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Landnahme in Äthiopien

Allgemeine Länderinformation:

Etwa 75% der 80,71 Mio. Menschen lebt unter der absoluten Armutsgrenze, das heißt mit weniger als 1US$ am Tag. Die Landwirtschaft ist der größte wirtschaftliche Sektor, beschäftigt 85% der Bevölkerung und hat einen Anteil von 40% am BIP. Die Mehrheit sind Kleinbauern, die von kleinräumiger Subsistenzwirtschaft oder Wanderfeldbau leben, oder Viehzücher. 2009 benötigten 13 Mio. Menschen Nahrungsmittelhilfe. Dennoch bietet die äthiopische Regierung ausländische Investoren mindestens 1 Mio. ha Land an.

Landpolitik/ Landrechte:

Landreform vor 1975
Vor der Agrarreform von 1975 gab es im Wesentlichen zwei Formen des Landbesitzes. Alle Mitglieder einer Gruppe, dessen Familie in Landbesitz war, konnte dieses innerhalb der Familie weitergeben.
Nach 1976 war der Anspruch auf  Land mit einem permanenten Wohnsitz im Dorf verbunden. Eine andere Form der Landvergabe ging an die Orthodoxe Kirche, die von der Regierung Land für unbegrenzte Dauer bekam.

Das Landrecht zwischen 1975 und 1991
Die neue Landreform des Militärregimes versprach die Ausbeutung der Kleinbauern zu beenden und deren wirtschaftliche Lage zu verbessern.  Jeder Bauernfamilie wurde ein Nutzungsrecht über ein Stück Land, das nicht größer als zehn Hektar sein durfte, garantiert.  Es war das erste Landrechtsystem, das für das ganze Land galt.
Der Staat übernahm die Kontrolle über die Verwaltung von Land und spielte gleichzeitig eine starke Rolle in der Formierung von bäuerlichen Institutionen. Diese übernahmen die wichtige Rolle in der Umsetzung aller staatlichen Programme.
In den späten 1980ern fiel die gesamte Region unter die Kontrolle der TPLF (Tigray People's Liberation Front). Landreform wurde politisiert.

Das seit 1991 aktuelle Landrechtsystem
Nach dem Niedergang des Militärregimes  wurde Äthiopien ein demokratischer, föderaler Staat mit neun Bundesstaaten. Erst 1995 kam ein Landrecht zum Einsatz, welches den ehelichen Status nicht mehr voraussetzte und garantierte somit Frauen und Männern Land, nachdem sie jeweils das Alter von 18 bzw. 25 Jahren erreicht hatten, unabhängig von Familienstand und dem Willen der Eltern.
Land blieb auch nach 1991 öffentliches Gut. Vermarktung von Land und dauerhafte Übereignungen blieben verboten. Diese Regelungen wurden 1995 in die Verfassung übertragen.
Somit fiel die gesamte Kontrolle über Land unter die Autoritäten der jeweiligen Bundesstaaten. Obwohl der Staat an Regelungen von Landumverteilungen und Registrierungen arbeitet, verpachtet die Regierung immer noch große Flächen des Landes an Investoren, ohne dabei auf die Kleinbauern zu achten, die dort anbauen und leben, ihre Rechte aber nicht gesichert haben. Dadurch kommt es weiterhin zur Missachtung der Menschenrechte und der Marginalisierung der Kleinbauern.

Weitere Informationen zu Landpolitik:
http://www.vidc.org/fileadmin/Bibliothek/DP/pdfs/gLRaethiopien.pdf

Jahr
Investor
Ort
Fläche/ha
Investitionsvolumen
Landnutzung
Status
Kommentar/Quelle
2009
Flora EcoPower (Deutschland)
 
13.000 ha
Agrartreibstoffe; Vereinbarung über Vertragslandwirtschaft
Unterzeichnet
 
2009
Katar
 
5.000 ha
Nahrungsmittel
 
 
2009
Saudi Star (Saudi- Arabien)
Alwero, Gamela- Region
10.000 ha
Reis, Mais und Weizen
Unterzeichnet
2009
Saudi Star (Saudi- Arabien)
Jawi Wereda, Amhara
250.000 ha Mais, Zwerghirse, Zuckerrohr und Öl Samen wird umgesetzt
2009
Emami Biotech (Indien)
 
40.000 ha
Jatropha
Unterzeichnet
Emami Biotech to set up biofuel project in Ethiopia
2009
Karuturi (Indien)
Provinz Gambela
300.000 ha
Weizenproduktion
Land gepachtet
Ethiopia – country of the silver sickle – offers land dirt cheap to farming giants
2010
Saudi Star (Saudi-Arabien)
Bishoftu
100.000m²
Reisverarbeitungs- fabrik
Unbekannt
Saudi Star to swallow 100,000sqm of Bishoftu land

2010
Shapoorji Pallonji (Indien)
 
50.000 ha
Pongamia Pinnata
Unterzeichnet
Shapoorji, Ethiopia ink 50,000ha land deal
 
Unbekannte Investoren (Saudi- Arabien)
 
100 Mio. US$
Unbekannt
Unterzeichnet
 
 2010
BHO Agro Plc (Indien)
 Gambela
27.000 ha
Biospriit
Unterzeichnet
 Farmlandgrab
2010
Acazis AG
Deutschland
56.000 ha gepachtet
200.000 ha Konzession
Biosprit
Friends of the Earth

Weitere Links und interessante Artikel:
Struggles against land grabs in Gambella: Interview with Nyikaw Ochalla
Anywaa Survival Organisation: The Ethiopian government’s secret land grab deals
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/redakt/afka1901.html
How food and water are driving a 21st-century African land grab