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Wasser in den Religionen

Wasser ist heilig

"Das Wasser ist unsere Mutter, da sie die Erde trägt, auf der wir leben und hierfür schulden wir ihr Dankbarkeit. Seine Wichtigkeit darf nicht vernachlässigt werden, weder im täglichen noch im religiösen Leben" So beschriebt Damandju Banga Wa Banga, Assistent an einer theologischen Hochschule im Kongo, die Bedeutung des Wassers für die einheimische Kirche der Kimbanguisten.

In den meisten Religionen der Welt hat Wasser eine ganz zentrale Bedeutung. Dies zeigt sich besonders in den Schöpfungsmythen der Völker. Im ersten Schöpfungsbericht der Bibel, wie er in Genesis 1 nachzulesen ist, steht das Wasser am Anfang des Leben, denn die ganze Erde war von Wasser bedeckt, und im zweiten Vers des 1. Buches der Bibel heißt es dann: "der Geist Gottes schwebte über dem Wasser". Häufig wird die lebensspendende Kraft des Wassers gepriesen, aber auch die Erfahrung der zerstörerischen Kraft des Wassers spiegelt sich in religiösen Vorstellungen wider. Wasser bringt Leben, aber auch Zerstörung und Tod.

Wasser im Alten Testament ist ein Zeichen des Heiligen. Wasser ist Zeichen der Reinheit und der Zuwendung Gottes zu den Menschen: "Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst. Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch. (Jesaja 55,1)

Im Exil wurde den Israeliten die Zusage der Rückkehr nach Jerusalem mit diesen göttlichen Worten bekräftigt: "Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf die Dürre. Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, dass sie wachsen wie Gras zwischen Wassern wie die Weiden an den Wasserbächen." (Jesaja 44, 3-4)

Angesichts der Erfahrungen von Dürre und Durst wird Gott in der Bibel als Retter aus dieser Not dargestellt. Das wird bildhaft in der Geschichte von Hagar und ihrem Kind in der Wüste: "Gott öffnete ihr die Augen, und sie erblickte einen Brunnen. Sie ging hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab davon dem Knaben." (Genesis 21,19)

In vielen Kulturen werden die Götter beschworen, es endlich regnen zu lassen. Die Abhängigkeit der Menschen von der Schöpfung oder dem Schöpfer wird selten so elementar erlebt wie in Zeiten der Dürre und des Durstes. So berichten Jakob und seine Brüder dem Pharao, dass sie und ihre Leute vor der Dürre nach Kanaan geflohen waren. (Genesis 42) Joseph konnte durch die umsichtige Einlagerung von Getreide in den Speichern Pharaos Menschen vor dem Hungertod retten. In keiner Weise berichtet die Bibel davon, dass Joseph und der Pharao die "Marktlage" nutzten, um das Getreide zu einem besonders hohen Preis zu verkaufen. (Genesis 41)

Im Neuen Testament kommt Wasser in vielen Zusammenhängen vor. Immer wieder finden wir die Verbindung von ganz realem Wasser und dem Wasser des Lebens und Heils. "Wer einem dieser Geringen nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wirklich, ich sage es euch: er wird seinen Lohn dafür empfangen." (Matthäus 10,42) Auch bei der Heilung spielt Wasser eine ganz reale Rolle, wie der Bericht über die Heilung des Blinden zeigt, der von Jesus zum Teich Siloah

geschickt wird, wo er sein Auge waschen sollte und danach wieder sehen konnte. (Joh. 9,1-7) Ganz real war auch das Wasser, mit dem Jesus seinen Jüngern die Füße wusch, und doch zugleich von einer viel tieferen Bedeutung. (Joh. 13,5) Die Botschaft ist klar: Wasser ist heilig, das Wasser auf der Erde ist bereits ein Zeichen des Wassers des Heils, das von Gott kommt.

Die Verheißung, auf die die Menschen hoffen dürfen, ist in der Offenbarung des Johannes mit vielen Bildern vom Wasser verbunden. So heißt es im 7. Kapitel: "Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Offenbarung 7,17) Und an anderer Stelle lesen wir: "Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt." (Offenbarung 21,6)

Die Kirche zu Wasser

Ganz aktuell ist die Botschaft, die Papst Johannes Paul II. zum Welternährungstag am 13. Oktober 2002 an den General Direktor der F.A.O. sandte. Dort schreibt er unter anderem:

"Das diesjährige Thema "Wasser, Quelle der Nahrungsmittelsicherheit" ist eine Einladung, über den Wert des Wassers nachzudenken, ohne das Menschen und Gemeinschaften nicht leben können. Als unentbehrlicher Faktor menschlicher Tätigkeiten, ist Wasser Grundlage für die Nahrungsmittelsicherheit. Wir können auch nicht vergessen, dass Wasser ein Symbol ist, das in vielen Gemeinschaftsriten verschiedener Religionen und Kulturen Zugehörigkeit und Reinigung bedeutet.

