Folgen der Verschuldung Verschuldet sein bedeutet arm und unfrei sein. Ein verschuldetes Land kann nicht eigene Entscheidungen treffen, sondern ist von seinen Schuldner abhängig. Durch die Strukturanpassungsprogramme der 80er Jahre diktierten der Internationale Währungsfonds und die Weltbank weithin die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Entwicklungsländer. Wenn Steuer- und Exporteinnahmen zuerst für den Zins- und Schulddienst genötigt werden, bleibt wenig für notwendige soziale Leistungen und für Entwicklung. Verarmung und soziale Destabilisierung sind die Folgen. Verlust der Souveränität des Staates Je tiefer ein Land in die Schulenfalle gerät, desto mehr verliert es seine Unabhängigkeit. Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik können nicht mehr im Interesse des Landes getroffen werden, sondern werden von den Schuldnern diktiert. In den 80er Jahren diktierten der Internationale Währungsfond und die Weltbank über die Strukturanpassungsprogramme (SAP) zunehmend die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Entwicklungsländer, um eine Sanierung der Staatsfinanzen zu bewirken und so die Fähigkeit zur Schuldentilgung zu erhalten. Die Folgen für die Entwicklung der Länder waren bis auf wenige Ausnahmen negativ. Fortschreitende Verarmung Eine Folgeerscheinung der Strukturanpassungsprogramme der 80er Jahre war eine fortschreitende Verarmung der Bevölkerung, die Vernichtung des Mittelstandes und eine immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen arm und reich. Um Schulden bezahlen zu können, wurden Gesundheits- und Erziehung kostenpflichtig gemacht und so für die ärmeren Bevölkerungsschichten unerreichbar. Auch die erzwungene Privatisierung der Staatsindustrien führte in vielen Fällen zur Stilllegung der Betriebe und zu höherer Arbeitslosigkeit. Allgemeine Korruption Korruption gab es zu allen Zeiten. Die Strukturanpassungsprogramme beinhalteten in den meisten Fällen eine radikale Geldentwertung ohne gleichzeitige Erhöhung der Gehälter. Der Wert der Löhne wurde damit so stark entwertet, dass niemand mehr von seinem offiziellen Lohn leben konnte. Korruption wurde in vielen Ländern zu einem unausweichlichem Überlebensmechanismus für alle, die eine Machtposition inner hatten. Kriminalität, Kriege und Konflikte Eine Alternative zur Korruption ist die Kriminalität. Wer sich nicht über eine Position Zugang zu nötigen Ressourcen verschaffen kann, ist versucht, sich durch Betrug oder Gewalt zu verschaffen, was er braucht. Die durch Verschuldung bedingte Verarmung, trug bei zum rapiden Anstieg der Kriminalität, vor allem in den Städten Afrikas. Es ist wohl auch kein Zufall, dass in den letzten zwanzig Jahren an Anzahl der bewaffneten Konflikte und Bürgerkrieg in Afrika stark zugenommen haben. Eine desillusionierte Jugend, der die Gesellschaft keine Zukunft anbietet, ist leichte Beute für ideologische oder ethnische Ideologen und Demagogen. Auch ist es nicht abwegig eine Verbindung zu erkennen zwischen der Verschuldung und Verarmung der Dritten Welt und der wachsenden Bereitschaft, sich durch internationalen Terrorismus ein Recht zu einem menschenwürdigen Leben durchsetzen zu wollen. Umweltzerstörung Um Schulden mit Devisen zu bezahlen, müssen die Entwicklungsländer ihre Ressourcen exportieren. Das führt in vielen Fällen zu massiver Umweltzerstörung. Unersetzliche Tropenwälder werden vernichtet, um die wertvollen Hölzer zu exportieren und landwirtschaftliche Güter für den Export zu produzieren. Die dadurch bewirkten klimatischen Veränderung können für die gesamte Region katastrophal sein. |