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PATENTE UND KLEINBAUERN

Agrarkonzerne bedrohen die Existenz afrikanischer Kleinbauern

Der Fall Percy Schmeiser

Nichts kann die Gefahr von Patentrechten für Bauern besser illustrieren als der Fall des kanadischen Farmers Percy Schmeiser. Seit Jahren hatte Percy das Saatgut, das er auf seiner Farm verwendete, selbst zu züchten versucht. Dann stellte er fest, dass sein Saatgut durch genetisch manipulierte Samen, die vom Wind auf seine Felder geweht wurden, verunreinigt war. Als der Fall bekannt wurde, verklagte Monsanto den Farmer wegen Lizenzgebühren und bekam Recht. Percy Schneider wurde von einem kanadischen Gericht wegen Verletzung von Patentrechten verurteilt, an Monsanto einige zehntausend Dollar zu zahlen.

Die Firma DuPont monopolisiert Maissorten

Der Firma Dupont wurde im August 2000 das Patent EP 744 888 gewährt. Durch dieses Patent hat der Konzern jetzt ein Monopol auf alle Maiskörner, die einen bestimmten Anteil an Öl- und Ölsäure überschreiten. Ebenso kontrolliert er deren Verwendung in sämtlichen Lebensmitteln, wie z. B. in Margarine oder Kochölen. Ein derartig umfassendes Patent bringt das Risiko für die Maisbauern, für ihr Samengut von DuPont abhängig zu werden. Das Patent wurde gewährt, obwohl es derartigen Mais bereits gibt, auch ohne DuPont. Patentrechte, wie sie das TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation vorsieht, bedrohen die Unabhängigkeit und die Existenz der Farmer, besonders der afrikanischen Kleinbauern.

Seit tausenden von Jahren betreibt die Menschheit den Ackerbau. Generationen von Landwirten haben durch Auslese und Züchtung die in der Natur vorkommenden Pflanzen ertragreicher gemacht und den lokalen Klima- und Bodenbedingungen angepasst. So entstanden durch diese traditionellen bäuerlichen Gemeinschaften zahlreiche Varianten von Mais, Reis, Weizen und anderen Nutzpflanzen. Diese Artenvielfalt ist die Grundlage und Sicherheit, die die Ernährung der Menschheit in Zukunft garantiert.

Patentrechte, die durch das TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation für alle Länder verpflichtend werden, bedrohen die Existenzgrundlage von Millionen von Kleinbauern in den Entwicklungsländern.

  1. Agenten der Agrarkonzerne sammeln in der ganzen Welt die Samen oder das genetische Material der verschiedenen Sorten, die von den traditionellen Gruppen entdeckt, entwickelt und behütet wurden. Die eigentlichen Besitzer dieses genetischen Materials werden dafür überhaupt nicht oder mit lächerlichen Summen kompensiert. Diese 'Bio-Piraterie', auch "Bio-Kolonialismus" genannt, ist eine neue Form von Ausbeutung des Südens. Wie die Kolonialstaaten im jetzigen Jahrhundert die Rohstoffe Afrika ausbeuteten, so wird jetzt der biologische Reichtum Afrikas über Patentrechte in Besitz genommen. Internationale Abkommen, wie auch das afrikanische Model für eine Patentgesetzgebung, legen deshalb für die Benutzung genetischer Ressourcen eine offizielle Genehmigung und eine adäquate Kompensation fest.
  2. Agrarkonzerne benutzen das gestohlene genetische Material, um neue genetisch manipulierte Samen zu entwickeln, patentieren zu lassen und dann zu vermarkten. Das bringt hohe Risiken mit sich:
    - Die ertragreicheren genetisch manipulieren Samen werden langsam die traditionellen Samensorten verdrängen. Wie in den Industriestaaten die Artenvielfalt in vielen Bereichen bereits durch Monokulturen zerstört worden ist, so ist sie jetzt auch in den Entwicklungsländern bedroht.
    - Die langfristigen Auswirkungen von genmanipulierten Nahrungsmitteln auf den menschlichen Körper sind nicht vorhersehbar.
  3. Genverändertes (GM0) Samengut sind oft ertragreicher und resistenter als traditionelle Sorten, haben aber auch negative Eigenschaften:
    - GM Samengut ist teurer, für afrikanische Kleinbauern sogar unerschwinglich.
    - GM Samen sind "Terminator" Samen d.h. sie reproduzieren sich nicht, lassen sich so nur einmal aussähen und müssen jedes Jahr neu gekauft werden.
    - GM Saatgut ist so manipuliert, dass es nur gegen die Pestizide der gleichen Firma resistent ist. Der Bauer muss also nicht nur den Samen, sondern auch die Pestizide von der gleichen Firma kaufen und gerät in ihre Abhängigkeit.

Dies kann dramatische Konsequenzen haben:

  • Nur die größeren subventionierten Agrarbetriebe der westlichen Welt können diese Samen profitabel verwenden. Die afrikanischen Kleinbauern können sich die patentierten und manipulieren Samen nicht leisten. Da ihre Farmen unrentabel werden, strömen sie in die ohnehin schon übervölkerten Städte.
  • Einige wenige Agrarkonzerne, die das Samengut produzieren und kontrollieren, gewinnen damit Kontrolle über die Landwirtschaft in der ganzen Welt. Eine solche unkontrollierte Monopolstellung über die Nahrungsmittelproduktion der Welt stellt eine Machtkonzentration dar, die unweigerlich zu Missbrauch und Ausbeutung führen wird.