KLEINWAFFEN - Ein Weltweiter Handel "Vielschichtige und illegale Finanzierungsquellen und schwer durchschaubare Marktstrukturen machen eine Kontrolle des Kleinwaffenhandels und die Abrüstung dieses tödlichen Geschäftes äußerst schwierig. Waffen sind ein weltweit vagabundierendes Handelsgut, was unkontrolliert von einem Markt zum nächsten strömt." (Wolf-Christian Paes, Kleinwaffen - Eine Bedrohung für die "dritte Welt")WAFFEN AUS DEM KALTEN KRIEG Die meisten Kleinwaffen in Afrika stammen aus der Zeit des Kalten Krieges. Die Großmächte trugen ihre Konflikte nicht auf eigenem Boden aus, sondern durch Stellvertreterkriege in der Dritten Welt. Sie rüsteten sowohl verbündete Regierungen, wie Guerillagruppen aus in Ländern, die mit dem ideologischen Feind verbündet waren. Beispiele: - Äthiopien wurde erst unter dem Menghistu Regime durch die UdSSR bewaffnet, später von den USA aufgerüstet.
- Im fast dreißig-jährigen Bürgerkrieg in Angola unterstützte die UdSSR die Regierungsarmee. Die USA bewaffneten über den Kongo und Südafrika die UNITA Rebellen.
- Die bei der Unabhängigkeit siegreiche Frelimo Bewegung in Mosambik wurde vom Osten unterstützt. Die Renamo Rebellen vom Westen. Das russische Kalaschnikow Sturmgewehr ziert heute noch die Nationalflagge.
Da die im Kalten Krieg gelieferten Kleinwaffen sehr haltbar sind, wandern sie bis heute von einem zum nächsten Kriegsschauplatz in Afrika. Viele dieser Waffen haben auch den Weg in die organisierte Kriminalität gefunden. Am Ende von Bürgerkriegen verkaufen Soldaten und Gruppen Kleinwaffen zu Billigpreisen. WAFFENHÄNDLER UND SÖLDNERFIRMENWährend des Ost-West Konflikts zogen es viele Regierungen vor, ihre schmutzigen, politisch motivierten Waffenexporte nicht in eigener Regie zu organisieren, sondern benutzten dazu private Waffenhändler. Diese nutzten auch nach dem Krieg ihre guten Beziehungen aus, um den lukrativen Waffenhandel auf eigene Rechnung weiterzuführen. Sie unterhalten ihre Büros in den Industriestaaten und haben ihre Bankkonten in den von niemand kontrollierbaren "Steueroasen". Viele dieser Firmen haben ihre Geschäfte zu einer Kriegsindustrie entwickelt. Sie liefern nicht nur Waffen jeder Art, sondern auch die benötigten gut ausgebildeten Soldaten dazu, gegen entsprechende Bezahlung. Solche Privatarmeen werden von Großkonzernen angeheuert, um ihre Investitionen zu sichern; aber auch von Regierungen, die ungern ihren Ruf und das Leben ihrer eigenen Soldaten riskieren. Bekannte Söldnerfirmen (sogenannte PMC - Private Military Companies) sind Sandline International, (Großbritannien) und Military Professional Resources Incorporated (MPRI) (USA). Eine Reihe Faktoren begünstigt das makabre Geschäft der illegalen Waffenhändler: - Seit dem Ende des Kalten Kriegs sind große Bestände an Kleinwaffen überflüssig geworden. Viele gebrauchte Waffen kommen aus den ehemaligen Ostblockstaaten.
- Die Großmächte hatten vor dem 11. September ihre Nachrichtendienste in den Entwicklungsländern stark abgebaut. Waffenembargo sind kaum durchzusetzen.
- Die Deregulierung und Privatisierung der zivilen Luftfahrt und die lückenhafte Luftraumüberwachung in manchen Ländern erleichtern den Transport von Waffen und Munition.
- Über moderne Kommunikationssysteme lassen sich Waffenlieferungen und Geldtransfers leicht koordinieren
- Lücken in der nationalen und internationalen Gesetzgebung machen es möglich legal Waffengeschäfte zu tätigen, so lange die Waffen nicht das eigene Staatsgebiet berühren.
FINANZIERUNG VON WAFFENGESCHÄFTENWie schaffen es Regierungen armer Länder und lokale Guerillagruppen, sich große Mengen von Waffen zu besorgen? Es lassen sich fünf Hauptquellen für Kriegsparteien in Entwicklungsländern identifizieren: - Plünderung von Ressourcen, die unter Kriegsbedingungen abgebaut werden können (z.B. Diamanten, Coltan...)
- Verarbeitung und Handel mit Rauschgiften
- Kriegssteuern und Schutzgelderpressung
- Unterstützung durch Sympathisanten, Stammesgenossen oder Regierungen aus dem Ausland
- Abzweigen humanitärer Hilfe
Die Kampagne gegen "Blutdiamanten" war ein erfolgreicher Versuch, eine bedeutende Finanzierungsquelle für den Ankauf von Kleinwaffen zu stoppen. Einer der größten und gesuchtesten Waffenmakler ist der Russe Victor Bout. Er operiert mit einer Flotte von 60 Antonov Transportflugzeugen aus den Vereinigten arabischen Emiraten. Quellen:- Wolf-Christian Paes: Kleinwaffen - Eine Bedrohung für die "dritte Welt", Bonn International Center for Conversion (BICC) / MISEREOR, Mozartstr. 9, 52064 Aachen- Kleine Waffen - Große Wirkung, "Ohne Rüstung Leben", Arndtstr. 31, 70197 Stuttgart |