abschlußbericht stößt in der breiten Öffentlichkeit auf harte Kritik.

Bereits drei Tage vor der Veröffentlichung des Abschlußberichtes haben die Nationalpartei, die Inkatha Freiheitspartei und die Freiheitsfront angekündigt, seine Ergebnisse abzulehnen.

Die Nationalpartei lehnt ihn ab, weil die Zusammensetzung und Vorgehensweise des Ausschusses zeige, daß er parteiisch zugunsten des Widerstands sei.

Der Inkatha-Präsident Buthelezi lehnte den gesamten Prozess als "nicht neutral" ab.

Südafrika versucht, mit dem Bericht der Wahrheitskommission mit sich selber ins Reine zu kommen. Nun beginne, hofft Mandela, die gemeinsame Geschichte von Schwarz und Weiß nach mehr als drei Jahrhunderten der Feindseligkeit und der Unterdrückung, aber auch der erstaunlichen Bereitschaft zur Versöhnung. Dies war das wichtigste Ziel der Kommission für Wahrheit und Versöhnung.

Desmond Tutu hat recht, wenn er sagt, dass die Südafrikaner stolz auf den Prozeß der Aufarbeitung ihrer Geschichte sein können.

Nicht ohne Grund wird Südafrikas Rat gefragt in jenen Ländern, die nicht fähig sind einen ethnischen oder religiösen Konflikt zu überwinden.

Nordirland und Israel, Ruanda und Ost-Timor baten in jüngster Zeit um Rat am Kap der guten Hoffnung, das seinen Namen jetzt wieder verdient.