Im Christentum wird Wasser verwandt als Zeichen eines inneren Prozesses von Umwandlung und Bekehrung. Diesem symbolischen Wert entspringt die Einladung, den Wert dieses kostbaren Gutes und gegenwärtige Verhaltensweisen zu überdenken, um heute und in Zukunft zu garantieren, dass alle Menschen Zugang zu Wasser haben, unentbehrlich für ihre Bedürfnisse, für ihre Produktivitäten ganz besonders in der Landwirtschaft und sie sich über die gute Qualität dieser unschätzbaren Ressource freuen können. Das wachsende Bewusstsein, dass Wasser eine begrenzte Ressource ist, aber absolut wesentlich zur Nahrungsmittelsicherheit, führt heute viele zu einer Verhaltensänderung, einer Änderung, die wegen der Zukunft für kommende Generationen gefördert werden muss.

Für die internationale Gemeinschaft und ihre Behörden ist es notwendig, in diesem Bereich effektiver und sichtbarer einzugreifen. Solch eine Intervention sollte zum Ziel haben: Förderung größerer Kooperation zum Schutz des Wasservorrats vor Verschmutzung und falschem Gebrauch und vor Ausnutzung, die nur auf Profit und Privilegien abzielt. Diese Bemühungen der internationalen Gemeinschaft müssen primär das Wohl der Menschen zum Ziel haben - Männer, Frauen, Kinder, Familien, Gemeinschaften - die in den ärmsten Teilen der Welt leben und folglich am meisten unter der Knappheit oder dem Missbrauch von Wasser Ressourcen leiden.

Die Schlussfolgerungen von neusten internationalen Treffen haben aufgezeigt, wie der Kampf gegen Hunger und Unterernährung - und generell der Kampf gegen Armut und zum Schutz der Ökosysteme - in sehr vielen und verschiedenen Situationen und unter rivalisierenden Interessen durchgeführt werden muss. Der erste Schritt dieser Bemühungen ist, ein haltbares Gleichgewicht zwischen Verbrauch und vorhandenen Ressourcen zurückzugewinnen.

Wir sind uns alle bewusst, dass ohne Beachtung der fundamentalen Grundregeln von Ethik und Moral, Prinzipien, die im Herzen und im Gewissen jedes menschlichen Wesens verwurzelt sind, diese Ziel nicht erreicht werden kann. Tatsächlich, die Schöpfung und herrliche Harmonie sind in Gefahr, nicht wiedergutzumachend zerstört zu werden. Die biblische Weisheit erinnert uns, die "Quelle des lebendigen Wassers und Lebens" nicht zu verlassen, weil "Zisternen mit Rissen das Wasser nicht halten" (Jeremia 2,13). Wir können schon darin eine Warnung für unsere derzeitige Situation sehen. Mit anderen Worten, wir werden erinnert, dass technische Lösungen, egal wie hochentwickelt, nicht hilfreich sind, wenn sie nicht vorrangig den Menschen in Betracht ziehen. Seine materielle und geistige Bedeutung ist das Maß aller Rechte und muss folglich das leitende Kriterium der Programme und der Politik sein.

Ein ausreichendes Entwicklungsniveau in jeder geographischen Region wird nur dann gesetzmäßig und respektvoll garantiert sein, wenn der Zugang zu Wasser als ein Recht der Einzelperson und der Völker anerkannt ist. Damit dies geschieht, muss die internationale Politik erneut die Aufmerksamkeit auf den unschätzbaren Wert der Wasser Ressourcen lenken, die oft nicht erneuerbar sind und nicht das Eigentum einiger weniger werden dürfen, denn sie sind gemeinschaftliches Gut der gesamten Menschheit. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie der ganzen Menschheit zugute kommen soll, dabei Gerechtigkeit die Führung haben muss gestärkt durch die Nächstenliebe". (II. Vat. Konzil Gaudium et Spes, 69)

Die internationale Politik muss erneut die Aufmerksamkeit auf den unschätzbaren Wert der Wasser Ressourcen lenken, die oft nicht erneuerbar sind und nicht das Eigentum einiger weniger werden dürfen, denn sie sind gemeinschaftliches Gut der gesamten Menschheit.

(Papst Johannes Paulus II)